Texte fürs Blog

Brand eins - bzw. null

Brand eins muss man lesen. Das macht klug.
Abstimmungen sind der Kern der Demokratie. Und genauso unvollkommen (IHV)
Der klassischen Kultur droht das Ende. Das macht ihr Angst. Und fördert Ideen (IHV)
Nach langem Siechtum ging das Traditionsunternehmen ein. Und findet keine Ruhe (IHV)
Er war der Vorstandsvorsitzende von .... Bis Wolfgang Urban im Mai 2004 jäh abstürzte. Peter Felixberger lernte ihn kurz danach kennen. Und erlebte die Zeit nach dem Ende mit. (S. 83)
In den USA verschwinden jedes Jahr zehn Prozent aller Firmen. Und das ist gut so, meint der Ökonom Paul Ormerod. (S. 88)
Die Insolvenz ist das Jüngste Gericht eines Unternehmers. Die Geschichte eines Weltuntergangs. Und die Tage danach. (S. 90)

Und nervt außerordentlich.

Brand eins wird immer durchschaubarer. Und untauglicher. Das Gewimmere um Herrn Urban, jämmerlich. Die anderen Stories über die Guten und Dämlichen? Je nun, ach was. Alles so oberflächlich, schickimicki. Die wollen da so eine Journalistensprache etablieren und kommen alle offfenbar aus dem gleichen Schreibstall. Texte nach Prinzip B. Und was man in der Nannen-Schule oder bei Gruner+Jahr so lernt. So kommt man nicht aus dem Schneider.
Dazu solcher Irrsinn. Zwischenüberschrift:

Zwischen Barockkonzert und Lounge-Club:
Die Zukunft der Klassikkultur entsteht in Berlin.

Wo sonst, wo bitte sonst? Nur in diesem verrotteten Ort der potenzierten Halbbildung und des Blendertums. Klar, hier in Berlin. Am Berliner Klassikkulturbegriff wird die Welt genesen. So wie die Blogs auch. Die Superhirnis aus Berlin. Die Xes, Yüppses und Unterhaltungsturner, die Dons und Torso-Damen. Die Opelisten und PR-Pusteblumen aus Berlin. Ich schweife ab.

Na klar, dass die Wirtschaftsknallkoppjournalisten von Brand eins Kultur als Konsumgegenstand sehen müssen, so wie Auto, so wie ein Hamburger mit Sushi. So was wie „Kultur“ macht man, macht man an einem Ort, machen Agenturen, machen Verbände abends nach dem Besäufnis. Heute machen wir die Klassikkultur. Das „Radialsystem“ machen wir, wie ich gerade nachlese. Schnell mal patentieren lassen. Kann man dann nach Koblenz verkaufen, oder nach Friedrichshafen. Und reich werden.

Kultur ist machbar

Habe ich neulich in der ehemaligen neuen Volksbühne auch gesehen. Drinnen gab es Eötvös, vorne neben der Kasse so eine „Lounge“ mit so gedrechseltem Schwummerlicht und mit so launschiger Zappelmusik. Wie passend. Und so radial! Da habe ich mir schnell die Olive aus der Nase gepopelt und meiner lieben Begleiterin in den Ausschnitt rutschen lassen. Das ist Kultur!! Das ist Kultur!!!

Was, lese ich in der Berliner Zeitung, angekündigt, heute abend, gibt es?

Delphi: Monumente der Klassik dirigiert von Kent Nagano - Präsentation der HD-Produktion

Wunderbar: Monumente der Dummheit präsentiert von Thomas Flierl und als Gastblogger, vom Senat bestellt und bezahlt, irgendein Prenzlauer suppercool langweilender Kröterich.

Berlin wird immer dümmer und Brand eins begreife ich langsam als kindisches Feigenblatt (welches es sowieso immer war) eines ohnedies verkommenen Wirtschaftsjournalismus.

Und, ganz brandeinzisch: Da haben wieder welche gehofft, man merke den Unterschied zwischen radial und radikal nicht mehr.

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