die Städte

Gescannt

Drinnen. Foto: Hufner

Vor wenigen Tagen durfte ich einmal wieder Gast sein bei einer relativ spontan einberufenen Pressekonferenz. Dieses mal im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages. Da gelten andere Sicherheitsvorschriften als bei Einladungen an anderen Stellen. Zur Anmeldung reichen zwar Name und Geburtsdatum, aber will man in das Gebäude, wird man durch einen Scanner geschickt nachdem man zuvor alles mögliches extra auszupacken hat und dies auf anderem Wege durchleuchtet wird.

Strudelwärts

Auto mit Augen. Foto: Hufner

Gerade beim Weiterhören durch die digitalen Bäuche der Musikgeschchte wieder bei Franz Schubert gelandet. Und auch hier ein Stück ausgemacht, der direkt ins vegetative System einschießt ohne Umweg berührt. Ein Impromptu. Erinnerung an die Samstage bei meiner Tante in Westhagen (Cola und Kaugummi frei, Fernsehen, Steak und Gurkensalat). Auch meine Tante hatte im Betongebiet von Westhagen eine kleine Plattensammlung und eine Stereoanlage. Hier die Fünfte von Beethoven gehört mit einem amerikanischen Orchester, Boston war es wohl mit Charles Munch. Hier gab es auch andere Musik und ich konnte ihr meine Kompositionen vorspielen auf Kassette. Ganz oben im Haus mit Dachterrasse die Familie Wolkenhauer, er und sie. Er mit einem Glasauge und Fotofan. Beratung über die Kamera, die ich mir kaufen wollte. Heute kaum denkbar: Mehrere Monate Suche, Beratung hier und dort, Testhefte ohne Ende aus der Stadtbibliothek. Eine Welt noch ohne Computer und Internet. Nicht einmal mit Privatfernsehen.

Vorbeifahrt

Reinigung. Foto: Hufner

Hof.

Vorbei an einem Hinweis zu einer Tattoo-Convention, bald ein Quality-Hotel rechterhand, dessen „Quality“ eher zu ahnen als zu sehen ist. Eigentlich eher gar nicht, zu schnell geht es daran vorbei. Es wirkt von außen wie ein Meisterwerk aus Grau in Grau – zumal an einem solchen grauen Tag. Dazwischen seriell funktionale Fensterrahmen in dunkel, die den Ernst der Lage nur hervorheben statt ihn zu brechen. Quality bestimmt noch nicht den Grad der Qualität. Erinnert in anderer Weise an das schnieke Hotel in Darmstadt nahe Bahnhof, wo alle zwei Jahre junge Komponisten und Komponistinnen sowie Musiker und Musikerinnen nobel einkehren. Das heißt sich Maritim, lässt aber kaum eine Ahnung an so etwas wie Meer aufkommen. Höchstens Caspar David Friedrichs Betonmeer Böllenfalltor.

Gelasssen-heit

Gelassenheit. Foto: Hufner

Nach wie vielen Jahren auch immer. Ein erneuter Versuch mit Heidegger ist ziemlich deutlich gescheitert. Als Student hatte ich eine Berührung mit Martin Heideggers „Sein und Zeit“. Der Titel versprach so viel und noch heute finde ich, es gibt kaum einen besseren. Google, Yahoo und Co müssten sich um dieses Philosophie-Startup prügeln. Der Titel ist einfach umwerfend. Aber jetzt wollte ich es gelassen angehen. In der momentanen Situation versprach der Vortrag zu „Gelassenheit“ ebenso viel.

Brief aus ... Berlin (1991)

Berliner Küche anno 1992. Foto: Hufner

Bei der Suche nach einer alten Brille an Unterlagen gekommen, die man nicht finden würde, wenn man sie suchen wollte. Unter anderem einen Überweisungsschein der Schwester von 1988 im Wert von 200 DM - Musikerhilfe. Wäre damals ohne die Familie nicht so gut gegangen alles. Bruder Andreas hat auch mitgeholfen und Tante Ursel ebenso. Gesockelt hatten es die Eltern. Aber das ist Abschweifung. Eine nette! In einem Ordner sämtliche Kritiken für den Gießener Anzeiger und eben auch ein paar Briefe aus Berlin. Auf den hier folgenden vom 9.10.1991 blicke ich gerne zurück. (Neulich habe ich gehört, den Gießener Anzeiger gäbe es praktisch fast nicht mehr. Er sei total zusammengeschrumpft. Wenn man bedenkt, dass Christoph Becher, Stefan Raulf und ich dort ziemlich freie Hand hatten und viel durften, und auch Andrea Zschunke bei der Gießener Allgemeinen unterkam, und dies in Teilen als Sprungbrett für alles mögliche nutzten, so bedrückt einen das auch nicht wenig).

