Zettelkasten

Unterlassungserklärung für Profis

Die Autoren des Buches "Der Kulturinfarkt" haben dem Deutschen Kulturrat eine Unterlassungserklärung abgefordert (siehe nmz). Sie wollen damit verhindern, dass der Deutsche Kulturrat eine Behauptung wiederholt, die er fälschlicherweise gemacht hat. Die Autoren den Buches empfehlen danach nicht, 50% der Mittel der Kulturausgaben zu streichen, sondern nur jede zweite Kultureinrichtung zu schließen. Das hat der Deutsche Kulturrat jetzt eben auch erklärt und sich mit einem schnodderigen "Sorry" entschuldigt. 

Das Ergebnis dieser juristischen Iniative der Autoren des Buches "Der Kulturinfarkt" schlägt auf diese komischerweise doppelt zurück. Denn die falsche Aussage bleibt damit ganz prima haften. Die falsche Behauptung durch die richtige Behauptung zu ersetzen erfüllt einen weiteren Effekt. Es dramatisiert die Situation, weil es für Bestimmtes um Kopf und Kragen geht. statt allen nur um den Kragen. Wie das rein rechnerische Ergebnis ist, nämlich dass die Hälfte der Kultureinrichtungen mehr oder weniger als die Hälfte der Zuwendungen bekommt, ist die eine Seite, weil auf der anderen Seite nicht präzise erklärt wird, wem und warum der überschüssige Teil dann wirklich zukommt. Der Tabletindustrie? Keine Ahnung, Mutmaßungen helfen nicht sondern könnten weitere "Erklärungsforderungen"  der Autoren nach sich ziehen. Auch eine Form vrialen Marketings für dieses Buch. Sicher nicht beabsichtigt ;)

So wird aus der Provokation des Kulturinfarkt-Buches ein bloßer Gedankennebel. Statt den Autoren dankbar zu sein, auf tatsächliche bestehende Missstände hinzuweisen, muss man konzedieren, dass sie das dafür nötige Pulver in "kruden Ideen" (Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kuturrats) verschießen. Die Debatte kann natürlich nicht der Deutsche Kulturrat beenden. Diese Machtfülle hat er nicht - die Debatte konnten nur die Autoren beenden. Und das haben sie mit dem halbgaren Buch getan. Leider muss man ihnen undankbar sich zeigen. Die Sympathie, die ich zuvor hatte für manchen Gedankenanlass, hat sich aufgelöst in Verärgerung. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. 

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