Das sind Energiestöße, wie man sie lange nicht mehr gehört hat. Drei Klangmeister an den Saxophonen und Klarinetten. Energiestöße, reine Tonaktivität, kaum gebändigt durch Organisationsströme. Peter Brötzmann, Mats Gustafsson und Ken Vandermark veranstalten hier ein Klang-, Ton-, Geräuschgewitter, das donnert, knistert, schäumt, strömt, dunkelt, erhellt. Immer wieder ist es von höchster Erstaunlichkeit, wie hier Krach in musikalisch kinetische Energie umgewandelt wird – und umgekehrt. „Straight Into The Light“, gleich die erste Nummer der knapp 50-minütigen Musikwalzen eröffnet einen Tonkosmos extremen Ausmaßes: kochend, kreischend, grummelnd, pulsierend – Tripelquasaren gleich. … mehr lesen … über [Rez] Sonore, Only The Devil Has No Dreams
1. Mai 1965, New York - Town Hall, Albert Ayler und ein paar Freunde machen eine Platte, etwas weniger als 21 Minuten lang: Bells. Mit von der Partie sein Bruder Don (tp), Charles Taylor (sax), Lewis Worrell (b) und Sonny Murray (dm). Eine teilweise chaotische Musik, die sich gelegentlich militaristisch-hymnisch verdichtet.
Die ganze letzte Zeit spukt mir Albert Ayler im Kopfe herum. 1936 geboren, mit 34 Jahren tot im East River aufgefunden. Er startete Anfang der 60er Jahre mit einem Sound des musikalischen Auskotzens. The first Recordings mit den Dänen als rhythm-section an seiner Seite, die gar nichts kapieren, trollig-öde in älterer musikalischer Technik hängen bleiben. „Eindruck einer hoffnungslosen Verstimmtheit” nannte dies Ekkehard Jost dies in seiner Analyse von 1975 unter dem Titel “Free Jazz.”
Musikbeispiel 1: Aus „Rollins' Tune” - First Recordings, Stockholm 1962 - hier mitten im Solo, das Schlagzeug klopft sich so durch, Ayler spaltet Ton für Ton und der Bassist nudelt seine gleiche Phrase wie eine Maschine. Dann bricht das Solo Aylers ab und er spielt ein paar Cluster auf dem Klavier. Das ist alles so unmotiviert wie hilflos, aber irgendwie auch schon wieder niedlich. (MP3 - 1:06 - 1,23 MB) … mehr lesen … über Albert Ayler: die einseitige Platte von 1965