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Lustvolles (?) an der Bückeburger Orgel in der Stadtkirche

<%image(20040621-bueckeburg-dame1.jpg|200|322|Nur Dekoration?)%>

Mit der Stadtkirche zu Bückeburg begann die unsere Orgelreise nach Hamburg und Umgebung. Auf dem Plan eine 1615 erbaute Orgel von Esajas Compenius. Die scheint auch ziemlich lange durchgehalten zu haben und berühmt gewesen zu sein. Sie wurde bei einem Kirchenbrand 1962 allerdings zerstört. 1993 versuchte man den alten Zustand wieder zu rekonstruieren durch einem Umbau der Firma Rudolf Janke und Rudolf Teils (1997) aus Bovenden. 47 Register auf 3 Manualen und Pedal.

Die Orgel, ich bin ja kein direkt Sachkundiger, wirkt in dieser hellen Kirche leuchtend schön. Doch besonders die Verzierungen (?) haben es in sich. Da gibt es Frauenbildnisse und Teufelsfratzen in frivoler wie angstmachender Haltung. Auch diese Frauengestalt wirkt nicht unbedingt glücklich.

Um einen Klangeindruck von dieser Orgel mitnehmen zu können, spielte der Reiseleiter und Kantor Werner Schepp ein Bach umkreisendes Programm.

<%image(20040621-bueckeburg-dame2.jpg|200|442|Verdeckt nichts)%>

Für die Leser der Kritischen Masse biete ich an “Fuge über den Namen BACH” von Johann Ludwig Krebs (1713-1780). Nicht-Musiker wissen es nur zu geringem Teil, dass sich der Name Bach auch in Noten umsetzen lässt. Nämlich B, A, C und H. Noch weniger werden die wissen, dass dabei zwischen B und A wie zwischen C und H Halbtonabstände sind. Für die damalige Zeit eigentlich nicht so wunderbar geeignet. Denn dadurch ist man fast schon gezwungen merkwürdige harmonische Wendungen zu benutzen. Eine dauernde Abwechselung von Dissonanzen und Konsonanzen ist meist die Folge.

Das nächte Problem stellt sich, wenn man eine so harmonisch angereicherte Musik auf einer Orgel in einer alten Stimmung spielt. Hier handelt es sich um eine sogenannte ungleichstufige Temperatur (mit Abweichungen von der gleichstufigen Temperatur von maximal -9 Cent bei cis).

Hmm. Was heißt das? Wenn man korrekt annimmt, dass in unserem Kulturkreis eine Oktave aus 12 Halbtönen sich zusammensetzt, die alle voneinander gleichweit entfernt sind, dann stimmt im Prizip eben kein Ton, außer dem des Abstands der Oktave. Alle sind etwas daneben - eigentlich unsauber. Die ungleichstufige Temperatur versucht das etwas auszugleichen, handelt sich dafür an anderen Stellen Ungenauigkeiten ein. Sie ist in vielen Punkten sauberer, dafür in wenigen anderen unsauberer.

<%image(20040622-bueckeburg-orgel.jpg|220|293|Die Orgel der Bückeburger Stadtkirche)%>

Was sind da -9 Cent Abweichung? Nehmen wir einmal (so macht man das) der Abstand von Halbton zu Halbton sind 100 Cent, dann ist diese Abweichung knapp ein Zehntel eines Halbtones, also sozusagen 1/20-tel Ton. Das ist wirklich für sich wenig. Und ich würde das einzeln auch nicht hören. Da aber die Ungleichstufigkeit an anderen Stellen positive Differenzen haben wird. (Ich habe diese Daten wirklich nicht im Kopf.) Mehr oder weniger deutlich wird es hier und vor allem da erklärt. Dass heißt gewisse “Fehler” summieren sich gelegentlich. Der Fehler der gleichstufigen Temperatur ist an sich minimal: Eine Quinte hat statt 702 Cent nur 700.

Welche Konsequenzen führt das mit sich. Nun, wenn bestimmte Tonarten eingeschlagen werden, gewisse Akkorde klingen, klingen sie “schiefer” wie sie auch “sauberer” klingen in anderen Tonarten. Wenn man weiß, dass dies der Komponist auch wusste und diese Stimmungsänderungen auch kompositorisch beherrscht hat, dann lässt sich dies musikalisch einsetzen.

<%image(20040622-bueckeburg-teufel.jpg|188|233|Teuflische Stimmung)%>

Doch damit nicht genug: Der anderen Stimmungen gibt es einige. Welche die mehr auf Quintenreinheit und welche die mehr auf Terzenreinheit setzen. Wie auch immer, richtig sauber geht es eben nicht. Wenn man auf nur reine Quinten setzt, dann wird des fürchterlich. Das lässt sich schnell ausrechnen. Die reine Quinte hat 702 Cent. Wenn man nun Quinte auf Quinte setzt, also C - G - D - A - E - H - Fis - Cis - Gis - Dis - Ais - Eis - His, kommt man zum His, welches enharmonisch verwechselt wieder ein C ist und doch eben nicht ist. Die kleinen Abweichungen um 2 Cent von der temperierten Quinte summieren sich zu insgesamt 24 Cent auf. Und das nennt man das pythagoreische Komma. 24 Cent sind fast ein viertel Halbton. Und das hört man wirklich deutlich.

In dem Beispiel der “Fuge über den Namen BACH” von Krebs (3,9 MB, 5:24 Min.) hört man gleich zu Beginn solche Unsauberkeiten recht deutlich.

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