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Illegale „Tauschbörsen“ schaden dem Musikmarkt

... heißt es in der jüngsten Pressemeldung der deutschen Phonoverbände in aller pauschaler Begründung. In der Tat reagieren die Phonoverbände auf zahlreiche Studien, die das Gegenteil belegen wollen. So ganz falsch scheint mir der Zusammenhang zwischen Single-Verkauf und Tauschbörsen-Nutzung wirklich nicht zu sein. Das sagt mir ein introspektiver Blick. Die Single, auf die sich im wesentlichen die Argumetation der Phonoverbände bezieht, scheint am Ende zu sein. Ich kann mich auch nicht erinnern, jemals eine Single-CD gekauft zu haben (bei Vinyl-Platten war das noch anders, aber auch dort komme ich gerade mal auf sechs, von denen zwei geschenkt wurden [Princess, Bangles] und die restlichen eher kuriosen Charakters sind - Berliner Lerchen und Peter Alexander per Ramschladen für 'ne Mark). Maxis sehen da schon etwas besser aus, EPs noch besser, und LPs? Na klar.
Die Single ist am Ende und es mag ja auch sein, dass Tausch über Tauschbörsen das verstärkt hat. Den Streit darüber, ob nun Tauschbörsen Musikmarkt-Killer sind oder, im Gegenteil, als Marketing-Tools den Verkauf fördern, halte ich für überflüssig und wenig erkenntniserbringend. Ich kann mir schlechterdings kein empirisches Modell zur Erforschung dieses Problemes vorstellen. Doppelblindversuch?

Die Quellen für “meinen” Musikkonsum stammen weder aus diesen Börsen noch aus dem Fernsehen. Die persönliche Empfehlung eines Freundes ist es schon eher. Erst nach intensivem Hören (bei mehr als Zimmerlautstärke) von beispielsweise “Overload” von den Sugarbabes hat mich dazu ermutigt, dieses Werk als Maxi-CD zu erstehen. Damals 10,99 DM. Und ich kann mir die Maxi auch heute noch anhören, ohne dass mir die Ohren abfallen.

Wenigstens einmal hat mir der Besuch einer Tauschbörse geholfen. Vor schon fünf oder mehr Jahren habe ich versucht eine Platte der Truppe “Bedouin Ascent”, die auf einem Macro-Dub-Sampler (und via Kassetten-Überspielung) zu hören bekam, zu erstehen. Hier in Regensburg in einem damals noch existenten Electronic-Music-Plattenladen. Das dauerte vier Monate bis endgültig die Antwort feststand, dass man das nicht eruieren könne. Soulseek hats dann geliefert und weitere Stücke, die wesentlich weniger genial waren, ausgespuckt. Gewiss, damals hätte ich blind gekauft, nach dem Hören weitere Beispiele von Beduin Ascent via Soulseek hätte ich es eben nicht gemacht. Aber vielleicht, in diesem Fall, hätte ich dann gerne eine Single mein Eigen nennen wollen.

Nun aber die Pressemeldung der IFPI Deutschland im Wortlaut.

Illegale “Tauschbörsen” schaden dem Musikmarkt

“Downloader” kaufen in Deutschland 37% weniger Singles -internationale Studien bestätigen negative Auswirkungen in Deutschland

“Nutzer von illegalen Tauschbörsen kaufen deutlich weniger Musik”, erklärt Gerd Gebhardt, Vorsitzender der Deutschen Phono-Akademie: “Sie bringen nicht nur die Künstler und Verwerter um ihre Rechte, sondern sie ersparen sich in vielen Fällen den Kauf von Musik. Darauf weisen eine ganze Reihe nationaler und internationaler Studien renommierter Marktforschungsunternehmen hin.” Illegale Tauschbörsen im Internet sind somit in hohem Maße für die Umsatzrückgänge im legalen Tonträgermarkt verantwortlich. Die Einbußen in Deutschland lagen im Jahr 2003 bei knapp 20%. Die Phonowirtschaft geht in Deutschland und anderen Ländern seit kurzem gegen illegale Anbieter in “Tauschbörsen” auch rechtlich vor.

Auch die neue Brennerstudie der GfK in Nürnberg kommt zu gleichen Ergebnissen: Zum fünften Mal in Folge wurden 10.000 Personen eines repräsentativen Panels in Deutschland nach ihrem Kopierverhalten von Musik befragt. Dabei äußerten die Nutzer solcher Tauschbörsen, dass sie 2003 37% weniger für Singles ausgegeben haben. Der Rückgang der Käufe ist deutlich stärker als bei Personen, die Musik nicht aus illegalen Quellen herunterladen.

Internationale Studien kommen zu dem gleichen Ergebnis. Enders hat im März 2003 publiziert, dass Musikpiraterie in Europa einen wesentlichen Teil der Umsatzrückgänge begründet. Forrester Research bestätigte im Januar 2003, dass illegale Internetangebote den legalen Musikmarkt in Europa schädigen. Die Studie belegt auch, dass nur wenige Teilnehmer mehr, viele Teilnehmer hingegen weniger Musik kauften, seit sie “Tauschbörsen” nutzten. Auch Jupiter stellte bei einer Befragung von weit mehr als 1000 US-Amerikanern genau diesen Befund fest. Studien von Ipsos und Edison Media erhärten diese Ergebnisse noch - sämtlich renommierte, unabhängige Marktforschungsinstitute.

Mit dieser Klarstellung wird die in der vergangenen Woche veröffentlichte Studie eines Professors der Harvard Business School (USA) isoliert: Er hatte fälschlich behauptet, illegale Musikangebote nutzten der Musikwirtschaft sogar. Bei seiner Studie sind ihm jedoch schwere methodische Fehler unterlaufen: So hatte er z.B. als Vergleichszeitraum mit CD-Verkäufen das vierte Quartal 2003 gewählt, das nicht repräsentativ ist, weil die Musikwirtschaft weltweit die meisten Umsätze im vierten Quartal macht.

Gerd Gebhardt: “Dass illegale Musikangebote dem Musikmarkt schwer schaden, liegt auf der Hand und ist durch viele Untersuchungen belegt. Die Behauptung des Gegenteils sorgt zwar für Aufmerksamkeit - sie ist aber falsch.”

Für Rückfragen: Dr. Hartmut Spiesecke, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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