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Identität, Nation und Globalisierung

Deutsche Fahne 2014. Foto: Hufner

„Ohne Zweifel, der Weg der Deutschen zu jener Nationenbildung, die sie jetzt erreicht haben, war ein Weg scheinbarer Erfolge, bitterer Katastrophen, säkularer Verbrechen, die sie begangen haben, und schließlich einer Bescheidung, die es begreiflich macht, warum der Begriff einer deutschen Staatsnation heute nicht ohne emotionale Belastung verwendet wird,“ schreibt der Historiker Reinhart Koselleck. Er umreißt damit in wenigen Worten die Schwierigkeit speziell der deutschen Geschichte, die bis in die Gegenwart unter den weltpolitischen Veränderungen sich abzeichnen.

Herr Kinkel, wer ist eigentlich ihr Lieblingsmusiker? – Kulturpolitik von Parteien im Internet, eine Nullnummer

Zur Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit. Bei der Durchsicht der alten Kritischen Masse fiel mir wieder ein Text von 1999 auf. Darin deutete sich schon an, dass die Parteien das Thema Internet und Öffentlichkeit für lange Zeit verschlafen würden, bzw. ihre ganz eigene Auffassung vom Nutzen des Netzes haben. Im Text fehlt jeglicher Hinweis auf die Thematik „Urheberrecht“. Es spielt noch keine Rolle. Napster rollte zwar an, aber die Abwesenheit von schnellen Netzzugängen und Flatrate-Angeboten machte derlei nicht attraktiv. Herunterladen kostete noch ordentlich Geld und Zeit. Wer nur einen normalen Anschluss hatte, konnte auch während dieser Zeit nicht telefonieren (auch die Mobiltelefonie war nicht so ausgeprägt). 

Die den Text ergänzenden Links sind in 8 von 10 Fällen mittlerweile nicht mehr zielführend. Nachhaltigkeit geht im Netz offenbar nicht. 

Lampenwechsel im Bundeskanzleramt. Foto: Hufner

Die Wahlen zum Europaparlament haben es wieder deutlich gemacht. Das Interesse an einer europäischen Gemeinschaft ist nicht besonders ausgebildet. Ein Wahlkampf fand nicht statt. Überhaupt läßt sich von der Politik der letzten 20 Jahre sagen, daß die Abkapselung des politischen Verständnisses der Parteien gegenüber der Politik des Alltags sich verschärft hat. Vor Jahren hat man dafür den Begriff der Politikverdrossenheit eingeführt und meistens den Schuldigen auf Seiten des gemeinen Volkes ausgemacht. … mehr lesen … über Herr Kinkel, wer ist eigentlich ihr Lieblingsmusiker? – Kulturpolitik von Parteien im Internet, eine Nullnummer

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Aufmerksamkeitsenthaltsamkeits-Atrophie

Große Auftritte, kleine Folgen: Vielerorts wurde der Auftritt von Marcel Reich-Ranicki beim Deutschen Fernsehpreis von der Kritik erfreut beklagt. Auftritt und Kritik bleiben jedoch eine Luftnummer. Reich-Ranicki, der wohl zwischen Helge Schneider und Helen Schneider nicht zu unterscheiden vermag, war der perfekte Aufmerksamkeitsablenker, zu allem Überfluss womöglich nicht einmal selbstverschuldet.

Dabei wird seit einigen Jahren schon hartnäckig am Körper des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gekämpft. Die Initiative „Das GANZE Werk“ kämpft sich Sendestrecke für Sendestrecke, Jingle für Jingle, durch den aktuellen Rundfunkwahnsinn und macht trotzig manchen Boden gut – gegen die zunehmende Selbstdisqualifizierung des Rundfunks im Norden und in Berlin. Statt spektakulärer Scheingefechte im sinnentfernten Fernsehprogramm werden hier kreativ und präzis diskussionswürdige Entwicklungen kritisiert und dokumentiert. … mehr lesen … über Aufmerksamkeitsenthaltsamkeits-Atrophie

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Aufpoliert

Die Zeit für Musikkultur scheint so gut zu sein wie nie zuvor. An allen Ecken und hinter allen Hecken sprießen Initiativen und Programme aus dem Boden. Netzwerke für Neue Musik werden gesponnen, Orchesterpartnerschaften geschlossen, Kinder an Instrumente gebracht, Verwertungsgesellschaften entwickeln Kulturprogramme, eine „Initiative Musik“ wird in Gang gesetzt. Traumhafte Entwicklungen geradezu. Man könnte sich freuen. Man könnte. … mehr lesen … über Aufpoliert

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Neues aus dem Grand-Tokio-Hotel-Abgrund

Urheberrecht als musikalische Warenkunde

Das Gezerre um die angemessene Vergütung von urheberrechtlichen Leistungen will kein Ende nehmen. Seit einigen Jahren werden sogenannte Körbe zum Urheberrecht gepackt. Teilweise sind Ergänzungen und Korrekturen nötig, weil es Auflagen der europäischen Kommission gibt, teilweise werden diese Anforderungen genutzt, um weitergehende neue Ansprüche zu begründen. … mehr lesen … über Neues aus dem Grand-Tokio-Hotel-Abgrund

