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Die Zeit der Aufklärung rollt rückwärts

Ver.di, die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, geht der Stoff um Lidl nicht aus. Naja, irgendwie muss ja etwas dran sein, wenn die Billigheimer so billig sind. Ich bekenne mich da zum Saboteur dieser Geschäfte, seien es Aldi, Lidl, Netto, Plus (okay, da habe ich neulich Batterien gekauft — weil der Laden ziemlich unmittelbar unter der Wohnung meiner Mutter war — die aber brav teuer waren) oder Kik.
Reaktionen auf das „Schwarz-Buch Lidl“ reißen nicht ab

Mehr als 7.000 Rückmeldungen haben die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) nach der Veröffentlichung des „Schwarz-Buchs Lidl“ erreicht. In Anrufen, Briefen und Mails bestätigen diese Reaktionen die Vorwürfe, die ver.di gegen die Arbeitsbedingungen bei Lidl erhebt. Zudem haben sich mehr als 5.000 Besucher im „Schwarz-Buch-Weblog“ auf der ver.di-Internetseite an der Diskussion um die Zustände bei diesem Discounter beteiligt.

„Bei der abendlichen Reinigung wurden gelegentlich Geldscheine in die Gänge gelegt, um zu sehen, ob das Personal das Geld auch abgab. Morgens befand sich öfter zu viel Wechselgeld in der Kasse, um zu kontrollieren, ob dies nach dem Zählen von der Kassiererin nicht unterschlagen wurde“, schreibt beispielsweise eine ehemalige Lidl-Mitarbeiterin in einer Mail an die ver.di-Bundesverwaltung.

Rund zwei Drittel der Zuschriften und Anrufe stammen von ehemaligen und derzeitigen Beschäftigten bei Lidl/Kaufland. Sie ergänzen die Informationen, die ver.di bereits zuvor über Lidl vorgelegen hatten. Viele weisen darauf hin, dass es auch in anderen Ketten wie Aldi, Kik, Plus, Norma oder Netto ähnliche Missstände gibt.

Zahlreiche Rückmeldungen kommen auch aus dem Ausland. Beschäftigte, Gewerkschaften, ehemalige Lidl-Führungs-kräfte und Journalisten beschreiben ähnliche Missstände in den dortigen Filialen der Kette.

Eine Reaktion des Lidl/Kaufland-Konzerns, die sich direkt an ver.di wendet, gibt es bislang nicht.

Quelle: Newsletter von ver.di

Dieses Land wandelt sich. Man möchte es bezeichnen als Wandel in die misstrauische Gesellschaft. Selbst Politiker nehmen gerne mal einen Geldschein auf, der im Gang liegt. [Siehe auch den wahren Dicki.] Da passt es natürlich prima, wenn der Oberbundesonkel von einer Mitnahmementalität spricht. Der Dumme dabei ist der dumme. Das Dumme und das Fatale an dieser Entwicklung ist die Art und Weise ein Anwendung der puren Abschreckung durch Präventivmaßnahmen.

Präventiv sind auch Musikkonsumenten zunächst welche, die die Musikindustrie aufs Kreuz legen wollen, die sich dumm und dämlich an ihren CDs und Soundfiles kopieren. Um es denen schwer zu machen, macht man es eben alles schwer. Das ist doch nur gerecht.

Wohin das führt? Brecht hat es ausgezeichnet in seinen Versen „Abbau des Schiffes Oskawa durch die Mannschaft“ aus dem Jahr 1922 dargelegt. Dieser ganze Staat funktioniert nach der Abschaffung der SPD als sozialwirtschaftlicher Kraft und nach dem kompletten Versagen der GRÜNEN als sozialpolitischer Organisation nach dem Motto, alles und jeder ist korupt. Leider treten diese Fälle immer wieder auf. Ihre Wirkung ist sozialpolitisch selbstzerstörerisch. Abhör- und Beobachtungsmaßnahmen sind schnell die Folge.

Adorno hat dies einmal am Beispiel der Zwölftontechnik in seiner „Philosophie der neuen Musik“ sozusagen fachfremd als Negativ-Maxime formuliert:
Keine Regel erweist sich repressiver denn die selbstgestellte.

Quelle: Adorno, Philosophie der neuen Musik, Frankfurt/M. 1978, S. 69
Einübung in Gehorsam und Unterwerfung, zugleich das Rad das sich immer schneller dreht. Gegen die Rechte des aufgeklärten Bürgertums. Es ist gerade so, als ob die Zeit der Aufklärung rückwärts rollt und dabei immer mehr Fahrt aufnimmt.

Ein letzter Hinweis. In den „Blättern für deutsche und internationale Politik“ hat jüngst Hauke Brunkhorst diese Selbstverwundung am Beispiel des Falles Daschner dargestellt (als pdf).
Folter vor Recht? Das Elend des repressiven Liberalismus
Zusammenfassung: Aufgrund des Folter-Prozesses gegen den früheren Vizepräsidenten der Frankfurter Polizei, Wolfgang Daschner, schlägt die Debatte um die Legitimität von Folter neue Wellen. Hauke BRUNKHORST, Professor für Soziologie, analysiert die Entwicklungstendenzen zu einem repressiven Feindstrafrecht und insistiert auf der Notwendigkeit der kategorialen Unterscheidung von Recht und Moral.

„Wer den Krieg gewinnt, bestimmt, was die Norm ist.“ Na, so gehts ja nicht, aber so ists.

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