nmz

Aufmerksamkeitsenthaltsamkeits-Atrophie

Große Auftritte, kleine Folgen: Vielerorts wurde der Auftritt von Marcel Reich-Ranicki beim Deutschen Fernsehpreis von der Kritik erfreut beklagt. Auftritt und Kritik bleiben jedoch eine Luftnummer. Reich-Ranicki, der wohl zwischen Helge Schneider und Helen Schneider nicht zu unterscheiden vermag, war der perfekte Aufmerksamkeitsablenker, zu allem Überfluss womöglich nicht einmal selbstverschuldet.

Bibliographische Angaben: 

Aus der nmz 12/2008

Funk-Krach

Der Rundfunk treibt Blüten – im Zeitalter seines Abgangs. Neuerdings scheint es durchaus wieder modisch zu sein, die Abflachung des Kulturniveaus durch braunumrandete Rundfunkideen zu legitimieren. Der Musikchef des RBB (Radio Berlin-Brandenburg), Dr. Christian Detig, verwies ohne große Umschweife auf Reichspropagandaminister Joseph Goebbels und zitierte ihn verkürzt: „Das Programm des Rundfunks muss so gestaltet werden, dass es den verwöhnteren Geschmack noch interessiert und dem anspruchslosen noch gefällig und verständlich erscheint. Dabei soll besonderer Bedacht auf die Entspannung und Unterhaltung gelegt werden, weil die weitaus überwiegende Mehrzahl aller Rundfunkteilnehmer einen Anspruch darauf hat, in den wenigen Ruhe- und Mußestunden auch wirklich Entspannung und Unterhaltung zu finden. Dem gegenüber fallen die wenigen, die nur von Kant und Hegel ernährt werden wollen, kaum ins Gewicht.“

Figaro, übernehmen Sie

Ab Januar 2004 schaltet der Mitteldeutsche Rundfunk seine Kulturwelle mdr Kultur ab und schaltet an dessen Stelle „mdr Figaro“ auf. Kultur scheint in Mitteldeutschland wohl einfach ein seltenes Gut zu sein. Die Begründung für den Neustart liefert die Hörfunkchefin Barbara Mohlsen nach: „Der Begriff Kultur ist sehr tradiert besetzt und schafft eher eine Zugangsbarriere.“ Der Begriff der Kultur wirke elitär und schrecke ab. Das sei das Ergebnis einer Imagestudie, das eigentlich niemanden verwundern kann.

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