Texte fürs Blog

Neue Webcastingtarife der GVL sorgen für Unruhe …

… und vielleicht für ein Internetradiosterben. Ab April verändern sich die Webcastingtarife der GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten). Dabei wird nun befürchtet, das die nicht-kommerziellen Webcaster sich die neuen Vergütungen nicht mehr leisten können. Zur Debatte steht beispielsweise eine Erhöhung von 26 auf 350 Euro bei einer maximalen Hörerzahl von bis 25 Hörern. Das rechnet zumindest die Initiative GVL-Protest vor.

Die GVL selbst hat ihre neuen Tarife auf ihren eigenen Seiten publiziert und auch die Rahmenbedingungen, unter denen sie wirksam werden sollen. Gestern, in Forschung aktuell - Computer und Kommunikation im DLF, hat sich Holger Bruns der Sache angenommen. Der Geschäftsführer der GVL, Peter Zombik, sehe in der Änderung den Vorteil genauerer Abrechnungstarife. Statt pauschal zu vergüten, würde man nun genaue Daten einsetzen können. (So aus der Erinnerung).

Aber es geht nicht nur um Tariferhöhungen. Gleichzeitig werden Auflagen zur Programmgestaltung gemacht. GVL-Protest erwähnt:
So kann es so genannte „Specials“ über bestimmte Gruppen oder Künstler demnächst nicht mehr geben, da es den Sendern untersagt ist, innerhalb von 3 Stunden mehr als vier verschiedene Titel von einem Künstler, oder drei verschiedene Titel von einem bestimmten Album zu spielen. Es darf im Programm auch nicht mehr im voraus gesagt werden wann ein bestimmter Künstler gespielt wird. (Mehr Informationen hier)
Die Auswirkungen auf die deutsche Webcastingszene sind nicht abzusehen, aber anscheinend werden ab April viele jener alternativen Radio-Stationen ihren Dienst einstellen. Das vermutet zumindest Jens Mayer von der Website „Basquiat.de“ wenn er abschließend Webcaster zu Wort kommen lässt:
Das Radiosterben wird also auch in Deutschland weitergehen, und mit jedem Radio wird ein Stück gelebter und geliebter Kultur untergehen - oder ins Ausland abwandern. Welchen Weg Björn und Dennis von lauschmusik.de einschlagen werden ist indes noch offen, vielleicht geht's nach Kanada, „denn in Kanada, da ist die Welt noch in Ordnung“.
Zur GVL:
Die GVL ist die urheberrechtliche Vertretung der ausübenden Künstler und der Tonträgerhersteller. Ihre Träger sind die Deutsche Orchestervereinigung e.V. (DOV) und die Deutsche Landesgruppe der Internationalen Vereinigung der Phonographischen Industrie (IFPI).

Ausübende Künstler sind Musiker, Sänger, Tänzer, Schauspieler und alle sonstigen Werkinterpreten. Tonträgerhersteller sind Schallplatten- bzw. CD-Firmen und sonstige Tonträger-Produzenten mit eigenem Label.

Die GVL nimmt die sog. Zweitverwertungsrechte für die Künstler und die Hersteller wahr. Sie zieht hierfür auf der Basis der von ihr aufgestellten Tarife und abgeschlossenen Verträge die Vergütungen ein und verteilt sie an ihre Berechtigten.
Es ist klar und doch unklar. Gewiss hat da die Phonographische Industrie ihre Finger im Spiel, aber eben auch die Deutsche Orchestervereinigung. Und da kann man wieder einmal sehen, wie verzwackt die Sache ist. So war es jüngst die Jeunesses musicales („Deutsche Sektion der weltweit größten Jugendkulturorganisation“, gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend [man beachte die Reihenfolge]), die ihrerseits mit der DOV eine Kooperation unter dem Titel „tutti pro“ initiierte.
Die Initiierung und Förderung von Orchesterpatenschaften zwischen Profi- und Jugendorchestern ist Ziel der gemeinsamen Initiative „tutti pro“ von DOV und JMD. Im Rahmen der Patenschaft erhalten junge Nachwuchsmusiker Betreuung und vielfältige Unterstützung durch Profimusiker. Hierzu gehört beispielsweise fachliche Mentorenbetreuung und die Möglichkeit zur Teilnahme an Workshop-Proben. Um die Qualität der musikpädagogischen Arbeit zu gewährleisten, müssen zur Anerkennung der Patenschaft bestimmte Kriterien erfüllt sein.
Seit kurzem Bundesvorsitzender der „Jeunesses musicales Deutschland“ wiederum ist Hans-Herwig Geyer, seines Zeichens Leiter des Ressorts „Kommunikation“ der GEMA. Und die (die GEMA) ist immer noch im Streit um Lizenztarife mit der IFPI Deutschland. Ein Durcheinander und ein koalieren nach Bedarf scheint gegenwärtig absolut opportun. Nicht, dass da Zusammenhänge sich auftun, bewahre.

