Texte fürs Blog

Phonowirtschaft wichtigster Investor in musikalische Kreativität?

Gestern fand in Berlin die Anhörung zum Fragenkatalog der „Enquete-Komission Kultur in Deutschland“ statt. Aus einer Stellungnahme darf ich wohl zitieren: Dr. Thorsten BRAUN (Syndicus des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft e.V.)
Antworten auf den Fragenkatalog der Enquete-Kommission
„Kultur in Deutschland“ für die Öffentliche Anhörung am 3. Mai 2004 zum Thema „Urhebervertragsrecht“

Vorbemerkung: (...) Die Phonowirtschaft ist der wichtigste Investor in inländische musikalische Kreativität. Von der Ertragsfähigkeit der inländischen Tonträgerunternehmen hängt deshalb die Lebens- und Entwicklungsfähigkeit der inländischen Musikszenen ab.(...)
An Selbstüberschätzung leiden die Phonoverbände jedenfalls nicht. Wenn es tatsächlich so wäre, stünde es nicht gut um die musikalische Kreativität in Deutschland. Vielleicht stimmt es, dass die Phonowirtschaft der „größte“ Investor ist (rein finanziell), aber der „wichtigste“? Sind das nicht eher die Musikschulen, die Schulen (wenn sie richtig ausgestattet sind/wären), die Eltern und Geschwister, Freunde und Bekannten? Ist nicht der wichtigste Investor die Gesellschaft selbst?

Sämtliche Anhörungsdokumente können über das Institut für Urheber- und Medienrecht in München abgerufen werden.

Kommentare

Sehr gut, sehr gut. Als wären es die Phonoverbände, die schlummernde Talente entdecken. Obwohl viele Eltern sich gerne selbst im Geigen- oder Harfespiel der Tochter wiedersehen, ist wohl auch in diesem Bereich die Familie die Keimzelle. Bei den Schulen weiß ich nicht so recht. Wenn ich an meinen Kunst- und Musikunterricht zurückdenke. Oh Gott. Was die Musikindustrie im Stande ist auf die Beine zu stellen, könnten wir, wenn wir denn wollten, inzwischen fast täglich in irgendwelchen Fernsehcastings bewundern.

Ja, da kann ich wohl zustimmen. Wobei: Die Fernsehcastings kommen und gehen - und die armen Argumentprobleme der Musikpädagogen: “Mist, so was aber auch und zu dumm, dass sich zugleich zeigt, wie viele Menschen singen wollen (wollen).” Jetzt war ich zwei Tage weg und konnte zwischendurch auch mal pennen und sogar nachdenken. Demnächst kommt hier eine fiese Abrechnung mit den Musikpädagogen und -vermittlern. Ein bisserl dauerts noch.

Das Wort Musikpädagoge ist per se schon ein Oxymoron. Auf der einen Seite die Leichtigkeit und Freiheit der Musik, auf der anderen der Erzieher. Scheiße, das geht doch nich' zusammen. Hängt sie höher! Also die Pädagogen, nicht die Musik. Klar, oder?

Irrtum. Wenn die Musik so leicht und frei wäre, dann wäre es ja prima. Wie sagte es doch Onkel Adorno: “... übrigens sind legitime Kunstwerke ohne Ausnahme heute sozial unerwünscht.”
[Band 4: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben: Exhibitionist. Digitale Bibliothek Band 97: Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 2070 (vgl. GS 4, S. 242)]

Und: “Legitim ist das immanent Argumentative, wo es die zum System integrierte Wirklichkeit rezipiert, um wider sie ihre eigene Kraft aufzubieten.”
[Band 6: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit: Einleitung. Digitale Bibliothek Band 97: Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 2872 (vgl. GS 6, S. 40)]

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