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Phonoindustrie: 19,8 Prozent Umsatzrückgang bei CDs

Heute hatten die Phonoverbände zur Jahrespressekonferenz geladen. Es geht ihr schlecht. Sie beklagt einen Umsatzrückgang bei CDs von 19,8 Prozent. Das ist ein dicker Batzen. In realen Zahlen ging es von 2002: 2,054 Mrd. auf 2003 1,648 Milliarden Euro zurück. Der Absatz von Tonträgern sank von 223,9 auf 183,2 Millionen Stück (-18,2%). Große Schuld schob man Schuld einem illegalen Datentausch auf den sogenannten Tauschbörsen und der privaten CD-Vervielfältigung zu. Entsprechende Zahlen liegen vor (siehe Pressemeldung). Diesen trüben Blick kann auch nicht der Anstieg von mehr verkauften Musik-DVDs versüßen.

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Im gleichen Atemzug beginnt jetzt die rechtliche Verfolgung von Verwertungsrechtsverletzungen in den sogenannten Tauschbörsen. “In einer ersten Klagewelle haben die Deutsche Landesgruppe der IFPI und die von ihr beauftragte Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Rasch 68 Strafanzeigen erstattet. Die Staatsanwaltschaft hat die Provider zur Information verpflichtet und Strafverfahren eingeleitet. Nach Kenntnis über die Identitäten werden die Rechteinhaber Zivilverfahren einleiten und Schadensersatz geltend machen,” heißt es dazu in einer zweiten Pressemeldung.

Wie die Ansprüche im Detail durchgesetzt werden können, wird die Zukunft zeigen. Im Sinne der Rechtssicherheit wäre es sicher begrüßenswert, wenn es tatsächlich zu Gerichtsverfahren käme und nicht zu außergerichtlichen Einigungen. Denn der Nachweis der Schuld einer Person dürfte selbst unter Verwendung von IP-Adressen nicht ganz einfach sein.

Phonowirtschaft büßte 2003 insgesamt 19,8% Umsatz ein

Deutsche Produktionen erreichen Rekordhoch in den Charts - DVD-Absatz boomt - PhonoLine erfolgreich gestartet - Musikkopien nehmen immer noch zu

“Der Umsatzrückgang der Phonowirtschaft in 2003 von rund 20% ist erschreckend”, erklärt Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände. “Musik wird immer mehr gehört, aber immer weniger gekauft. Deutsche Produktionen sind erfolgreicher als je zuvor - trotzdem verliert die Musikwirtschaft Kunden. Kostenlose Musikkopien und illegale Internetangebote sind dabei unsere ärgsten Gegner. Die schlechte Wirtschaftslage und die Konsumzurückhaltung vieler Menschen treten noch hinzu.”

Der Umsatz der Branche zu Endverbraucherpreisen lag 2003 bei 1,648 Milliarden Euro und verlor im Vergleich zum Vorjahr 19,8% (2002: 2,054 Mrd.). Der Absatz von Tonträgern sank von 223,9 auf 183,2 Millionen Stück (-18,2%). Details sind der beigefügten Aufstellung zu entnehmen.

Deutsche Künstler waren 2003 so erfolgreich wie nie zuvor. Ihr Anteil an den Album-Charts stieg auf 29,5% (2002: 26,5%), an den Single-Charts sogar auf 54,7% (2002: 42,7%). Dies beweist die enorme Nachfrage nach Musik aus Deutschland und entlarvt zugleich das Vorurteil, sie sei nicht mehr so attraktiv wie früher. Im Gegenteil hat die Musiknutzung ein extrem hohes Niveau - es wird nur seltener dafür bezahlt.

Erfreulich ist der Absatz von Musik-DVDs, der sich im letzten Jahr auf rund 8 Millionen Stück verdoppelt hat. Alle anderen Formate haben jedoch, zum Teil drastische, Rückgänge zu verzeichnen. Besonders stark ist der Absatz von Singles gesunken, der in enormem Maß von illegalen Musikangeboten im Internet betroffen sind. Die deutsche Phonowirtschaft hat deswegen damit begonnen, Strafanzeigen gegen illegale Musikanbieter in sogenannten “Tauschbörsen” zu erstatten. Neben Singles sind aktuelles Toprepertoire und Hitcompilations am stärksten von Absatzrückgängen betroffen. Sie werden besonders häufig mit Hilfe von CD-Brennern geklont.

Zum fünften Mal hat die GfK im Auftrag der deutschen Phonoverbände 10.000 Personen eines repräsentativen Panels befragt. Die Ergebnisse sind in einer Studie zum Musikkopieren in Deutschland zusammengefasst, die unter www.ifpi.de komplett eingesehen werden kann. Sie hatte u.a. folgende Ergebnisse:

· Im vergangenen Jahr haben 21,4 Millionen Personen insgesamt 325 Millionen Rohlinge mit Musik bespielt (Vorjahr: 259 Mio., +26%).

· Jede Person brannte im Durchschnitt 15 Rohlinge mit Musik (Vorjahr: 12, + 25%).

· 12,7 Millionen Personen (+59,5%) brannten Musik auf CD-Rohlinge auch für nicht in ihrem Haushalt lebende Personen.

· 602 Millionen Songs wurden in Deutschland aus illegalen Quellen im Internet heruntergeladen. Die Anzahl stagnierte damit trotz des gestiegenen Unrechtsbewusstseins auf sehr hohem Niveau (2002: 622 Millionen). Neuerscheinungen wurden besonders häufig heruntergeladen.