Fotografie ist keine Kunst

Die Kunst, kein Haus zu bauen. Foto: Hufner

Warum eigentlich sowieso alles ziemlich wurscht ist, weil sich alles schneller ändert, als man denken kann. Negative züchten sich noch bevor sie sich manifestieren.

Notiz von München Hbf -> Berlin Mexikoplatz @ Uhlstädt-Kirchhasel, Thüringen

Störrischer Kaffeeautomat.

Defekter Kaffeevollautomat im Hotel. Die Vorarbeiterin beauftragt ihre nachrangige Mitarbeiterin mit der wohl nötigen Befüllung von Kafffeepulver undoder Wasser. Diese tut so, Klappe zu, und geht ihrer sonstigen Tätigkeit nach. Allein der Automat will nicht. Was aber zunächst unbemerkt bleibt. Außer von dem Herrn, der unmittelbar neben dem Automaten sitzt und das Frühstück am Tisch bezahlen muss. Es muss was getan werden.

Die Vorarbeiterin fragt ihre nachrangige Kollegin, ob sie Kafffeepulver und Wasser nachgefüllt habe, was diese ohne Worte bejaht. Kontrollblick in die Kaffeemaschine der Vorarbeiterin. Alles bestens. Die Maschine muss gehen. Nach erneuten Schließungen und Öffnungen verwehrt sie jedoch weiter den Dienst. Man guckt etwas in die Gegend und beschließt nach ausreichender Unruhe die genau gleich aussehende Maschine daneben jetzt doch mit Strom zu versorgen und kümmert sich wieder um Tässchen und Deckchen.

Wie einmal die Atomkraft die Seelen der Kinder einer großkotzigen Kleinstadt rettete

RIP Penny. Foto: Hufner

In meinem kleinen Städtchen ist die Bevölkerung von ausgesuchter Klugheit. Wir haben hier die angeblich kinderstärkste Population innerhalb Deutschlands. Hierher hat es viele Berliner verschlagen. Viele Ostler hat es dagegen heraus geschlagen. Sie mussten wegen Alt-Ansprüchen oft ihre Buden räumen. In Kleinmachnow liegt so manches Kriegsbeil offen auf der Straße. Obwohl? Jetzt auch nicht mehr. Man hat sich ausgetauscht. Nicht im Sinne von Kommunikation, sondern im Sinne örtlichen Bewohner. Statt Trabbis oder Wartburgs fahren oder stehen hier Suffs. Als Zweitwagen wohlgemerkt.

Man achtet sehr auf Ökologie. Hunde dürfen frei laufen und frei scheißen. Inoffiziell. Offiziell natürlich nicht. Reichtum ging einher mit dem Besitzertausch. Bedroht wurde er allerdings vom Bau eines Flughafens, 25 Kilometer östlich. Der Wind will es aber so, dass künftig, die Flugrouten auch über Kleinmachnow ziehen sollten. Starten gegen den Wind. Das missfiel den Menschen hier. Klar, niemand will unnötig Lärm haben, Nachbarn reichen schon, Eichelhäher wären schon zu viel des Guten.

Man hat aber, und man erfährt es unter der Hand, vor allem Angst vor der Entwertung der Grundstücke. Lärm verkauft sich nicht gut. Nach außen aber transportierte man das Problem, wie häufig, gerne auf den Schultern der kleinen Menschen von Kleinmachnow. Der Kinder in der kinderreichsten Kommune der ganzen Welt. Lärm zerstört das Aufwachsen der Kinder und deswegen werden die auch in akustisch dichten Suffs bis vor den Kindergarten oder die Schule transportiert.

Und wer für Kinder ist, ist gegen Atomkraft, auch das ist so sicher wie die Havarie. Kein Fluglärm über Kleinmachnow und keine Atomkraft, ne? Iss klar. 

S-Bahn-Surfer

Kirche im Dorfe lassen. Foto: Hufner

Es war am S-Bahnhof Zehlendorf. Es rumpelte kurz. Für einen Moment dachte ich, es könnte jemand zwischen die Gleise gefallen sein. Und eine Person mit verschmitztem Lachen setzte sich schräg gegenüber. Die Bahn fuhr an und es rumpelte nichts mehr. Aber irgend etwas war komisch. Wieder gab es Geräusche. Vom Dach! Es müssen sich dort wohl Leute befinden.

Als das Dorf noch nicht global war

Es ist gar nicht so lange her, da war die Frage der Ausbildung der Heranwachsenden vor allem auch eine Frage des Ortes an dem man lebte. Jemand auf dem Dorf hatte nur mit Mühe und viel Hilfe die Möglichkeit, einen Platz in einer anderen Zukunft zu finden als derjenigen, in der er sich befand. 

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