Texte fürs Blog

Vom Glauben an die Glaubwürdigkeit

Wenn man manchen Berichten in der Netzwelt trauen darf, dann haben die letzten Vorfälle um gehackte Webseiten etwas nachhaltig beschädigt. Am vielleicht schärfsten oder wenigstens mir sichtbarsten hat dies Thomas Knüwer vom Handelsblatt beschrieben. Im Zusammenhang mit der Veränderung des Namens eines Bundesministers für Wirtschaft geht er soweit, zu sagen, dass der "Till Eulenspiegel" wie er ihn nennt, beide Seiten (die der Wikipedia und jene des Journalismus) beschädigt habe.

Diese Geschichte werde die Wikipedia, die Internet-Szene, Blogs und den Journalismus, egal ob online oder klassisch, noch lange verfolgen. Und keine Seite wird dabei gut wegkommen.

Ich möchte sagen, und wenn schon, wäre das denn ein großer Schaden?

Wäre es nicht. Grundsätzlich sind alle Informationen, selbst noch die eigenen, nicht vertrauenswürdig. Nicht einmal die eigenen Körpersignale. Gleichwohl muss man die Informationen immer wieder und schnell verarbeiten, sonst droht im gegebenenfalls sogar Gefahr für Leib und Leben.

Nun sind die meisten Informationen erstens nicht fälschungsssicher und zweitens nicht narrensicher und drittens selten hilfreich, zumal, wenn sie auf einem abstrakten Weg erworben wurden. Einem Gegenüber kann ich auch Signale entnehmen, die er gar nicht verbalisiert. Manchmal hilft das schon weiter: Der Mund sagt ja, die Haltung des Gegenüber sagt: Nein.

Dadurch aber, dass diese Informationen im Nachrichtengeschehen aus Gründen der benötigten Verbreitungsgeschwindigkeit nicht relevant sind und auch nicht relevant werden können, fehlt die Möglichkeit, dies zu bedenken.

Daten im Internet sind nämlich immer objektiv! Aber sie sind eben nicht valide aus sich heraus, wie früher ja auch in beiSchriftstücken -- die allerdings in der Regel eine längere Bewertungsgeschichte hinter sich bringen konnten, so dass die Informationen dort besser eingeschätzt werden können. Das ändert nicht unbedingt viel an deren Wahrheitsgehalt oder deren Verschweigungssubstanz (zahlreiche Personeneinträge in Lexika nach 1945 weisen dort massive Probleme auf).

Aber das sind Sachen, die kann man wissen, und die bleiben relevant, egal ob Webseiten gehackt oder Dinge verändert wurden. Knüwers Vorschlag, die Quelle anzugeben, ist natürlich grundsätzlich nicht falsch, aber ebenso absurd, wenn es sich um den Namen einer Person handelt. Soll ich jetzt bei Thomas Knüwer (Laut Handelsblatt) hinschreiben. Immer wenn ich den Namen verwende?

Und das führt zum letzten Punkt. Ob dieser neue Bundesminister ein "Wilhelm" drin hat oder nicht, ist doch nun das kleinste Detail an Information, was man braucht. Das ändert an seiner Tätigkeit gar nichts. Aber es lenkt von eben dieser Tätigkeit ab. Aber das ist vielleicht noch am ehesten gewollt.

Vermutlich ist das alles uninteressant - oder nur für diejenigen, die sowieso glauben, das Internet wäre der letzte und beste Beglücker der Wissensgesellschaft und der Kommunikationsgemeinschaft.

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