Texte fürs Blog

Hommage á Schwester K.

72 Jahre dürften es sein — und die sieben besten wohl die ersten. Ach Quatsch, eher alle, hoffe ich mal vorsorglich. Davon dürften bald 20 zusammenfallen mit deinem Mann, so offiziell wenigstens, also für die Statistik eher. Ein besonderes Bild für Dich, aber so besonders auch wieder nicht.

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Neue geistreiche (nicht geistliche, obzwar das wohl auch) Lieder, mal etwas älter. „Mit einer Erklärung einiger fremder und unbekannt gewordenen Worten versehen.“ So in etwa steht es da. „Unbekannt gewordene Worte.“Es gibt eben Dinge, die es nicht gibt; und es gibt Dinge, die es gibt. Menschen gibt es, aber vielleicht kennt man sie nicht oder sie werden einem unbekannt. Man kennt sie meist weniger als man denkt oder meint, aber so unbekannt wie sie sind, sind sie es vielleicht dann doch nicht. Aber auf einer weiteren Ebene, einer anderen.

Ich kenne Dich jetzt ansatzweise 42 Jahre. Aber obgleich diese Kenntnis doch gering genug ist, mag sie größer sein, als die Weise, in der sie sich manifestiert. Und so soll das Unerkannte gleichwohl ein Teil des Bekannten sein. Wohlan.

An Landauer

Sei froh! Du hast das gute Leben erkoren,
Denn tief und treu ward eine Seele dir;
Der Freunde Freund zu sein, bis du geboren,
Dies zeugen wir am Feste dir.

Und selig, wer im eigenen Hause Frieden,
Wie du, und Lieb und Fülle sieht und Ruh;
Manch Leben ist, wie Licht und Nacht, verschieden,
In goldner Mitte wohnest du.

Dir glänzt die Sonn in wohlgebauter Halle,
Am Berge reift die Sonne dir den Wein,
Und immer glücklich führt die Güter alle
Der klige Gott dir aus und ein.

Und Kind gedeiht, und Mutter um den Garten,
Und wie den Wald die goldne Wolke krönt,
So seid auch ihr um ihn, geliebte Schatten!
Ihr Seligen an ihn gewöhnt!

O seid mit ihm! denn Wolk und Winde ziehen
Unruhig öfters über Land und Haus,
Doch ruht das Herz bei aller Lebensmühen
Im heilgen Angedenken aus.

Und sieh! aus Freude sagen wir von Sorgen;
Wie dunkler Wein, erfreut auch ernster Sang;
Das Fest verhallt, und jedes gehet morgen
Auf schmaler Erde seinen Gang.

Hölderlin

Wäre, nebenbei, vielleicht auch was für Felix, den Balladenschreiber mit der guten Stirn.

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