Texte fürs Blog

Der Unterschied zwischen Telemann und den Teletubbies?

Auf einen einfachen Hinweis hin sei hier ein Appell zur Abschaffung des Musikabiturs in der jetzigen Form formuliert. So wie es in der Sendung taktlos am 13. Januar passiert ist.

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Ich habe es leider nicht selbst einsprechen können, da im Urlaub noch gewesen. Wünsche ein schönes Wochenende allerseits.

Kommentare

Mir leuchtet das nicht recht ein. Was genau spricht gegen das Musikabitur? Daß es elitär ist, weil nicht alle privat die Voraussetzungen dafür haben?

Ist das so schwer zu verstehen. Ich kenne keinen Schulbildungswegs mit Musik (außer auf einem Musikgymnasium), der mit guten Chancen ein Abitur, wie es in Bayern gemacht werden musste, erreichen lassen würde.

Ohne Zusatzunterricht (am Instrument) ist da doch kein Auskommen. Und das Instrument wird in der Regel nicht in der Schule, sondern an der Musikschule oder privat gelehrt. Dass dies mit Zusatzkosten verbunden ist, dürfte wohl der Normalfall sein.

Natürlich ginge es auch anders. Aber dann müsste man das Niveau des Musikabiturs dorch tatsächlich absenken.

(Und ansonsten, man kann natürlich auch im Matheunterricht Fraktale klöppeln. Wäre zumindest Chancengleichheit.)

Musik in der Schule ist eine furchtbare Angelegenheit. Bei mir war es gut. Aber sons habe ich fast nie etwas Gutes darüber gehört.

Und dann schau doch mal so den Lehrplan für die siebte Klasse an Gymnasien an: http://musby.de/data/G8mu07.pdf - in Bayern. Welcher Lehrer und welche Kinder sollen das bitte schön irgendwie schaffen. Domnantseptakkordumkehrungen Rock/Pop-Zeug … Es ist unglaublich.

Es gibt nur noch ein Fach neben Sport, was zumindest in mancher Hinsicht genau so dümmlich exekutiert wird: Geschiichte. (Von der Steinzeit bis Bin Laden- obwohl umgekehrt wohl besser wäre aber auf das Gleiche hinausliefe.)

Musik in der Schule ist eine furchtbare Angelegenheit.

D'accord - zumindest, wie ich es in NRW erlebt habe, wo über weite Strecken schlicht kein Musikunterricht stattfand - und die Schüler ohne privaten Zusatzunterricht allein deshalb schlicht keine Chance hatten.

Aber wenn die Frage lautet, wie man die hochgesteckten Ziele für das Musikabi erreicht, dann ist das doch ein methodisches Problem, oder? Musik in einem solchen Rahmen derart Ernst zu nehmen finde ich jedenfalls besser, als vor der erschreckenden Differenz zwischen musikalischer Kompetenz auf der einen, und dem Rang, den Musik für die Schüler in ihrem persönlichen Erleben einnimmt auf der anderen Seite zu kapitulieren.

Daß der bayrische Kunstbegriff hier zu eng ist, sehe ich auch so.

Da stimme ich auch zu. Natürlich soll auch das Musikabi nicht dünn sein. Aber für die richtig Zusatzgebildeten ist es dünn, für die anderen normalerweise zu dick.

Früher gehörte Musik ins Quadrivium, oder? Da müsste es auch wieder hin. Aber wenn ich den Umfang anschaue, von Latino-Rhythmus bis Dominantseptakkordumkehrungen, von Barock bis Rock. Das ist nicht zu schaffen, es sein denn im Umfang von 4 Wochenstunden.

Und Musik ist außerdem eben etwas anderes, als Formeln lernen oder anwenden. Da geht es auch um den ganzen Menschen mit all den Gefühlen und Herzbildungen, mit allem, wovon man sich gerade nicht in wissenschaftlicher Distanz nur bewegen kann. Ein Profi später mag das schaffen und muss das irgendwann auch können, aber ein Normalo?

Mamimami, heute habe ich in Musikekstase nur eine vier bekommen.

Musik scheint mir einfach viel zu wertvoll, als dass man es in der Schule verhunzt. Ich hatte eine sehr gute Lehrerin, bei der wie in der siebten oder achten Klasse Schönbergs "Überlebenden aus Warschau" gemacht haben, wo 80 Prozent der Schüler keine Noten konnten. Und es ging doch - vielleicht auch, weil sie keine Noten konnten. (War eine Integrierte Gesamtschule.)

Spätestens in der Oberstufe saßen im Musikunterricht fast ausschließlich Leute, die auch zur Musikschule gingen. Und die Musikschule bedeutet einen - relativ hohen - finanziellen Aufwand für die Eltern. Das eben ist der Unterschied zu Fächern wie Sport oder Kunst, wo nicht - zugegeben, unabsichtlich - eine Sozialauswahl rein spielt.
Die ideale Lösung geht, wie ich finde, in eine andere Richtung als der kompletten Abschaffung des Musikunterrichts: Jedes Kind und jeder Jugendliche sollte die Möglichkeit bekommen, ein Instrument und eine Sportart außerhalb der Schule oder als deren "Begleitprogramm" am Nachmittag kostenlos zu erlernen.
Zu teuer? Nur auf den ersten Blick. Auch wenn ich's nicht belegen kann: Es wäre eine Investition in eine gewaltärmere Gesellschaft.

Nicht eine gewaltärmere aber eine wärmere Gesellschaft, ja.

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