Texte fürs Blog

Lieber Herr Romann,

„NDR Kultur wird täglich von mehr als 240.000 Menschen eingeschaltet.“ Das sei ein „Beweis, dass ihnen das Programm gefällt“. Hingegen habe die Initiative „das Ganze Werk“ nur hundert Mitglieder.

und sei daher irrelevant, meint Herr Romann, Hörfunkdirektor des NDR. Da haben Sie Recht, junger Mann. Ich schlage daher vor, dass Sie ausführlich in ihrem Rundfunk auf diese Initiative hinweisen und dies auch im Online-Angebot machen. Schaun wir doch mal, wie viele von den angeblich täglich 240.000 Zuhörern von NDR Kultur sich dann der Initiative anschließen werden. Denn, so wie Sie, Herr Romann, rechnen, ist der Vergleich ja unfair. Ich fordere gleiche „Waffen“ und täglich mindestens 10 Jingles mit Hinweisen auf „Das GANZE Werk“. Es geht ja nicht an, dass Sie, Herr Romann, Ihre Medienmacht in dieser Weise missbrauchen und missrechnen.

Und noch einmal zum Mitrechnen. Genauso gut könnten Sie, Herr Romann, ja sogar sagen, dass monatlich dann 30 × 240.000 Hörer NDR Kultur hören, also ± 7.200.000 Hörer. Und man könnte auch anders ermitteln, mit Methoden der Hochrechnung, denn anders läuft es doch bei Ihnen auch nicht. Wirklich gezählte Hörer „deutschlandweit“ hatten Sie nämlich nur laut Media-Analyse 2004/2 nur ± 241 Hörer (das ist die absolute Zahl). Dagegen sind es beim GANZEN Werk 853 Mitglieder (Zahl steigend). Wollen wir beide das mal hochrechnen, Herr Romann? Nein, das wollen wir nicht, denn es geht nicht. Eben. Momentan steht es daher nach absoluten Zahlen so:

Das GANZE Werk : NDR KULTUR — 853 : 241 (oder etwas sportlicher heruntergerechnet 7:2).

Ach, die Idee mit den Jingles und Claims für das GANZE Werk finden Sie, Herr Romann, nicht so toll, weil nachher noch rauskommt, dass in der nächsten Media Analyse plötzlich ein Sender auftaucht mit dem Namen „Das GANZE Werk“? Das freilich kann passieren, sogar, obwohl sie im gewünschten Zeitrahmen gar keine ganzen Werke spielen; aber Ihr Sender nennt sich ja auch „NDR Kultur“, obwohl … (ähem, räusper).

In der Tat, ein interessanter Aspekt, so geht es eben ab bei einem so genannten Tagesbegleitprogramm. Da hört man nämlich nicht zu.

Ach, und noch schöne Grüße an ihre Frau Mirow,
herzlich, Ihr Kultur-Ayatollah, Martin Hufner

P.S.: Wären Sie übrigens so lieb, Herr Romann, dem „GANZEN Werk“ die Adressen der angeblich 240.000 Hörer zukommen zu lassen, oder wenigstens die, der 241 Telefonstimmen. Die Mitglieder der Initiative „Das GANZE Werk“ sind dagegen namentlich bekannt. Auch das wäre doch nur fair. Denn mit einer anonymen Masse, von der man nicht einmal weiß, ob sie nicht auch die Initiative unterstützt, kann man so schlecht kommunizieren. Dass diese Masse in der Media Analyse angab NDR Kultur gestern gehört zu haben, heißt ja nicht, dass diese das Programm so wie es ist, gut finden. Oder glauben Sie das vielleicht wirklich? Dann allerdings würde ich Ihnen einen Grundkurs in „Grundlagen empirischer Forschungsmethoden“ nahelegen. Ich schätze, dafür dürfte auch Ihr Intendant, Herr Jobst Plog, ein paar Euros aus dem Haushalt bereithalten.

PPS: Herr Romann, Anfang Oktober maßten sie Mut: „Dem Initiativkreis gehören nach unserer Erkenntnis rund 100 Mitglieder an.“ Dabei hatte der da schon über 500. Da fragt sich meinereiner, woher beziehen Sie denn Ihre [Plural] Erkenntnisse. Der Glaskugel? Dem Kaffeesatz? Der Nachrichtenredaktion des NDR womöglich — so schlecht hatte ich die beim Recherchieren nicht in Erinnerung, nene, so unseriös ist der NDR eigentlich nicht? Oder einfach nur eigenen Boshaftigkeit mit einer dezidierten Desinformation der Öffentlichkeit, die sie wegzaubern (oder sollte ich besser sagen Öffentlochlichkeit? Fragen über Fragen, aber keine Antworten.

Kommentare

ja, das ist schlimm, diese Arroganz von solchen Menschen, wo man sich fragt wie sie an ihren Job gekommen sind, oder wie dieser Herr R. dazukommt, aufgrund seines Jobs (auf keinen Fall wohl Berufung) auf diejenigen herabschauen zu wollen, die eine klare und dezidierte Meinung äußern und denen er eine amorphe dumpfe Menge meint entgegestellen zu können...

solche Leute leben im falschen Jahrhundert, leider, denn im Absolutismus, deren Denken sie prägt, wären sie nie Programmdirektor geworden und wenn doch hätte es noch keine Medien gegeben... sie hätten also weiter Kühe hüten müssen...

Die Atmosphäre der Hexenjagd und des Fanatismus, die einem aus dieser Website entgegenschlägt, ist — gelinde gesagt — bedrückend.

Und, ehrlich gesagt, dieser Vorwurf ist mir schnurz, wenn er aus dem Netz des Bayerischen Rundfunks (br-gate.brnet.de) kommt. Schön, dass der BR auch in Hannover Zugangsmöglichkeiten kennt, Herr Gerlach, oder wer immer Sie sind. Da wir schon mal genau sind: Ich kann mir kaum denken, dass Ihnen ein Urteil nach Ansicht einer einzigen Textseite der „Kritischen Masse“ zusteht. Wenn Sie das hier bedrückend empfinden, gerne. Die Sache ist nämlich in der Tat bedrückend.

Und bei einem Text, in dem es um anonyme Zahlen vs. namentlich bekannte Kritiker geht, dürfte Ihr anonymes Vorgehen eher zum Charakter einer Hexenjagd passen, als meine kleine Kritik an Gernot Romann.

Aber vielleicht haben Sie das alles ja auch nur mit einem Augenzwinkern verfasst.

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