Kommentare

Wer ist angwiesen auf wen...?!

Die Musikindustrie sieht ihre Bilanzen nach unten gehen, es wird weiterhin festgehalten an alten Relikten und längst vergangenen Tagen.

Plattenbosse und Management sitzen am großen Tisch und zerbrechen sich (sinnlos?) den Kopf, wie man die „CD“ wieder beleben kann. Wir alle wissen, das die „CD“ als Medium für Musik ein zukünftig totgeborenes Kind ist.

Jungen Künstlern werden die Türen verschlossen, sofern sie nicht einem kommerziellen Profil entsprechen. Eigentlich sollte man davon ausgehen das dadurch das Musikbuisness ausstirbt.
Eigenartigerweise wurde noch nie so viel Musik produziert und im Umlauf gebracht wie heute.
Das ganze jedoch basierend auf „illegalen“ Plattformen aber dennoch sehr zukunftweisend, junge Künstler gehen längst mit dieser Problematik um, ernüchtert in der Einstellung einen „Millionen schweren Nr. 1 Hit“ zu landen.

Junge Künstler haben heutzutage die Möglichkeit ohne „Profit hungrige“ Plattenfirmen sich zu vermarkten.
Während Plattenfirmen immer noch um ihre Existenz fürchten, nutzt das jüngste Musik Buiseness modernste Mittel ihre Produkte zu vermarkten.
Plattenbosse mit rosa roten Brillen fühlen sich weiterhin als Ziehväter der Musikindustrie, dabei sind es eigentlich die Plattenfirmen die den „Künstler“ schädigen, da an veraltete Vermarktungsformen (...der Weg zum Erfolg) festgehalten wird.
Goldrandlösungen werden vereitelt durch Ignoranz und verzweifelten Selbsterhaltungstrieben.

Die großen Plattenfirmen die heute noch einen Namen haben, finden sich irgendwann in den Geschichtsbüchern im Bereich Wirtschaft wieder, mit der Überschrift „Wir waren Helden mit 1/5 Marktanteil“ und haben dabei die „sinkende“ Titanic nie verlassen und das Steuerrad zu spät bewegt.

Während in den oberen Etagen immer noch die Alarmglocken läuten, arbeiten längst engagierte visionierte Denker an zukunftweisenden Plattformen, damit jeder einzelne Hörer und Künstler nicht letztendlich das Opfer einer Jahrzehnten langen verkorksten Musikwirtschaft wird.

Der Grundbaustein „Musik für die Massen“ sollte keine Einschränkungen besitzen.
Der Endverbraucher längst gepeinigt durch neue „Stars?“ sowie diversen Musik TV-Shows, haben keine Chance dem Komerzstrom zu entfliehen, Massenproduktionen bitten zum Tanz.

Wohin wird das führen...... Das mag jeder selbst für sich einschätzen. „Wer zu späht kommt, den bestraft das Leben“ wie einst ein ehemaliger Staatschef sprach untermauert diese Beispiellose „Reform?!“.
Michael u. Mike

Shadow-Minds
simply differnt
http://www.shadow-minds.de
info@shadow-minds.de

Naja, das kann man so sehen, und ihr werdet Gründe dafür haben, es so zu sehen. Was mich dabei allerdings verwundert:

1. Wie gut alle immer wissen, wie es weiter gehen wird (muss oder soll, gleichermaßen),

2. Warum die Karre im Dreck ist, wenn sie doch nicht im Dreck ist, weil die Alternativen so umfangreich seien.

3. Dass der Zustand, wie er ist, so ist, weil er so ist. Weil er ein komplexes Geflecht darstellt in dem viele Spielpartner mit von der Partie sind.

4. Ausgerechnet mit dem „Wer zu spät kommt …“-Spruch kann ich herzlich wenig anfangen. Vor allem mit dem zweiten Teil. Himmel. Wie bestraft einen denn das Leben, das doch so gar nicht zum Subjekt aufsteigen kann? Da passt besser: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.“

Deine Art zu schreiben, erinnert mich an Gunter Falk....

MfG
Mike P.

Wer ist Gunter Falk?

Alles reine Abzocke die haben das Internet verpennt das ist alles.Nun will man alles platt machen.

Angetrieben von:

Powered by Drupal