Selbsthilfe für Promovierte (Exit-Respekt)

Osten
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I.

Wenn mich nicht alles täuscht, legt die Bundesregierung ein Programm auf, dass den Austieg aus der Promotion erleichtern soll. Immer häufiger kommt es ja zu Promotionsfehlern. Doktorarbeiten wurden abegschrieben, in wissenschaftlicher Hinsicht ungenügend angelegt. Hier in Kleinmachnow um die Ecke hat gerade eine CDU-Fraktionsvorsitzender darum gebeten, dass man ihm den Titel wieder aberkenne. 

Die Reaktionen sind überwiegend freundlich. Graf trat den Schritt von sich aus, nicht, weil er "entdeckt" wurde. Mit ... wird dieser Vorgang über die Parteigrenzen hinweg gesehen. SPD-Fraktionschef Raed Saleh sagte zur Rückgabe des Doktortitels: „Ich habe Respekt vor diesem ausreichenden Schritt des Fraktionsvorsitzenden Florian Graf, mit dem ich sehr gut zusammenarbeite.“ (So im Tagesspiegel) Im gleichen Artikel wird Piraten-Geschäftsführer Martin Delius zitiert: „Jemand, der ehrlich seine Fehler eingesteht, sollte eine zweite Chance bekommen.“ CDU-Landeschef Frank Henkel in der Morgenpost: "Für diesen schnellen und konsequenten Schritt hat Florian Graf meinen großen Respekt". (Berliner Morgenpost)

In Grafs Stellungnahme selbst liest man in der B.Z.: "Es ist aber nur konsequent und es gebietet auch der Respekt gegenüber der wissenschaftlichen Leistung aller anderen Promovierten, bei dem leisesten Zweifel den Titel abzugeben.Ich bitte alle diejenigen, die ich enttäuscht habe, um Verzeihung." (B.Z.)

Das ist schon ein harter Tobak. Die Verwendung des Begriffs Respekt, nötigt mir den größten Respekt ab. In echt. Ich finde, allein aus diesem Grunde, sollte man ihn ehrenhalber promovieren, also den Florian Graf, nicht den Begriff. Den sollte man besser für ein paar Jahre in die Schublade stecken. Für promovierte Politiker sollte man hingegen eine Generalamnestie verhängen. Was soll das Gezeter, alle, denen man bis rückwirkend 1.1.2012 nichts nachweisen konnte, bleiben so promoviert wie sie sind, mindestens aber Dr. amnest. 

II.

Ach ja, die andere Meldung hat es nicht in die Zeitungen geschafft: Der Schüler Markus B. aus F. hat eingesehen, dass er bestimmte Musikdateien nicht hätte tauschen dürfen, weil ihm dazu die Lizenz fehlte. Er will jetzt die Dateien den rechtmäßigen Besitzern zurückgeben. Dieter Gorny, Vorstandvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie lobte diesen Schritt des Schülers und zollte ihm "Respekt", eine "Signalwirkung" gehe davon aus. Außerdem soll er eine zweite Chance bekommen. Lizenzverträge an ihn seien bereits raus. Auf der Abmahnung müsste er nach Rückgabe der Titel nicht mehr sitzen bleiben. Die nehme man ohne Kostennote zurück. Gorny versprach: Wer jetzt alle seine geklauten Daten freiwillig zurückgibt, werde nicht mehr behelligt. Dies gelte aber nur für Musik, nicht für Software, Spiele, Filme, Fonts, Cheeseburger und Brötchen.

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