Texte fürs Blog

Schönwetterforschung

Ein großer Teil der Lähmung des Gesellschaftlichen, die man spürt, rührt daher, dass die Gegenwart zu sehr zuprognost wird. Da ist die Wettervorschau das markanteste aber schlechteste Beispiel an sich.

Gleichwohl handelt es sich um ein typisches Beispiel für die Einlernprozesse in diese Richtung. Im Kern muss man jedoch konstatieren, dass die Zukunfts- und Trendforscher die größten Reaktionäre im Forschungssektor zusammen mit den Demoskopen sind: Gesellschaftlich anerkannte Utopievernichter.

So drückt die Zukunft einen immer weiter rückwärts, auch in Richtung Passivität und Gestaltungsunfähigkeit.

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Kommentare

Danke, jetzt hab' ichs.

Ich hatte die Anspielung auf Benjamin und seine Interpretation des Bildes von Paul Klee (der Engel, den der Lauf der Geschichte rückwärts drückt) nicht mitbekommen, sonst hätte ich das früher zugeordnet.

Hab ich aber gar nicht intendiert, weil ichs nie verstanden habe.

Umso besser, wenn man besser verstanden wird, als man denken kann.

> So drückt die Zukunft einen immer weiter rückwärts

Benjamins Deutung von Paul Klees Angulus Novus klingt wie eine Paraphrase deines Satzes.

Link auf das
Benjamin-Zitat - irgendwie klappte das nicht beim ersten Versuch, sorry.

Stimmt. Ich habe da an den berühmten Augenblick gedacht, der angeblich sieben Sekunden dauert.

Ich denke, es ist eigentlich ganz trivial. Wenn man nicht mehr die Wirkung eines Verhaltens mit seiner Ursache in Verbindung bringen kann, dann wird die Luft dünne für Handlungen für die man sich verantwortlich fühlen kann und muss.

Mir ist schon klar, daß Du weißt, was Du sagen willst.

Ich vermute mal weiter: die sieben Sekunden kommen mir sehr lang vor. Bekanntlich braucht es 20ms, um zwei Eindrücke voneinander zeitlich zu trennen. Alles, was schneller aufeinander folgt, wird als gleichzeitig wahrgenommen (das "player piano" Conlon Nancarrows spielt ja genau mit dieser Irritation).

Du meinst offenkundig nicht "Wahrnehmung". Ich verstehe aber nicht, wie und auf welcher Skala Du den Begriff der "Verantwortung" einem zeitlichen Raster zuordnest - ich bin da wohl gerade ein wenig begriffsstutzig.

Ich bin mir schon sehr sicher, was ich loswerden wollte. An der Abschaffung Gegenwärtigkeit scheint mir kein Zweifel mehr zu sein.

Das Zeitlebensfenster ist in den einen Fällen zu eng (die leben nur einen Moment - und damit meine ich eine psychologischen Zeitraum von ziemlich genau weniger als sieben Sekunden - nach dem anderen), in den anderen zu weit (entweder nach hinten oder vorn). In beiden Fällen tendieren die Grenzwerte von Verantwortlichkeit gegen Null.

Ich bin nicht recht sicher, was Du mit diesem Eintrag loswerden wolltest. Meine Vermutung: Schlechtwetter bei der Urteilskraft?
Aber über die Einschätzung Vorher(ver)sager und Zukunftprognosen(v)ersteller dürften wir uns einig sein.

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