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Vermitteln, vermitteln, vermitteln

In zwei aufeinanderfolgenden Sendungen hat sich taktlos, das musikmagazin der neuen musikzeitung und des Bayerischen Rundfunks mit der Situation der Neuen Musik in Deutschland beschäftigt. Im November ging es in Karlsruhe um die Frage: "Neue Musik im Off?" - welche Rolle spielt neue Musik im Konzertleben und in der Öffentlichkeit. Jetzt, im Dezember, ging man der Frage nach: "Neue Musik am Tropf?" und spielte auf die großartige Initiative der Bundeskulturstiftung "Netz Neue Musik" an, die insgesamt 11 Millionen Euro an ausgewählte Initiativen und sich selbst verteilen konnte. Das ist wie ein Lotto-Jackpot, wenn man ihn allein bekommt. Über die Projektzeit verteilt sind es aber pro Nase und Bundesbürger 5 Cent, die er und sie der Szene schenkt.

David Eschmann. Foto: Hufner

Ein bisschen widersprüchlich waren auch die Argumente der Neue-Musik-Apologeten. Auf der einen Seite weisen sie auf Defizite der Szene hin, bemühen dann aber immer wieder Veranstaltungen der Szene, die zeigen, wie erfolgreich doch die Neue Musik angenommen werde. Donaueschingen sei immer ausverkauft und Ultraschall in Berlin sowieso das beste Fest der Welt. "Ja aber Ultraschall" und "Maerzmusik" undundund. Mit meinem Beitrag verwies ich auf Hanns Eisler Diagnose der Szene von 1927. [display_podcast] Dahinter steckt das Bedauern, dass es offenbar nicht möglich ist in Deutschland, im kulturellen Bereich etwas auf die Beine zu stellen, was sich selbst tragen könnte. Nun ist ja der Minderheitenschutz eine ganz feine Sache. Es wäre auch ganz fatal, wenn man solche Sachen in den Orkus jagte.

Gleichwohl kann man sich nicht auf die faule Haut legen und sich ewig als berechtigt ansehen. Die Sache ist eine Minderheitenförderung und die Szene, wie sie in der Sendung durch Frau Liesmann-Baum, Margarete "Ultraschall" Zander (rbb) und Heike Liess (Kulturreferat München) vertreten wurden sollte nicht zu sehr in sich selbst köcheln. Zumal, wenn sie theoretisch was machen könnte. Die fehlende gesellschaftliche Verankerung dieser Szene(n) ist doch eklatant. 1 Vor allem rührt mich die Hoffnung, dass alles ja gut sei, man nur ein bisschen die Werbetrommel (Vermittlung) anwerfen müsse und schon wird das was. Typisch dafür die Abwehr auf den Einwurf des Komponisten Moritz Eggert, man wolle das Publikum erziehen - und das schon seit Jahrzehnten. "Nein, Erziehung sei ein ganz blödes Wort," antwortete man darauf, wenngleich die moderneren Vokabeln nichts anderes sagten, nur anders ausdrücken.

Vermitteln, vermitteln, vermitteln! So, als ob es sich um Versicherungspolicen handle. Der Vertreter vermittelte einem am liebsten auch den größten Unfug. Eine Art Vermittlungsdiktatur breitet sich da aus. Nur an sich selbst vermitteln möchte man da nichts, man macht ja unbefragbar das Richtige! Und wer dagegen ist, ist ein Trottel.

Zu den ganz positiven aber nicht hörbaren Nebenerscheinungen gehörte vor und nach der Sendung das Gespräch mit den beiden Musikern (David Eschmann und Dietrich Schmidt vom ensemble für neue musik, piano possibile) - über die gespielte Musik, über Techniken der Instrumente usw. Da lernt man doch immer wieder etwas dazu.

  • 1. Gut, dass könnte man von fast jeder Musikrichtung ebenfalls sagen. Auch wenn man darüber nachsinnt, mit welchen Ohren da etwas wahrgenommen wird.

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Kommentare

Mit 11 Millionen Euronen aufgehübschtes Agonieröcheln,
Danke für den Beitrag ;-)

Stockhausen ist tot. RIP

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