Webwatch: Klagewege

Die großen Musikkonzerne klagen allenthalben: über Umsatzrückgang und gegen tote Tauschbörsen. Kürzlich erst meldete der heise newsticker (http://www.heise.de/): 98 Milliarden US-Dollar-Klage gegen Studenten aus Maryland, die einen Tauschserver an der Universität betrieben haben, auf den 8.500 Kommilitonen zugreifen konnten. Die Schadenshöhe bestimmt sich aus der Maximalforderung von 150.000 US-Dollar pro unberechtigt angebotenem Titel. In einer anderen Nachricht heißt es:

„Die Plattenlabels Universal Music Group und EMI haben das Venture-Capital-Unternehmen Hummer Winblad Venture Partners wegen Unterstützung von Piraterie im Internet verklagt. Grund für die Klage sind die insgesamt 15 Millionen US-Dollar, die die Risikokapitalgesellschaft in die gescheiterte Peer-to-Peer-Tauschbörse Napster gesteckt hatte.“ Übel nehmen kann man es den Musikkonzernen ja nicht, denn der Klageweg gehört zu den Errungenschaften der Rechtstaatlichkeit. Manches Nachgefecht riecht zwar arg nach Geldschneiderei. Doch die Klagen sind ja noch nicht durch. Keinen Grund zur Klage sieht allerdings der Online-Vertrieb CD-Baby aus Portland, Oregon (http://www.cdbaby.com/). Als CD-Store für die „beste neue unabhängige Musik“ (Selbstbeschreibung) konnte CD-Baby über 3 Millionen US-Dollar an seine Künstler aus über 400.000 verkauften CDs ausschütten. Das sind zwar bei 34.694 Künstler im Schnitt auch nur knapp 100 US-Dollar. Dennoch, das Geschäft scheint zu boomen. Für die erste Million benötigte CD-Baby dreieinhalb Jahre, die zweite Million brauchte nur noch 9 Monate und die dritte fiel nach weiteren viereinhalb Monaten. Man kann nicht einfach sagen, dass die Musikindustrie in der Krise wäre, die Krise sieht CD-Baby allein auf die Major-Labels beschränkt, die kleinen dagegen machen das Rennen.

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Webwatch ist eine ständige Rubrik der neuen musikzeitung

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