Texte fürs Blog

Attila József (100)

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Hatte gestern seinen 100. Geburtstag, wenn er nicht schon 1937 sich selbst umgebracht hätte indem er sich vor einen Güterzug warf. Einer der Größten Lyriker des vergangenen Jahrhunderts. Online zu lesen auf ungarisch.

Ich kenne nur einige kurze Übersetzungen, namentlich von Franz Fühmann.
Leg deine Hand

Leg deine Hand
Auf die Stirn mir schwer.
Als ob deine Hand
Meine Hand wär.

Behüt mich wie wen,
Der mordgierig wär,
Als ob mein Leben
Dein Leben wär.

Lieb mich, als ob
Das für etwas gut wär,
Als ob mein Herzblut
Dein Herzblut wär.

Zwei Hexameter

Warum ein redliches Leben führen? Man streckt mich ja sowieso hin.
Warum kein redliches Leben führen? Man streckt mich ja sowieso hin.

Rebellierender Christus (Schlussvers)

Und seine Seele aus der siechen Lunge
stammelt noch Worte, und sein fahles Herz
hängt violett heraus wie des Gehenkten
Zunge.

Besinnung (4. und 6. Vers)

4
Es liegt die Welt übereinander,
Spaltholz im lockersten Geviert,
wo jedes Scheit von jedem andern
gepreßt, gedrückt, getragen wird
und alles ist determiniert.
Nur was nicht ist, hat einen Buschen,
nur was sein wird, ist eine Blume,
und das zerfällt, was existiert.

6
Hier drinnen, siehst du, ist das Leiden,
doch draußen das, was es erklärt.
Die Welt ist deine heiße Wunde,
ihr Glühn macht, daß die Seele schwärt.
Solange sich dein Herz empört,
bleibst du unfrei — erst wenn kein Haus mehr
du dir erbaust, das dann ein Hausherr
besetzt, die Freiheit dir gehört.

Seit 1964, schreibt die Wikipedia, wird sein Geburtstag in Ungarn als Tag der Poesie gefeiert.

József Attila

Vidám és jó volt s tán konok,
ha bántották vélt igazában.
Szeretett enni, s egyben-másban
istenhez is hasonlított.
Egy zsidó orvostól kapott
kabátot és a rokonok
úgy hívták: Többé-itt-ne-lássam.
A görög-keleti vallásban
nyugalmat nem lelt, csak papot -
országos volt a pusztulásban,

no de hát ne búsuljatok.
Ist natürlich ungleich schöner, wenngleich ich kein Wort davon verstehe.

Kommentare

Die Ungarn und die Sachsen sind ja angeblich um ein mehrfaches suizidgefährdeter als die restlichen Europäer. Wenn man ihm in die Augen schaut, wird man dieses Gefühl auch irgendwie nicht los.

Hier kommt dann wohl die genetische Determination bipolarer Störungen zum Tragen? Denn sonderlich dunkel ist es doch weder in Sachsen, noch in Ungarn.

Die Statistik sagt es leider aus. Und niemand kann es so richtig erklären. Die „verwandten“ Völker im Umkreis trifft es nicht so hart. Ich wüsste es gern aus sehr persönlichen Gründen. Aber außer der Statistik hat sich noch keine Wissenschaft dieser Sache angenommen.

Zehn Jahre vor seinem Freitod hat er sich einen Nachruf verfasst:

Gut war er, heiter. Als verdrießlich auch bekannt,
wenn man verlachte, was er seine Wahrheit nannt’.
Er liebte, gut zu essen. Was als sicher gilt:
In ihm selbst sah man manchmal Gottes Ebenbild.
Ein jüdischer Arzt ließ ihn nicht ohne Mantel gehn.
Die Seinen nannten ihn Laß-dich-nicht-wieder-sehn.
Hat in der Kirche seinen Frieden nicht gefunden,
nur Pfaffen. Stürze viel bedeckten ihn mit Wunden.
Sehr hat sein Bettlerlos zwar diese Welt gestört,
doch hat die Sorge um ihn endlich aufgehört.

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