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Erneuter Sieg der STASI nach ihrer Abschaffung

Ich weiß nicht, ob Wallraff mit der Staatssicherheit der DDR wissentlich kooperiert hat. Persönlich glaube ich nicht daran. Aber darum geht es jetzt nicht. Was soeben im Grünen Salon des Senders n-tv abgegangen ist, das ist der zweite Sieg der Staatssicherheit nach ihrem Ende. Wie in bester Inquisitionsweise haben Andrea Fischer und vor allem Carsten Strunz vorgeführt, wie Verhörmethoden unter des besten Bedingungen stattfinden (unter Zustimmung des anwesenden Volkes). Desavourierende Fragen, Zwischenhaken und Nichtausredenlassen: Das hat man praktisch vorgeführt. Akten machen Fakten, weil Fakten Akten machen.

Doch selbst Fakten sind in dieser Spitzelwelt keine Tatsachen sondern interpretationswürdig. Ob Walraff ein „naiver” (er sagte was anderes) “Idiot” gewesen sei, fragte Strunz. Na und, durch die Wiederholung des Feuilletonangriffs wirds ja nicht besser, eher schlechter. Denn es zeigt, wie wenig Strunz und Fischer wissen. Und je weniger man weiß, desto dümmer und dreister lässt sich behaupten.

Solch ein Verhör ist bedingt durch ein Ver-Hören. Es ist dies ein furchtbarer Sieg neuer Inquisition von Leuten, denen die späte Geburt die Dimensionen einer hochproblematischen Vergangenheit, die Fehler zu rekapitulieren lehrt. Strunz wird so zum Vollstrecker der Staatssicherheit und wähnt sich doch als Aufklärer. Der Aufklärer in der Maske der Inquisition vergeht sich an der Aufklärung, wird zum Büttel des medialen Spektakels.

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