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Kulturelle Grundversorgung und Obdachlosigkeit

In Zeiten knapper Kassen, stehen kulturelle Leistungen der öffentlichen Hand schnell zur Disposition. Brauchen wir wirklich in fast jeder Stadt ein Theater, muss man dicht an dicht neue Konzerthäuser errichten wie in Essen und Dortmund?! Wem soll diese kulturelle Grundversorgung dienen?! Werden wir nicht vielmehr geradezu mit Kultur zu Tode versorgt – so wie bei den Sybariten?! Überall und zu jeder Zeit: Festwochen, Festspiele, Feste, Feste, Feste – und auf der anderen Seite Obdachlosigkeit, Armut und die zunehmende Erosion einer demokratisch verfassten Bürgergesellschaft.

Ein eigenartiges Dilemma. Soviel Kulturversorgung von privater und öffentlicher Hand wie heute gab es in Deutschland noch nie. Doch was hilft es. Auf der anderen Seite wird beklagt, dass der Stand kultureller Bildung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen seit Jahren stetig sinkt. Allerdings differenziert: Im kulturellen Bereich bewegen wir uns langsam aber sicher wieder in eine Zweiklassengesellschaft zurück. Die Kluft zwischen den kulturell Reichen und Armen wird immer breiter. Wer können denn dann die Menschen, die diese kulturellen Feste zukünftig feiern werden anders sein als die neu- und altreichen Emporkömmlinge des aktuellen Wirtschaftsliberalismus?! Wo sind die Menschen, für die Musik etwas anderes ist als Klingelton, oder notfalls Klingelton plus Sekt plus Häppchen.

Was kann kulturelle Grundversorgung in so einer Situation heißen. Vielleicht kann man sich da wirklich eine Scheibe vom Sport abschneiden, wo Breiten- und Spitzenförderung gleichermaßer betrieben werden und wo man früher wie selbstverständlich Förderung als langfristige Entwicklung begriffen hat.

In der heutigen Geld- und Mutarmut der kommunalen Kassenwarte scheint die Entscheidung für den kulturellen Sektor längst gefallen und zwar nicht mit langfristigen Zielen sondern bloß situativen. Man überlässt es einfach dem Markt, der hats schon immer geregelt und er scheint es ja auch weiterhin gut zu regeln. Denn: Soviel Kultur wie heute war nie – und schon gar nicht im Ruhrgebiet. Klappt doch alles.

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