On This Day - June 25th

Musikverlage jammern wieder

Man hat sie schon fast vergessen, die Musikverlage und -verleger. Anlässlich der Jahresversammlung ihres Verbandes. Musikverleger schlagen Alarm:
Erst die CD, jetzt die Noten - Millionen von Musikstücken werden illegal kopiert und heruntergeladen!

Während Musikstücke häufig illegal gebrannt bzw. aus dem Internet heruntergeladen werden, kopieren viele Chöre und Orchester ihre Noten einfach selber, ohne zu wissen, dass sie sich damit rechtswidrig verhalten. So fehlt das Unrechtsbewusstsein dafür vielfach. Dieses millionenfache illegale Kopieren fügt den Komponisten und Textdichtern Schaden in Millionen Euro-Höhe zu und gefährdet die musikalische Vielfalt in Deutschland.
Die Rechnung geht so, zwar wird gegebenenfalls mehr Vielfalt durch illegales Kopieren erzeugt, weil aber den Verlegern daraus keine Einnahmen erwachsen, können die nicht investieren und fahren ihre Produktion zurück. Dadurch kommt weniger in den Musikmarkt an Noten rein und folglich sinkt die Vielfalt. Böse sind dabei in erster Linie Orchester und Chöre. So was macht man nicht.

Dazu sollte der geneigte Weblog-Leser wissen. Mit den Noten ist das so eine Sache. Ich wollte mir auch einmal Noten kaufen, ja kaufen. Ein Chorstück von Anton Webern und das lag auch aus und hätte etwa 3 Mark gekostet. Schön. War aber gar nicht so einfach zu kaufen. Denn der Musikalienhändler sagte mir, das könne man nur im Chorsatz erwerben. Nur: Wozu brauche ich acht oder sechzehn Exemplare, wo ich doch nur einer bin. Er meinte, man wolle vermeiden, dass die Noten dann aus einem Exemplar kopiert würden. So kamen wir nicht weiter. Dann bot er mir an, dass er mir einen Kopierschutzstempel hineinmachen könne. Dann könne ich doch immer noch musikwissenschaftliche Studien damit betreiben. Aber ich wollte nun auch nicht unbedingt beschädigte Noten kaufen. Also ließ ich es bleiben.

Auf der Musikmesse in Frankfurt habe ich bei einigen Verlagen nachgefragt, ob die wüssten, das Musikalienhändler so verfahren würden. “Ja, das wissen wir und unterstützen dies auch.” So die Universal-Edition aus Wien, die auch die Webern-Noten im Verlag hat. Ich war zunächst erstaunt, denn schließlich wird ja Anton Webern bekanntlich so häufig an allen Stellen gesungen aus illegal kopierten Noten.

Oder weiß der geneigte Leser, was es heute kostet Orchestermusik aufzuführen? Kaufen kann man derartige Noten nur in seltenen Fällen, die werden geliehen. Man spielt daraus und gibt sie hernach wieder an den Verlag zurück (der die Noten natürlich auch nicht mehr druckt sondern selbst kopiert). Materialleihgebühren fallen dann an und gegebenenfalls weitere zusätzliche Kosten für Erstaufführungen, Uraufführungen …. Als ich noch Lektor war, habe ich das alles mal einkassieren dürfen. Ich habe das nicht verstanden, aber das ging zum Beispiel auch so, wenn ein Orchesterstück (aufgezeichnet) noch einmal gesendet wurde im Rundfunk, dann musste der Materialleihgebühren entrichten. Der hatte zwar längst die Noten nicht mehr geliehen, aber so macht man das eben.

Bei Opernproduktionen im Rundfunk ist das mittlerweile ein Faktor, der sich im Zweifel nicht mehr rechnet. Da stehen Summen zu Buche, die in keinem Zusammenhang mit der Tätigkeit stehen. Der Rundfunk macht natürlich keine Sachen unter der Hand. Im Zweifel macht er dann eben nichts. Was nicht gesendet wird, das kostet auch nichts. “Musikalische Vielfalt” wird so gesichert.

Ganz schief gewickelt ist aber doch die Aussage der Pressemitteilung:
Häufig werde auch vergessen, dass es verboten ist, bei öffentlichen Aufführungen aller Art aus kopierten Noten zu spielen und zu singen.
Na klar: Auswendig ist nicht erlaubt, privat ist nicht erlaubt, gar nichts ist erlaubt. Und Noten, deren rechtlicher Schutz abgelaufen ist, darf man natürlich kopieren; aber nicht dann, wenn das Stichbild schon wieder geschützt ist. Aber auswendig spielen darf man die dann doch wieder. So einfach ist es - und so umständlich. So fehlt das Unrechtsbewusstsein dafür vielfach,“ steht da. Es fehlt nicht an Unrechtsbewusstsein, sondern an Rechtsbewusstsein - und zwar auf beiden Seiten der Leitung.

