Philosophie

Einstellungssache

  • Häufig heißt einer Sache hinterherlaufen nur vor sich selbst zu fliehen.
  • Wehe wenn ein Vakuum explodiert.
  • Der Zappelphillip verbraucht viel Energie ohne sich zu bewegen.
  • Aus beta wurde +
  • Wer schreibt uns eine neue Winterreise?
  • Weil das Essen nicht durchgegart ist, muss es gegessen werden bis es verdirbt. Im Innern machen sich die Würmer breit.

 

The winner takes it all

Ab und an ist es einfach rückwirkend erhellend, wie sich früher Autoren Problemen angenommen haben, von denen man meinen könnte, sie beträfen nur die aktuelle Zeit. Karl Jaspers hatte 1962 sich Gedanken darüber gemacht, wie man mit Informationen umzugehen hat. Wem man vertrauen kann und was sie konkret bedeuten. Er klagte: 

Die Überschwemmung durch Zeitungen und Bücher ist nicht zu umgehen, wenn Freiheit der Information sein soll. Man ertrinkt in der Flut, die als Masse von Unwesentlichem das Wesentliche mit hinwegschwemmt. Manche Unberufene schreiben umständlich über belanglose Sachen, schreiben, um zu schreiben. Zeitungen und Zeitschriften müssen ständig in gleichem Umfang gefüllt werden. Um so wichtiger die Namen von Rang und die bescheidenen, redlichen Schriftsteller, die man bis in die letzten Provinzzeitungen finden kann. Wer liest ohne die Kraft schnellen Findens bei diagonaler Durchsicht und wer die Tagespresse nicht schnell erledigt, der wird überfüllt mit einem Ragout von Themen. Er findet sich am Ende in einem Zustand öder Leere. Gewöhnt, gar nicht eigentlich zu lesen, verliert er das eigene Denken, das bei der Sache hält.1

Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor? Unterm Einfluss der neueren Medien mögen sich die Akteure an Anzahl vervielfacht haben, aber das Grundproblem selbst ist offenbar ein altes. Jaspers hatte noch Hoffnung darauf, dass er für den Grad der Informiertheit auch den Informierten selbst mit in die Pflicht nahm. 

  • 1. Karl Jaspers: Werden wir richtig informiert (1962), in: ders.: Lebensfragen der deutschen Politik, München 1963, S. 299 f.

Die Zukunft der Netze (1979) und das Ende der Öffentlichkeit (2011)

Kreidler hat mich daran erinnert, dass auch ich einmal vor einiger Zeit im Auge des philosophischen Hurrikans der Postmoderne mich befand. Wir lasen damals ein Buch mit dem Titel "Postmoderne oder Der Kampf um die Zukunft". Es erschien 1988, herausgegeben von Peter Kemper. es war Begleittext zu einer Senderreihe des Hessischen Rundfunks, die sich mit dem Phänomen der Postmoderne befasst hat. In diesem Band dan Gérard Raulets Beitrag "Leben wir in einem Jahrzehnt der Simulation? Neue Informationstechnologien und sozialer Wandel", in dem wiederum Lyotards Deutung der Zukunft einer informierten Gesellschaft zu finden ist, die in seinem Text "Das postmoderne Wissen" stand, das 1979 veröffentlicht wurde. Da war ich 15 und Adorno 10 Jahre tot. Da steht: 

„Die Informatisierung der Gesellschaften kann das - erträumte - Kontroll- und Regulierungsinstrument des Systems des Marktes werden, das, auf das Wissen selbst erweitert, ausschließlich dem Prinzip der Performativität (der Sprachfähigkeit) gehorcht. Sie bringt dann unvermeidlich den Terror mit sich. Sie kann auch den über die Metapräskriptionen (d. h. den Voraussetzungen) diskutierenden Gruppen dienen, indem sie ihnen die Informationen gibt, die ihnen am meisten fehlen, um in Kenntnis der Sachlage zu entscheiden. Die Linie, die man verfolgen muß, um sie in diesem letzteren Sinn umzulenken, ist im Prinzip einfach: die Öffentlichkeit müßte freien Zugang zu den Speichern und Datenbanken erhalten.“

Und? Kommt einem das nicht bekannt vor? Ist nicht hier in den vorgeschlagenen Alternativen genau benannt, was noch heute die Ränder unserer Informationsgesellschaft ausmacht? Freier Zugang für die Öffentlichkeit auf der einen Seite vs. Kontroll- und Regulierungsinstrument des Marktes (und des Staates - der aber auch als Funktion des Marktes verstanden werden darf)? 

Flasche

Zukunft: vergänglich

Durch den Aufbau von einigen Regalen konnten nun auch endlich Bücher wieder an das Tageslicht geholt werden, die zwei Jahre lang den Keller trocken hielten. 

Das Interessante dabei, es war auch welche von Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre dabei. Mein Vater besaß sie.

  • Jaspers: Die Atombombe und die Zukunft des Menschen
  • Russell: Hat der Mensch noch eine Zulkunft?

Welche Macht damals der Konflikt zwischen Ost und West hatte, ist so extrem bei Russell zu sehen. Heute scheint es, man könne die Begriffe austauschen und religiös-bedingt ersetzen. 

Seit der Katastrophe in den japanischen Kernkraftwerken ist auch die Atomgefahr wieder auf dem Tisch. Aber anders. 

Ein anderes Buch von Margret Boveri: Der Verrat im 20. Jarhundert. Die ersten beiden Bände der rowohlt enzyklopädie daraus stehen im Schrank. Man schaut mal rein, riecht. Da steht was davon, wie das Ausland die Attentate auf Hitler bewertet hatte. Sie schreibt, dass noch bis 1946 es nicht genehmigt wurde, über die Attentate aus dem Kreise der Offiziere in Deutschlands Öffentlichkeit zu berichten. 

Ich erwähne es nur, weil es mich überrascht. Die Vergangenheit schluckt extrem. Alles was passiert, vergeht. Auch die die wichtigen Dinge. 

Gerade gestern ein paar Buchtitel bei moxom eingegeben, was die dafür zahlen würden. Dieter E. Zimmer (Redens Arten) und Lothar Baier (Die verleugnete Utopie) sind nix wert. Ritzers "Die Globalisierung des Nichts" ist "etwas" wert. Habermas' Faktizität und Geltung bringt wengstens weniges, mehr als Adornos Schriften Band 14 in festem Einband. Es ist nicht komisch.

Schaf

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„Leere ist Verbrechen“ - Ornament ist Leben

Vielleicht sollte man sich doch gelegentlich mal wieder orientieren. Auch wenn es keinen Spaß verspricht. Die schnellen Medien erzeugen einen Rausch. Plötzlich kann man überall dabei sein. Überall mitreden. Überall wird exponiert, geredet, abgebildet. Die Präsenz ist die Existenz. Wer nicht da ist, existiert nicht. Und es gibt kein zurück.

Die 60er Jahre: Edgar Wind

Manche Einsichten sind sehr simpel. 1963 schreibt Edgar Wind:

Machen wir uns nichts vor: Kunst ist unbequem, ganz besonders für den Künstler selbst.1

Schöne Grüße aus den 60er Jahren …

 

  • 1. Edgar Wind: Kunst und Anarchie, Frankfurt/M. 1994, S.9.

Denkbar

dass wir uns nur verstehen, weil wir uns nicht verstehen.

Grundsätzlich

Grundsätzlich ist alles vergänglich.

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