· Die Zahl der Downloader wuchs weiter von 6,4 Millionen auf 7,3 Millionen (+14%). 98,3% davon luden keine kostenpflichtigen Angebote herunter.

Mit PhonoLine wurde Mitte März die technische Plattform der deutschen Musikwirtschaft für Musikdownloads in Kooperation mit T-Com eröffnet. Das Angebot startete mit mehreren tausend Downloads täglich. Die Handelspartner positionieren sich erfolgreich am Markt. Neben cts eventim und popfile wird auch viva.de in Kürze zugeschaltet werden.

Umfassende Informationen über die Phonobranche bietet das Jahrbuch 2004 der Phonographischen Wirtschaft, das im Musikmarkt Verlag erschienen ist. Es kann über info@musikmarkt.de oder im Buchhandel unter der ISBN 3 9809540-0-5 bezogen werden und kostet 24,50 Euro.

© Deutsche Landesgruppe der IFPI e.V. / Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft e.V.

Oranienburger Str. 67/68 . 10117 Berlin. http://www.ifpi.de

Kommentare

Bei Telepolis wird gerade das Gegenteil behauptet: es gäbe keinen empirisch feststellbaren Zusammenhang zwischen p2p-Tauschbörsen und sinkenden Plattenverkäufen.

http://www.heise.de/tp/deut...

Moe, ich habs noch nicht gelesen. Aber ich glaube das gerne. Nun darf man meines Erachtens nicht annehmen, wenn der Zusammenhang nicht empirisch feststellbar ist, dass es etwa keinen gibt. Nur ist er möglicherweise nicht empirisch feststellbar. Ich wähle gerne dafür die Selbstbeobachtung, um zu “meinen” Ergebnissen zu kommen. So ist es schon vorgekommen, dass ich mal eine CD für mich kopiert habe, bevor ich sie verschenkte - andererseits habe ich diese CD ein zweites mal erstanden, als ich sie ein zweites mal verschenkt hatte. Und ich habe durchaus früher ein paar wenige Male Musik geladen über p2p (lange ist her), die ich mir nie im Leben gekauft hätte. Ganz sicher geht die Rechnung nicht auf, dass jedes heruntergeladene Soundfile einen Verkauf vereitelt hätte. Es ist für absolut normal für eine Leistung, die ich erhalte, dem Leistenden auch etwas zu zahlen, wenn er es wünscht.

Ich denke, die Angelegenheit kann man nicht nach Schwarz/Weiß auflösen, da ist ganz viel Grau drin.

Wogegen ich mehr allerdings wehre, ist die Auffassung, dass p2p-Tauschbörsen den Verkauf ankurbeln. Denn selbst wenn das der Fall sein sollte, so wäre es doch nur fair, dies denjenigen zu überlassen, die die Rechte an den Werken innehaben. Wenn die das nicht wünschen, so sollte man das respektieren. Und du weißt es genauso gut (oder besser) als ich, dass die Szene um Creative-Commons stärker und stärker wird. Siehe dazu auch mein etwas älteres Posting zu “Free Culture”: http://www.kritische-masse....

Die Erfahrungen des !K7-Mannes Strüver sind ja doch ganz aufschlussreich.

Vielleicht noch eine kleine Ergänzung, Moe. Lassen wir mal die Musikindustrie weg. Ich finde es zum Beispiel ziemlich blöde, wenn auch Inhalte, die unter einer CC-Lizenz stehen im Einzelfall völlig ignorierend verwendet werden. Autor nenen? Ei warum denn. Bei dir ja ähnlich anlässlich der Übernahme von Inhalten aus deinem PlasticWiki.

p2p-Nutzer für die Krise der Musikwirtschaft verantwortlich zu machen, das sehe ich wie du, ist wohl ein irriger Weg (und auch die Aufstellung einer nicht-so-existierenden Beziehung.) Nichtsdestoweniger, und egal ob man das nachweisen kann oder nicht, auf diese Weise ist es nicht von den Rechtehabern gewünscht und wohl auch rechtlich nicht erlaubt. Ich finde es absolut legitim, wenn die Geschädigten dagegen vorgehen, selbst falls kein materieller Schaden entsteht (wie bei der Entlehnung aus deinem PlaticWiki oder das eine oder andere Foto, welche ich machte oder eines Textes).

Und es geht nicht an, wie ich es in Heise-Foren ewig lese, dass einerseits der musikalische Mist von Seiten der Musik-Majors kritisiert wird und das für einen Freibrief hält. Das Problem liegt doch tiefer. 2 Euro für Klingeltöne sind da mal schnell hingeblättert, aber Frau Catterfelds neue Single darfs für Umsonst sein.

Ich glaube ebenso der Statistik, dass angeblich über 75 Prozent der p2p-Nutzer wissen, dass sie da etwa Unrechtes tun, die das aber, was ich verstehen kann ignorieren, wenn es gleichzeitig legale Möglichkeiten des Musikmitschittes gibt: zum Beispiel aus dem Radio.

Die ganze Situation ist krumm. Ich persönlich schließe mich da gerne der Argumentation Janko Röttgers in seinem Buch Mix, Burn & R.I.P. an. Janko hat das alles trefflich analysiert und kommentiert. Sein Plädoyer für eine Pauschale wird aber von fast allen Seiten kristisiert. Die einen, weil denen zu wenig bei rumkommt, den anderen, weil die Pauschalen wie die GEZ grundsätzlich ablehnen. Fast möchte man meinen, wenn die Gegner beide damit nicht zufrieden sind, wird was dran sein müssen. http://www.mixburnrip.de

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