Texte fürs Blog

Langsamkeit und Zeit

Im Rennen der Philosophie gewinnt, wer am langsamsten laufen kann. Oder der, der das Ziel zuletzt erreicht.
Ludwig Wittgenstein, Über Gewißheit, Ffm 1984, S. 498.

Da her hat Monty Python seinen Wettlauf? Und es erklärt, warum die Philosophie nicht richtig geschätzt werden kann in den westlichen Kulturen. Ein Blick noch weiter zurück. Ernst Bloch hat dies Gedicht gerne erwähnt. Es muss so um 1900 herum entstanden sein.
Richard Dehmel: Der Arbeitsmann

Wir haben ein Bett, wir haben ein Kind,
Mein Weib!
Wir haben auch Arbeit, und gar zu zweit,
Und haben die Sonne und Regen und Wind,
Und uns fehlt nur eine Kleinigkeit,
Um so frei zu sein, wie die Vögel sind:
Nur Zeit.

Wenn wir sonntags durch die Felder gehn,
Mein Kind,
Und über den Ähren weit und breit
Das blaue Schwalbenvolk blitzen sehn,
Oh, dann fehlt uns nicht das bißchen Kleid,
Um so schön zu sein, wie die Vögel sind:
Nur Zeit.

Nur Zeit! wir wittern Gewitterwind,
Wir Volk.
Nur eine kleine Ewigkeit;
Uns fehlt ja nichts, mein Weib, mein Kind,
Als all das, was durch uns gedeiht,
Um so kühn zu sein, wie die Vögel sind:
Nur Zeit.

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