Texte fürs Blog

Piraten, wer seid ihr?

"Internetpiraterie ist kein Kavaliersdelikt," meint seit 10 Tagen der Deutsche Kulturrat. Das passt recht gut zu den Einlassungen von gestern (Wissen und wissen). Serres und der Kulturrat haben ein unterschiedliches Verständnis dessen, was sie unter Piraten verstehen. Serres sieht in ihnen welche, die sich Dinge zueignen müssen, weil sie unfrei Schaden bedeuten. Der Deutsche Kulturrat hingegen sieht nicht den Piraten eines Serres sondern einen, der andere schädigen möchten.

Das Schlimmste, was einem Internetpriraten heute in Deutschland passieren kann, ist, dass er das bezahlen muss, was die ehrlichen Nutzer schon längst bezahlt haben. Diese Regelung lädt geradezu dazu ein, Künstler und andere Kreative um den verdienten Lohn ihrer Arbeit zu bringen. [Deutscher Kulturrat, ebd.]

Der verdiente Lohn seiner - hinzuzufügen ist: "ehrlichen" Arbeit. Das ist bedenklich.

Genauer zu bestimmen wäre doch, was ist "verdient" und welche Konsequenzen kann man empfehlen. Bleiben wir beim Gleichnis mit dem Dieb, dann stellt sich das ganz einfach dar. Das Rezept ist längst ausprobiert und funktioniert trotzdem nicht. Wie die Polizei fast schon (oder tut sie es nicht ohnehin) jemanden geradezu mit zur Rechenschaft zieht, wenn man jemand zum "Diebstahl" einlädt nämlich. Lässt jemand sein Auto offen stehen, sogar mit Zündschlüssel, dann muss er sich eine Mitschuld zurechnen lassen. Es ginge also darum, die Zugänge so gut wie möglich zu versperren. Abschließen und Zündschlüssel raus. Copyprotecten und ein digitales Rechtemanagement einbauen. Letzteres würde die Benutzung des Autos unter bestimmten Auflagen ja ermöglichen. Das ist es, was die Copyindustry immer wieder sagt und fordert. Nur ist es das nicht, was dem Deutschen Kulturrat wohl vorschwebt.

Wie macht man aus Nichts Etwas?

Von der Copyindustrie will man etwas, was man den Nutzern nicht zumuten möchte. Pauschale Abgaben, wie immer die auch berechnet werden sollen (siehe dazu auch die folgende Mitteilung des Deutschen Kulturrates). Statt auf die tatsächliche Nutzung des Autos (beispielsweise) abzuzielen, wäre gewisse Nutzungsvorgänge also durch Vorabgabe zu leisten. Unabhängig davon darf trotzdem natürlich nicht ohne Lizenz dieses Auto einfach von jedermann benutzt werden. Gleichwohl entstünden so "Einnahmen", die dann an die Gruppe aller "verwertungsrechtlich" gemeldeten Autobesitzer auszuzahlen. Wie macht man aus Nichts Etwas sozusagen.

"Was kann der Autohersteller dafür?" fragen sich die Autohersteller. Was also ist hier Piraterie? Was heißt verdienter Lohn der Kreativen? Wer bezahlt das Wissen und die Kunst? Was ist vor allem Gegenstand der "Piraterie?" Die Kunst oder der Verwertungsweg von Kunst? Ist überhaupt alles Kunst, was "kreativ" als "kreativ" verwertet wird?

Meines Erachtens kranken all diese Gesetzesvorhaben daran, dass sie einen viel zu engen und qualitativ ignoranten Verfahren anhängen. Wäre man konsequent nur, und nur konsequent im Rahmen der technischen Entwicklungen, und betrachtet das auch nur im Rahmen von mechanischen Technikverfügungen, dann muss man konsequent den Weg zuende gehen und all das mit technischen Mittel zu bewältigen versuchen. Eine Welt der Abschottung des verwertbar Kreativen und daneben eine andere Welt, die auf anderen Grundsätzen beruht: Bei der man zusammenarbeitet und nicht gegeneinander.

Apropos: Wer finanziert den Deutschen Kulturrat? Der Deutsche Kulturrat wird vom Bund finanziert! Und wer finanziert den Bund? Die Bürger, die Unternehmen (manche mehr, manche weniger). Warum eigentlich? Und warum auch nicht. Bei den "Kreativen" sieht das anders aus und viel komplizierter. Warum eigentlich?

Kommentare

[...] dass ich fragte: Piraten, wer seid ihr? flattert die Pressemeldung der Deutschen Phonoverbände herein. Man sei erfolgreich bei der [...]

Angetrieben von:

Powered by Drupal