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[Rez.] Phono Royal: so gut wie kaputt

<%image(20040304-20040303-phonoroyal.jpg|140|126|Phono royal)%>

Die Platte ist ganz merkwürdig. Deutsche Texte und ein ganz untypischer Garagen-, Arbeitszimmersound die Gitarren klingen hohl, metallern. Die elektronischen Musikinstrumente irgendwie nach 70er Jahren. Das, gemischt mit einer einigermaßen nöligen eigentlich immer zu leisen Stimme eines Mannes, die fast gelangweilt, oder zumindest bemüht oder medikamentös beruhigt klingt, das mag zu Verwirrung führen. Die Tracks fast immer einen Tuck zu langsam. Durchgefallen, sollte man denken, wenn man so über diese Platte redet. Aber nein, „Phono royal“ entwickelt durch diese Elemente eine höchst individuelle Form aktueller Musik aus Deutschland. Spaßig ist das nicht. Die harmonische Struktur ist immer sehr simpel und in sich kreisend – aber nicht zu verwechseln mit diesem Dominanten-Tonika-Dedöns. Diese Harmonien sind fatal uneigentlich. Dazu oder darin eine ver(k)nebelte Lyrik, die irgendwie auf jeden Fall Lyrik ist. Also Herz-Schmerz auf anders:

Lucilla

Was heißt eigentlich wir sind zu zweit

heißt das, wenn der eine geht

dass der andere meint

und schlimmer und schöner

werden die Tage und die Zeit

kannst du noch ein bisschen bei mir bleiben

ich meine für länger

am liebsten für immer

Lucilla

Was heißt eigentlich wir sind zu breit

heißt das, wenn der andere will

tut es dem andern leid

und sanfter und stiller fallen wir in die Stille ein

und der Mond scheint in der Dunkelheit

und wir immer heller

kannst du noch ein bisschen bei mir bleiben

ich meine für länger

am liebsten für immer.

Extrafein

ich hab 2

Du hast 3

die sind schön

und stehen vor deinem Fenster

gib mir deinen

dann hab ich 3

und du mehr Platz

in deinem Zimmer

du kannst teilen

das ist fein

mein Herz gehört dir für immer

und meins ist wirklich Extrafein

komm doch rein

dann sind wir 2

ganz allein

in meinem Zimmer

und mein Herz gehört dir für immer

und meins ist wirklich Extrafein



Das alles klingt ungehobelt (und so gut wie kaputt) und darin ist die Platte stark. Keine Musik, in der man ersaufen kann, keine die allzu leicht durch ein Tanzbein zuckt. Der Gesamtklang steht immer vorne, fast flach, verästelt sich aber sich in sich – durchaus wie bei einem Wackelbild.

Phono royal: so gut wie kaputt

Hazelwood HAZ 026 – Hörbeispiele hier dort.

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