Meine Noten dürfen übrigens seit 1988 kopiert werden, aber eigentlich das auch nicht, denn bei meinen ”14 kurzen Liedern für gesang, klavier, flöte, violine, tenorsaxophon, steine in variierenden besetzungen“ werden auch Texte verwendet, deren Nutzungsrechte ich mir nicht eingeholt habe. Damit bleiben noch 3 Lieder erlaubt (mit Texten von Hölderlin, Trakl und Lichtenstein).

”Weh dem, der Symbole sieht.“ (Samuel Beckett) kann ich hier als Zitat mal einfügen. In die Noten dürfte ich es nicht.

Nachtrag: taktlos hat sich schon einmal (sogar zweimal) mit Musikverlagen beschäftigt. Mein Beitrag: ”Zwischenfall im Verlag“ ist in der alten ”Enzyklopädie der Kritischen Masse" … mehr lesen … über Musikverlage jammern wieder

Freie Noten …

Trakl-Vertonung. Hufner

Angeregt durch mich selbst ;) Demnächst frei kopierbare Noten und mehr zu meinen alten “Public Domain Compositions”. Hier der Anfang aus dem Stück V von “für freunde VII” (1988).

 So ganz weiß ich noch nicht, in welchem Format man das am datengünstigsten ausliefern kann. Das will noch getestet sein. … mehr lesen … über Freie Noten …

Steinernes Blau

Mei, hat das gerummst eben. Volle Kanne knallende und bretternde Blitze, direkt in meiner Umgebung. Aber ich habe auch ein Mittel gegen Gewitter entwickelt. Man muss nur ganz schnell das Aufnahmegerät suchen, Mikro einstöpseln; und, zack, weg ist es, das zuckende Gewitter. … mehr lesen … über Steinernes Blau

rbb kulturradio - Das GANZE Werk

Auch Berlin-Brandenburg hat jetzt eine Initiative: Das GANZE Werk gibts auch dort. Aber so ganz glücklich macht mich das nicht. Ich war bei der Podiumsveranstaltung mit dabei. Sicher, es war alles sehr freundlich, aber die Argumente wurden doch einigermaßen unsauber. Herr Trojahn vom Deutschen Komponistenverband beklagte, dass junge Komponisten kaum wertungsrelevante Punkte bei der GEMA bekämen, weil ihre Werke im Funk zu wenig gespielt würden. Aber bei der GEMA wäre das nunmal wichtig, um höhere EInnahmen zu generieren. Herr Trojahn, ich mag sie, aber das ist doch Klimbim jetzt. Dafür kann der Funk wenig, wenn das Wertungsschema der GEMA kränkelt. Macht bei der GEMA eben andere Punkte bedeutsam. Bald ist doch Vollversammlung. Aber mit Kulturradio hat das wenig zu tun.

Und überhaupt die neue Musik. Und die alte Musik. Da saßen Frau Dr. Nauck von den Positionen und Herr Eichhorn von der alten Musik und beklagten, dass zu wenig davon zu hören ist in Berlin. Manchmal möchte ich sagen, Gottseidank. Haben die Herrschaften schon einmal das Concerto Bavarese vom Bayerischen Rundfunk genossen? War früher mal nachmittags, jetzt ist es kurz um Mitternnacht rum. Das schadet nichts. Ich fürchte nur, wenn man euch Podiumsleute mal machen lassen würde, es wäre rein gar nichts gewonnen, was Kultur-Radio wäre.

Karsten Witt, früher mal Konzerthaus-Chef aus Wien und Manager des Ensemble Modern, meinte, er höre sowieso nur DRadio und DLF, seine Kinder hörten schon gleich gar nichts mehr im Radio. Alles ändert sich eben. Ja, das hat was, aber was soll das am Ende heißen: Soll es heißen, macht doch was ihr wollt? Dann aber kann man ja durchaus „abspruchsvolles“ Radio machen. Wobei, das zu definieren, fällt schwer.

Zur Situation der Initiative beim RBB bin ich eher skeptisch. Da mischen viele Leute mit, die schon ganz genaue Ziele damit verfolgen. Und jemanden wie Quasthoff zum Unterstützer zu haben, da weiß ich nicht, ob einen das freuen sollte. Da ist mit die „alte“ Initiative schon sehr viel sympathischer, mit dem Theodor Clostermann, der sehr genau analysiert und sehr frei ist von irgendwelchen Interessegemengen. … mehr lesen … über rbb kulturradio - Das GANZE Werk

Kinder & Lehrer

Vielleicht liege ich ja auch schon ganz falsch. Aber wie ist denn die richtige Aussprache der Abk. „n. Chr.“? Meiner Meinung nach wäre richtig: „nach Christus“ oder „nach Christi Geburt“ — jedenfalls nicht „nach Christi“. Sozusagen das komplette Mischimasch. … mehr lesen … über Kinder & Lehrer

Mein Freund, der Club, ist tot - so rein menschlich gesehen

Endlich mal Solidarität mit den großen Tieren: Wurde ja auch Zeit. Diskotreiber vs. GEMA. 

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