Texte fürs Blog

Hommage á p.

<%image(20050405-seife-arzt.jpg|500|328|Die Seife, die die Hände waschseift?)%>

Wieder ein Geburtstag, Dame p., die sich in Gelb sehr gut auskennt. In der Tat. Freilich, bedenkt man den Zustand des Wesens von Abrechnung und anderem Ungemach, so ist das momentan alles andere als fein. Zerrieben werden daran gerne auch die falschen. Das ist unfein, sehr unfein. Eigentlich keine gute Zeit für Geburtstage. Dame p.: Durchhalten oder das System sprengen, z.B. mit dieser Seifen-Bombe!

Adorno schrieb einmal recht scharf und kryptisch zugleich:
Wer das Seiende unterschiedslos und ohne Perspektive aufs Mögliche der Nichtigkeit zeiht, leistet dem stumpfen Betrieb Beihilfe. (…)

Nur wenn, was ist, sich ändern läßt, ist das, was ist, nicht alles.

[Band 6: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit: Dritter Teil: Modelle. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 3480 f. (vgl. GS 6, S. 391 f.)]
Der Schlusssatz aus der Negativen Dialektik ist so unentschieden mutig wie mutlos. Mutig, weil Adorno davon unmittelbar noch ausgeht, dass der totale Verblendungszusammenhang eben nicht total ist; also nicht alles ist. Er visiert aber an, dass, falls es doch dazu käme, in der Tat kein Staat mehr zu machen wäre. Wie bei einem Demenzkranken, der irgendwann tatsächlich seine eigene Lage nicht mehr einschätzen kann und nicht mehr darüber zürnen oder sich zermürben kann.
Metaphysische Spekulation vereint sich der geschichtsphilosophischen: sie traut die Möglichkeit eines richtigen Bewußtseins auch von jenen letzten Dingen erst einer Zukunft ohne Lebensnot zu.

[Band 6: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit: Dritter Teil: Modelle. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 3478 (vgl. GS 6, S. 390)]
Und das ist hart, wirkt verheerend. Es ist das Eingeständnis, dass man in der Gegenwart nicht die Zukunft vordenken kann. Diese gibt es nur ohne Lebensnot in denkbarer Form — und selbstredend in Praxis. Adorno verweist zuvor auf die Kunst:
Subjektiv befreite und metaphysische Erfahrung konvergieren in Humanität. Jeglicher Ausdruck von Hoffnung, wie er von den großen Kunstwerken noch im Zeitalter ihres Verstummens mächtiger ausgeht als von den überlieferten theologischen Texten, ist konfiguriert mit dem des Menschlichen; nirgends unzweideutiger als in den Augenblicken Beethovens.

[Band 6: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit: Dritter Teil: Modelle. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 3477 (vgl. GS 6, S. 389)]
Statt Arztseife in Bombenform also doch besser Beethoven, in seinen Bagatellen (op. 126, mp3) beispielsweise?

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