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Dieter Gorny ins Präsidium des Deutschen Musikrates gewählt

Was für eine Nachricht! Dieter Gorny tritt die Nachfolge Jens Michows an, der sich vor kurzem aus dem geschäftführenden Präsidium des Deutschen Musikrates verabschiedet hatte. Das bedauerte der Präsident des Deutschen Musikrats, Martin Maria Krüger, zwar sehr, Michow schien aber doch sehr enttäuscht, wie er dem MusikMarkt kundtat.
„Wenn man nichts mehr bewegen kann, sollte man aufhören. Ich bin nach reiflicher Überlegung zu der Überzeugung gelangt, dass sich meine Vorstellung von Verbands- und vor allem Teamarbeit nicht länger mit der Arbeitsweise meiner engsten Präsidiumskollegen vereinbaren lässt. ... Leider ist es dem Präsidium bis heute nicht gelungen, das versprochene DMR-Engagement im Bereich der Rock- und Popmusik auch nur ansatzweise zu realisieren, schließlich war dies unser zentrales Anliegen und Wahlversprechen“, zitiert ihn der Musikmarkt.
Also ist natürlich Platz da für einen neuen Präsidiumskollegen, dessen Vorstellung von Verbands- und Teamarbeit besser mit den Präsidiumskollegen zu vereinbaren ist. Und den fand man dann auch: Dieter Gorny — das Urgestein des Deutschen Musikrates? Und so kommt der Deutsche Musikrat aus den Schlagzeilen nicht heraus.

Wir erinnern uns: Vor vier Jahren sollten die neuen Präsidiumsmitglieder gewählt werden. Die neue musikzeitung stellte den Kandidaten ein paar kleine Fragen, wie zum Beispiel diese (+ Antwort Gorny):
Ihre Beweggründe, sich zur Wahl des Präsidiums des Deutschen Musikrates zu stellen?
Musik und Kultur brauchen Engagement. (Quelle)

Knackig, nicht wahr. Sein nachhaltiges Interesse an einer Wahl zeigte er bereits damals durch Abwesenheit während der damaligen Mitgliederversammlung. Die damalige Generalsekretärin Marlene Wartenberg äußerte sich dazu wie folgt:
Aus politischen Grünen bedaure ich, dass die Mitglieder des Deutschen Musikrates durch ihre Wahl in der Generalversammlung dieses Signal gesetzt haben. (Quelle)
Alle lieben Dieter Gorny, nur nicht die alle Mitglieder des Deutschen Musikrates, sonst hätten sie ihn ja gewählt. „Dämlicher Souverän“ war der nmz-Cluster überschrieben. Hatten wir sowas nicht vor wenigen Tagen auch? Nein, das wäre ungerecht, schließlich ist Gorny jetzt demokratisch gewählt worden, nämlich vom sog. erweiterten Präsidium des Deutschen Musikrates.

Mit etwas Verwunderung ist allerdings zur Kenntnis zu nehmen, dass ein Kommentar im Kulturinformationszentrum des Deutschen Kulturrates und der ConBrio Verlagsgesellschaft im Laufe des heutigen Tages gelöscht worden ist. Warum eigentlich? Obwohl: Eigentlich ist das ganz klar.

Sondershausen, (nmz). Als Nachfolger für den resignierten Jens Michow hat das Präsidium des Deutschen Musikrates bei seiner Sitzung in Sondershausen den ehemaligen Musikpädagogen und ehemaligen VIVA-Boss Dieter Gorny für zunächst ein Jahr in den Fünfer-Kreis der Vereins-Geschäftsführung berufen. Nicht gerade ein zukunftsweisendes Signal. Michow ist mittlerweile mit „seinem“ Verband, dem IDKV - einer Veranstalter-Vereinigung offensichtlich beleidigt aus dem Musikrat ausgetreten.

In einer nach zuverlässigen Angaben heiß umkämpften, sehr knappen Entscheidung fiel die Wahl auf den wirtschaftlich angeblich kompetenteren Kandidaten. Betrachtet man Gornys jüngste Karriere-Knicke, könnte man auch von einer Verlegenheitslösung sprechen. Klassik-Komm. versenkt, Pop-Komm grade mal an Berlin verscheuert, VIVA an den Konkurrenten MTV verloren. Auch im Musikrat selbst hat Gorny in den vergangenen Jahren kaum durch Aktivität geglänzt — während der Konkurs-Krise allenfalls durch Abwesenheit. Ein Fall von welkem Name-Dropping? Offensichtlich wollte man aber nach der Einbeziehung Hans Bäßlers in die „Fünferbande“, wie das geschäftsführende Präsidium von Insidern mittlerweile zärtlich-spöttisch genannt wird, eine stärkere Einflußnahme professioneller Pädagogen verhindern.

Der Vorgang macht deutlich, dass die als Schaffung einer „Task-Force“ in der Notsituation der Insolvenz gedachte, seinerzeit brauchbare Zweiteilung des Präsidiums als dauerhafte Lösung wenig taugt. Zumal einige der geschäftsführenden Präsidialen ihr Amt mittlerweile sehr stark an ihre reale oder vermeintliche Persönlichkeit geknüpft sehen. Schon bei der nächsten Generalversammlung Ende Oktober sollte der Souverän, also die Mitgliedsverbände, sehr ernsthaft über eine Satzungsänderung nachdenken. Sinnvoller als ein Zweiklassen-Vorstand mit fünf Oberhäuptern und zwölf bis 14 Beisprechern scheint doch ein auf neun bis elf Köpfe verkleinertes Gesamtpräsidium, in dem sich die weitgefächerte Kompetenz der Mitgliedsverbände angemessen widerspiegelt.
Quelle: Autor: Webwatch — Wurde mittlerweile im Kulturinformationszentrum gelöscht.

Update: Und außerdem, Gorny ist mal so reingerutscht, die Satzung des Musikrates sieht es so vor:
„Scheidet ein Mitglied des Geschäftsführenden Präsidiums vor Ablauf seines Mandats aus, kann das Präsidium ein Ersatzmitglied für die restliche Amtszeit bestellen.“
Im Oktober, während der nächsten Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrates, sind die Mitglieder wieder der Souverän:
"Die Mitgliederversammlung hat folgende Aufgaben:
a. Wahl des Präsidenten auf die Dauer von vier Jahren
b. Wahl der Mitglieder des Geschäftsführenden Präsidiums auf die Dauer von vier Jahren
c. Wahl der weiteren Mitglieder des Präsidiums auf die Dauer von vier Jahren

Liebe Mitglieder des Deutschen Musikrates, nehmt eure Sache ernst und wählt, wen ihr wollt!

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