Texte fürs Blog

Abendphantasie

(…)

Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt
   Das Herz; doch endlich Jugend! verglühst du ja,
       Du ruhelose, träumerische!
           Friedlich und heiter ist dann das Alter.

Hölderlin, Abendphantasie

Diese Momente, wenn das elektrische Leben zur Seite tritt. Wenn ein paar Augenblicke der Lektüre, von mir aus auch solch alter Texte, mehr aufreißt als das ganze Treiben des digitalen Lebens.

Aber irgendwie auch, wenn man fast täglich die Donnerschläge hört, die bei Freunden und Bekannten einschlagen. Auch dieses ganze Treiben wirkt dann doch manchmal wie, als sei es nie für Menschen gedacht gewesen. Ein leeres Treiben, betrieben von leeren, entleerten Menschen. Die Welt schient niemandem mehr Heimat zu geben. Wozu lernt man da eigentlich noch zu leben.

Zwischen Steuererklärung und anderen Formalitäten wird man da aufgerieben. Zwischen der ganzen Ödnis des Nicht-Umsonst-Geborenseins, welche nur genug Zukunft in sich hat. Fortbildungen, die nicht bilden; Gerüche, die nicht mehr riechen; Klänge, die nicht mehr gehört werden können.

Das Leben als Beschäftigungstherapie, um ja nur nicht den richtigen Dingen nachzugehen. Spaß der Eitelkeiten, der Kommunikationsleere. Horror vacui.

„Ich habe ein gewisses Mißtrauen gegen die Wirklichkeit,“ schreibt Alexander Kluge und er setzt fort: „Ich glaube,die schärfste Ideologie, die es gibt, ist die, daß sich die Wirklichkeit für wirklich hält.“

Kommentare

Si. Darum entscheidet mman sich für sie (oder bedauerlicherweise dagegen). Alles andere ist „das verzogene Treusein einer Gewohnheit, der es bei uns gefiel, und so blieb sie und ging nicht.“ RMR

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