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taktlos # 81 – Töteralismus – Die Sendung

,Vorgestern abend ging taktlos, das musikmagazin des Bayerischen Rundfunks und der neuen musikzeitung zum 81. mal live on air. Das Thema war zunächst wirklich unsexy: Kultur in der Zwick-Mühle von Bund und Land — eine Föderalismusdebatte. Wen interessiert das? Ähnlich abstrakt hätte die Sendung dann auch sein können. Sie war es aber nicht. Das lag an einer ulkigen Konstellation der Gäste:

Gäste bei Taktlos

Das sind, links, Thomas Goppel, Staatsminister für Kunst, Forschung und Wissenschaft in Bayern von der CSU; in der Mitte, Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und, rechts, Norbert Lammert, Bundestagsvizepräsident und medien- und kulturpolitischer Sprecher der CDU im Bundestag. Anfangs bezweifelte ich den Sinn dieser Auswahl. Zwei von CDU und CSU, das wird ja langweilig. Doch der Witz der Sendung ist unter anderem der gewesen, dass die beiden zwar aus einer ähnlichen politischen Position heraus kommen, aber in diesem Fall fast Kontrahenten sind. Das zeigte sich gleich anfangs, als es darum ging, ob „Kultur“ als Ländersache im Grundgesetz verankert sei oder nicht. Zwischen den beiden dann Olaf Zimmermann, der wirklich dazwischen saß, nicht nur optisch sondern auch kulturpolitisch.

Klar, es gab auch Politiksprüche und Selbstdarstellung, aber doch sehr wenig. Das Thema wurde immer sehr konkret angefasst mit zahlreichen Beispielen (Schulbildung zwischen Zentralismus und Länderegoismus — wer kümmert sich um die Beseitigung der Schäden beim Abbrand der Anna-Amalie-Biblothek in Weimar). Auch Lammert schoss gleich am Anfang einen Pfeil ab, als er einigermaßen deutlich bestritt, dass sich die Kultusministerkonferenz der Länder überhaupt wesentlich mit Kultur befasse.

Hufner von hintenIch kann nur empfehlen, da einmal reinzuhören: In Real-Audio-Daten liegt die komplette Sendung vor; natürlich auch mein kleiner Beitrag zur Brandstiftung gegen das Grundgesetz.

Noch ein Ton zum Ort: Es handelt sich um die Archenhold-Sternwarte in Berlin-Treptow, die alles andere als Popkomm-kompatibel ist — so richtig altbacken und mit einem Hauch von Muffigkeit. Immerhin hat an diesem Ort 1915 Albert Einstein seine „allgemeine Relativitätstheorie“ einem interessierten Publikum vorgestellt, noch bevor er sie veröffentlichte.

Kommentare

Ach herrje, armer Hufi. Das hat also wirklich gestimmt mit dem Goppel. Ach Gott, ach Gott. Mann, dem wär ich sofort politisch korrekt an die Gurgel. Bekommt man außerhalb Bayerns bestimmt mildernde Umstände. Wenn man überlegt, dass der Staatsminister für Kunst ist.

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