Texte fürs Blog

Der XX. Parteitag

<%image(20041218-nauen-nationale-front.jpg|500|302|Leben ohne Angst zu haben)%>
ich halte dich in meinem Arm umfangen,
Wie ein Saatkorn ist die Hoffnung aufgegangen.
Wird sich nun der Traum erfüllen,
derer die ihr Leben gaben für das kaum erträumte Glück.
Leben ohne Angst zu haben, leben ohne Angst zu haben.

Wieder Nauen, ein letztes Bild vielleicht. Die nationale Front blättert ab.

Anfang der 60er Jahre schreibt Eisler seine Ernsten Gesänge. „Weiß der Teufel, warum ich das geschrieben habe!“ Naja, es gab noch eine Hoffnung, die damals Helmut Richter in seine Verse zum XX. Parteitag gefasst hat.

Das korrespondiert mit Adornos Utopie „ohne Angst verschieden sein zu können.“

Kommentare

Eine Anmerkung zu der Utopie, ohne Angst verschieden sein zu können: Es kommt immer darauf an, von welcher Seite man das sieht :-)

Zum Glück gab es nie einen XX. Parteitag der SED. Es gab den XI. Parteitag und es hätte im Jahre 1990 einen XII.Parteitag geben sollen. Die Berichterstattung über den XI. Parteitag hatte schon fast Orwellsche Züge (ich meine jetzt die Sprache, die Überwachung durch den Staatssicherheitsdienst war nicht so weitgehend wie in „1984“).

Dein Bild erinnert mich an den damals gängigen Spruch „Ruinen schaffen ohne Waffen ...“. Erst gegen Ende der DDR-Zeit wurde Privatinitiative bei der Sanierung alter Bausubstanz zugelassen.

Die Verse beziehen sich wohl auf das Ende des Stalinismus und den XX.Parteitag der Kommunistischen Partei der UdSSR. Damals hielt Chruschtschow seine später bekanntgewordene Geheimrede. Aber diese kurze Phase der vorsichtigen Aufarbeitung stalinistischer Verbrechen war schnell wieder vorbei.

Und man sollte nicht vergessen, dass die brutale Niederschlagung des Aufstands in Ungarn auch auf Chruschtschows Konto geht. Spätestens seit Breschnews Machtergreifung legte sich wieder Blei über das Land --> Niederschlagung des Prager Frühlings, Wettrüsten, Verelendung vieler Landesteile ...

Nein Stefan, es kommt nicht auf die Seite an; das ist ja der Trick dabei.

Ansonsten aber Zustimmung. Das Tauwetter in der UdSSR war bitter nötig, wenngleich es möglicherweise auch zu viel Hoffnung produziert hat. Dafür genau ist Eislers Gesang ein beredtes Zeugnis.

Man kann in Freiheit gut philosophieren, wenn man die Defizite der unfreien Gesellschaft nicht aus eigenem Erleben kennt. Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es doch um die beiden Gesellschaftssysteme der DDR und der BRD. Es gab diverse Utopien, wonach diese beiden Gesellschaftssysteme ohne Angst voreinander friedlich koexistieren sollten. Das wäre sicher sehr schön gewesen, aber es kommt doch stark darauf an, von welcher Seite man das sieht: von der Seite der Freiheit oder von der Seite der Unfreiheit. Der „Trick“ ist einfach erklärt: Wenn sich beide Seiten gegenseitig in Ruhe lassen, kann man über die Zustände in der unfreien Gesellschaft einfacher hinwegsehen ... Auch unter den Bedingungen friedlicher Koexistenz wollten wir immer die geistige Unterdrückung abschütteln, viele von uns haben sich in Nischen zurückgezogen. Einige bezahlten einen hohen Preis dafür, dass sie sich mit freien Ideen und Philosophien auseinandersetzten. Vielleicht werdet Ihr das nie verstehen können ...

Okay Stefan: Das ist alles zugegeben; aber ich wollte es eiegentlich tiefer hängen. Nicht um die Verscheidenheit der Gesellschaftssysteme sondern um die einfachen menschlischen Beziehungen ging es mir: Also eher von Du zu Du.

Wenn Du das auf die Beziehungen zwischen Menschen, Familien, Kollegen [...] beziehst, stimme ich dir gern zu und lasse das mal als Motto für 2005 so stehen.
Meine Kommentare bezogen sich nur auf den Kontext des Artikels (Stalinismus, XX.Parteitag und 'Tauwetterperiode').
Übrigens könntest Du solche Bilder in der Umgebung Dresdens und in einigen Lagen der Stadt Dresden auch heute noch aufnehmen. Es sind noch lange nicht alle Spuren der Vergangenheit beseitigt und viele Gebäude werden wohl leider auch nie wieder gebraucht.

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