Kreidler hat mich daran erinnert, dass auch ich einmal vor einiger Zeit im Auge des philosophischen Hurrikans der Postmoderne mich befand. Wir lasen damals ein Buch mit dem Titel "Postmoderne oder Der Kampf um die Zukunft". Es erschien 1988, herausgegeben von Peter Kemper. es war Begleittext zu einer Senderreihe des Hessischen Rundfunks, die sich mit dem Phänomen der Postmoderne befasst hat. In diesem Band dan Gérard Raulets Beitrag "Leben wir in einem Jahrzehnt der Simulation? Neue Informationstechnologien und sozialer Wandel", in dem wiederum Lyotards Deutung der Zukunft einer informierten Gesellschaft zu finden ist, die in seinem Text "Das postmoderne Wissen" stand, das 1979 veröffentlicht wurde. Da war ich 15 und Adorno 10 Jahre tot. Da steht:
„Die Informatisierung der Gesellschaften kann das - erträumte - Kontroll- und Regulierungsinstrument des Systems des Marktes werden, das, auf das Wissen selbst erweitert, ausschließlich dem Prinzip der Performativität (der Sprachfähigkeit) gehorcht. Sie bringt dann unvermeidlich den Terror mit sich. Sie kann auch den über die Metapräskriptionen (d. h. den Voraussetzungen) diskutierenden Gruppen dienen, indem sie ihnen die Informationen gibt, die ihnen am meisten fehlen, um in Kenntnis der Sachlage zu entscheiden. Die Linie, die man verfolgen muß, um sie in diesem letzteren Sinn umzulenken, ist im Prinzip einfach: die Öffentlichkeit müßte freien Zugang zu den Speichern und Datenbanken erhalten.“
Und? Kommt einem das nicht bekannt vor? Ist nicht hier in den vorgeschlagenen Alternativen genau benannt, was noch heute die Ränder unserer Informationsgesellschaft ausmacht? Freier Zugang für die Öffentlichkeit auf der einen Seite vs. Kontroll- und Regulierungsinstrument des Marktes (und des Staates - der aber auch als Funktion des Marktes verstanden werden darf)?