Texte fürs Blog

"Raubkopieren ist erlaubt, solange niemand daran verdient"

… soll Michael Moore gesagt haben und meinte damit seinen Film Fahrenheit 9/11. Die Creative-Commons-Gemeinde freut sich darüber. Telepolis zitiert ihn:
"Solange sie dafür kein Geld verlangen, also sich mit meiner Arbeit bereichern, sondern nur meine Gedanken weiter verbreiten, wozu ich die Filme und Bücher ja gemacht habe, ist das für mich völlig okay. Ich bin mit den jetzigen Copyright-Gesetzen nicht einverstanden!"

Quelle: TP: Michael Moore: "Raubkopieren ist erlaubt, solange niemand daran verdient"
Eigentlich will diese Einstellung nicht verwundern. Seit Lawrence Lessigs Eintreten für “Free Culture”, nicht nur in Worten sondern auch Taten, könnte dies weiter um sich greifen. Free Culture bildet damit vorerst eine neue Subkultur, die sich insofern von anderen Subkulturen unterscheidet, als sie wesentlich von einer Idee und nicht von einer Mode oder Lebensweise geprägt ist. Das heißt sie kann damit auch quer durch die sozialen Strukturen verlaufen. Sie setzt ferner auf dem ganz normalen Leben auf und stärkt das Individuum im Rahmen gemeinschaftlichen Handelns.

Sicher, dass Lessig und Moore sich dazu öffentlich bekennen, hat den angenehmen Effekt der sofortigen Inaugenscheinnahme durch die mediale Öffentlichkeit. Beide können es sich zudem auch “leisten” – und damit könnte ein gewisses Blendwerk sich aufbauen, welches sich tatsächlich in der Summe als noch weniger fundiert zeigt als andere soziale oder ästhetische Bewegungen der Geschichte oder der Gegenwart.

Eines hat sie aber den alten Bewegungen voraus: Sie wird aus der Sache heraus nicht kommerziell instrumentalisierbar sein. Oder ist mir da etwas entgangen?

Kommentare

Bewegung? Wirklich?
Weiß nicht so recht.
Noch ist es sicher so, dass da ein bisschen Anti-Kapitalismus mitschwingen mag, aber im Grunde, so wie Moore es in dem in TP zitierten Interview auch sagt, geht es um die alte Idee, dass “Information, Kunst und Gedanken geteilt werden wollen/ sollen”.
Im Grunde geht Moore und gehen andere doch nur wieder zurück zum Ursprung der Copyright-Idee: Dem Schutz vor der Ausbeutung durch Verwerter (Verlage, Filmstudios etc.). Insofern ist auch die Polemik von TP gegen Disney (Herrn Disney, nicht den derzeitigen Konzern) falsch - denn ihm ging es ja auch um seine Entscheidung.

Was mit frei und Open Source im Bereich geistiger Produktion auch gemeint sein kann, zeigt ja Rushkoff (wenn ich auf meinen Eintrag dazu linken darf: http://www.haltungsturnen.d...) am Beispiel Judentum.

Eine Assoziation, der ich nicht folgen kann.

Wieso?

Religion + Open Source

Hallo ihr zwei, ich war jetzt mal etwas unterwegs und konnte und wollte mich nicht einmischen.
@ Wolfgang: Das mit der Bewegung. Klar, das bausche ich etwas auf, was man nicht 'so' aufbauschen kann. Mein Gedanke dabei ist ganz banal. Hängt euch nicht an der offiziellen Kultur auf mit ihren Erscheinungsformen der Pop- und Klassikkultur. Macht das, was ihr für richtig haltet. Mir geht es nicht um den Creative-Commons-Download von Konsumentenkunst. Und auch, wenn jemand es nicht will, dass man auf diese Weise Werbung für ihn macht, dann muss man das eben repektieren. Ich find es zar schade, aber so ist es gewünscht offenbar. Das meine ich mit Bewegung: eine Parallelbewegung: Wer es anders wünscht und gestattet. Ich denke, da gibt es genug 'kluge Köppe' - macht das Ding so gut ihr könnt. Macht, was 'ihr' wollt, nicht in Abgrenzung sondern in vollem Bewusstsein 'dieser' Sache.

Mit Religion und Open Source: Ich bin da etwas zwiespältiger (geht da der Komperativ überhaupt?) - Da zitierst du: “it is not kept secret or mysterious at all.” Das stimmt? Für mich ist Religion eine Ansehung des Mystischen an sich. Ob nun die Kabbala oder in anderen Religionen anderes. Da ist viel Geheimwissenschaft mit drin. Eine Open-Source-Religion (unter GPL und GNU) würde dann gewissermaßen alle paar Tage neu kompiliert und einen neuen(s) Kernel bekommen. Das halte ich 'noch' für einigermaßen absurd. Aber du wirst es uns bestimmt erklären können. Hier oder bei dir: http://www.haltungsturnen.de/

Ja, werde ich versuchen. Erst mal hier und wenn ich die Zeit finde, sicher auch noch mal ausführlicher bei mir :-)

Grundsätzlich habt ihr beide Recht, was das Wesen von Religion angeht. Die meisten Religionen “leben” davon, dass es um Einweihung geht und die “Sourcen” eben nicht frei zugänglich sind.

Mit zwei mir bekannten Ausnahmen:
1. Der Buddhismus, der im Grunde ja auch gar keine Religion ist, da er keine Götter kennt und keine wirkliche Transzendenz.
2. Das Judentum, da es die Religion ist, die am rationalsten vorgeht. Lest mal das Interview mit Rushkoff, auf das ich in http://luebue.blogspot.com/... linke - der erklärt es recht gut, finde ich.

btw: Die Entstehung der Bibel ist ein klassischer Open Source Prozess gewesen: Hier hat mal jemand etwas geschrieben und da und dennoch sind die verschiedenen Schichten eindeutig noch zu sehen und mehrere Interpretationen stehen gleichberechtigt neben einander. Dieser Prozess ist erst durch die “Orthodoxisierung” von Judentum und Christentum zum Stoppen gebracht worden.
(soweit in aller Kürze)

Zu btw: Das habe ich auch schon anders gehört. So wenig ich mich auch darin auskenne. a) die Zeit der Kanonisierung und der Übersetzungen und des Pfuschens im “Quelltext” bis es dauerte, die Texte in Landessprachen zu übersetzen. Das ist wohl das, was du mit Orthodoxisierung beschreibst. Da weiß ich nicht, wie lange der Open-Source-Prozesse gewesen sein mag. Und natürlich später der Streit doch wieder um die “richtige” Auslegung - mindestens was das NT angeht.

Mit dem Rationalen des Judentums hast du wahrscheinlich ins Schwarze getroffen - gleichwohl sind die ganzen mystischen Strömungen sehr stark. Siehe Gershom Scholem: Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen, Frankfurt/M. 1980 (original 1957).

Aber ich spreche als Laie.

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