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Quote und Existenzgründung

Das Kulturinformationszentrum der neuen musikzeitung hat sich ausgiebig mit der Deutsch-Quoten-Diskussion und der Frage nach freiwilliger Selbstverpflichtung im Rundfunk befasst. Eine Stellungnahme der Kulturstaatsministerin Weiss hängt an. Frau Vollmer von den Grünen wird zitiert mit:
Die Grünen-Abgeordnete Antje Vollmer betonte, eine Quote wäre ein Signal zur Sicherung von Künstlerexistenzen und für mehr Qualität im Rundfunk.
Aber stimmt das denn wirklich, Frau Vollmer?

Das Mica (Music Information Center Austria) hat einmal etwas zur Lage der Komponisten in Österreich recherchiert. Die Ergebnisse sind tief beeindruckend und deprimierend.
Wirtschaftliche Aspekte des Berufs KomponistIn in Österreich (nach dem zitierten „Komponisten-Report“, wenn nicht anders angegeben)
* nur 17,8% leben zu mindestens 50% vom Komponieren
* nur 4% leben zu 100% vom Komponieren
* auch in diesen Fällen stammen die kompositorischen Einkünfte nicht nur aus Tantiemen (die immerhin zu 67% als Einkommensquelle genannt werden), sondern auch aus Honoraren (38,6%), Stipendien und Preisen (17,2%) u.a. (die Studie differenziert allerdings nicht nach Einkünften durch Tonträger im Vergleich zu Aufführungen etc.)
* in Österreich kommen nur 2 bis 3 KomponistInnen im Bereich der „Ernsten“ Musik auf 600 EUR Tantiemen pro Monat (AKM/ORF ON, 2001)
* über 2/3 der KomponistInnen hatten 1993 ein Gesamteinkommen von unter 18.000 Schilling/1.300 EUR netto pro Monat

Will Frau Vollmer nun ihre Füllhörner ausschütten, dank Musikquote? Das steht nicht zu erwarten an. Interessant ist aber auch die Replik des Noch-ARD-Vorsitzenden Jobst Plog:
Kein Sender verschließe sich zudem qualitativ hochwertigen Produktionen aus Deutschland.
Das mag sogar stimmen, aber es ist nur die Kehrseite der Medaille. Kein Sender verschließt sich im wesentlichen qualitativ minderwertigen Produkten aus der ganzen Welt. Und ich bitte zu bedenken: den Begriff der Qualität hat Plog eingebracht, nicht ich!

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