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Wenn der Mensch sie will, kommt auch die Kunst

Wie man das Tautologische an der Musikvermittlung verhindert

Das Thema „Musikvermittlung“ steht mittlerweile ununterbrochen auf der Agenda von Musikpädagogen, von Musikverbänden und musikalischen Institutionen. Anlässlich des 50. Geburtstages der neuen musikzeitung hatte man sogar eine Rubrik mit dem Titel „Musikvermittlung“ eingerichtet. Initiativen von Verbänden sind vielfältig, Orchester und Bühnen unternehmen unterschiedlichste Versuche, Musik zu vermitteln. Musik vermittelt wird freilich auch ohne diese Intitiativen fortlaufend. Das Radio vermittelt Musik, das Fernsehen vermittelt Musik. Musik muss an den Mann und die Frau, an Kinder wie an Menschen älteren Semesters gebracht werden.

Dahinter stehen häufig auch ökonomische Absichten, aber das ist nicht überall der Fall und nicht wesentlich. Dabei hat man jedoch lange Zeit vergessen oder weggeblendet, was hier an wen und wieso vermittelt werden müsse. Hat Musik Vermittlung überhaupt nötig, oder ist sie nicht vielmehr selbst schon ein Vermittlungsorgan? Sie vermittelt innerhalb der Gesellschaft deren Mitglieder untereinander. Musik ist nämlich doch Vermittlung an sich, vermittelte Musik dagegen wird schnell nur zu einer Musikvermittlungsmusik. Und darin könnte ein Bruchpunkt der gegenwärtigen Situation und Bedeutung von Musik in der Gesellschaft liegen. Sie scheint nicht mehr ein Wert an sich zu sein und sie hat selbst offenbar kaum noch genug bindende Kraft für sich. … mehr lesen … über Wenn der Mensch sie will, kommt auch die Kunst

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Funk-Krach

Der Rundfunk treibt Blüten – im Zeitalter seines Abgangs. Neuerdings scheint es durchaus wieder modisch zu sein, die Abflachung des Kulturniveaus durch braunumrandete Rundfunkideen zu legitimieren. Der Musikchef des RBB (Radio Berlin-Brandenburg), Dr. Christian Detig, verwies ohne große Umschweife auf Reichspropagandaminister Joseph Goebbels und zitierte ihn verkürzt: „Das Programm des Rundfunks muss so gestaltet werden, dass es den verwöhnteren Geschmack noch interessiert und dem anspruchslosen noch gefällig und verständlich erscheint. Dabei soll besonderer Bedacht auf die Entspannung und Unterhaltung gelegt werden, weil die weitaus überwiegende Mehrzahl aller Rundfunkteilnehmer einen Anspruch darauf hat, in den wenigen Ruhe- und Mußestunden auch wirklich Entspannung und Unterhaltung zu finden. Dem gegenüber fallen die wenigen, die nur von Kant und Hegel ernährt werden wollen, kaum ins Gewicht.“

Detig ergänzte unvoreingenommen und neonaiv: „Und ich behaupte mal, das könnte so ohne große Abstriche jeder ARD-Intendant auch unterschreiben, ich übrigens auch, ich l … mehr lesen … über Funk-Krach

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Zur Musiksoziologie

So einfach ist der gegenwärtige Titel einer reichhaltigen Schrift Max Webers, die dieser leider nie selbst zum Druck führte. In der Gesamtausgabe ist der Text neu ediert und überaus kenntnisreich kommentiert und erläutert von Christoph Braun. Da geht es um die Geburt der Musikwissenschaft, die man jetzt vielleicht doch besser einzuordnen versteht als bisher. Braun zitiert darin Erich von Hornbostel, einen frühen Musikethnologen, der die Gefahr sah,
daß die rapide Ausbreitung der europäischen Kultur auch die letzten Spuren fremden Singens und Sagens vertilgt. Wir müssen retten, was zu retten ist, noch ehe zum Automobil und zur elektrischen Schnellbahn das lenkbare Luftschiff hinzugekommen ist, und ehe wir ganz Afrika Trarabum-diäh und in der Südsee das schöne Lied vom Kohn hören."

Cluster: Experten

Haben sie schon einmal versucht, Musik von Helmut Lachenmann aus dem Internet zu laden? Internet haben sie nicht? Sie Glücklicher. Andernfalls: Probieren sie mal. „Dal niente, al niente“, sag ich nur, Null Komma nufftig. Dagegen findet man immerhin einiges von Iannis Xenakis oder John Cage. Ist eigentlich nicht so schlimm, weil die Sache mit dem Internet ist in der Regel sowieso verboten. Verbieten macht eben mehr Spaß als zulassen und ist auch spannender. Da haben die deutschen Phonoverbände jetzt die ersten drei Prozesse durchgefochten, von wegen unerlaubten Angeboten im Internet. … mehr lesen … über Cluster: Experten

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