Popkommisches

Da fühlt man sich wie auf einem anderen Planeten. Ein ganz merkwürdiger Scherz, diese Veranstaltung ohne Inhalt. Firmen der Popbranche stellen Bänke auf, andere bauen nach außen verspiegelte Klötze. Dazwischen Klitschen mit eigenartigen Angeboten.

Und dann in einer Halle, dieses:

Die Deutsche Orchestervereinigung auf der popkomm

Stand 712. Die Deutsche Orchestervereinigung, die man vielleicht nicht ganz unbedingt auf so einer Messe erwarten würde. Auf dem Monitor laufen Bilder von Pultstars. Solti bis Thielemann, Furtwängler bis Nagano. Sie spielen alle, so hat es den Anschein, das gleiche Stück Musik. Ein Mix, der die Eigenarten der einzelnen Taktstockschwinger nicht erkennen lässt.

Auf dieser Messe wirkt dies alles außerplanetarisch, aber nicht unangenehm. Ein Gespräch mit dem Vertreter der DOV ist ganz entspannt und vergnügt. Er ist ein Reisender in Sachen Propaganda. Es geht nicht um Tarife. Es geht um Orchester. Um die Landschaft der Orchester. Es ist aber so echt alles, wie woanders in Berlin auch.

Eine andere Beobachtung. Nie habe ich so eine hohe Strahlendichte an Mobiltelefonemissionen wahrnehmen können. Wer nicht irgendwie mit anderen Menschen redete, wer nicht aß oder irgendwo zuhörte, der telefonierte, vorzugsweise draußen, bei herrlichem Spätsommerwetter. Natürlich telefoniert man heute mehr als früher, auch und gerade in der Öffentlichkeit. Und besonders in einer Welt, die es eilig hat, so "innovativ" wie nur sonst was ist, oder eben einfacher nur das Geld auf den Wegen abgrasen muss, das nur kurze Zeit herumliegt, ganz wie an der Börse. Spekulative Schnöseleien.

Dagegen haben es die Vögel auf dem Messegelände, dem berühmten Garten der Messe, leichter. Verängstigt sind sie nicht, aber vorsichtig, aber auch nicht um eine gute Gelegenheit verlegen. Sie badeten im bequemen Bassin.

Vogel badendVor den Türen der Veranstaltung dann Musik zu dritt. In einem Mietwagen mit allem nötigen Brimborium ein nettes Trio. Irgendwie war das sicherlich das popigste der Popkomm. Leidlich gefüllt der Koffer, vielleicht hat sich eine Visitenkarte hineinverirrt. Aber die Besucher sind gewöhnlich nicht von der Art, dass sie etwas zu finden hoffen. Man ist halt da, trifft Freunde. Und man ist auch nicht da. In gewissem Sinne war ich ja auch nicht da.

Fairy

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