Texte fürs Blog

Taktlos - Volksmusik

Anlässlich der letzten Ausgabe von taktlos durfte ich mir Gedanken machen über selbige. Als Vereinsbösewicht hätten dieses Mal die Biermösl Blosn dran glauben müssen. Das fiel aber aus guten Gründen schwer. Ich mag sie halt, die Biermösl Blosn und eine notpeinliche Beschimpfung wäre unangemessen. Die angedeutete Kritik war blass.

Gerne hätte ich selbst den Text eingesprochen, von wegen Dampf. Aus Zeitgründen ging es nicht und der Regisseur von taktlos musste und wollte es also selbst machen.

Musik: Guter Mond, du gehst so stille

Sprecher: Was ist nur los mit dem Volk. Alles, was mit Volk zu tun hat, ist hochproblematisch: Der Volkswagen? Ist mittlerweile ein Kraft-durch-Freude-Produkt aus Fernost. Die Volksaktie? Ist ein wertverlusthaltiges „Goldenes Kalb“ für Lemminge. Die Volksbank? Ist bloß ein Dienstleistungsunternehmen, vor allem, wenn das Volk zum Geschäftskunden mutiert. Der Bundestag in Berlin? Angeblich ja „dem deutschen Volke“ zugedacht, ist dieses Fehlentscheidungsparlament ein fauler Lobbyistenhaufen von gnaden- und bedenkenlosen Selbstdarstellern und Egomanen. Das Internet mit Google und Wikipedia ist offenbar die neue Volkshochschule – zusammen mit der Volkszeitung „BILD“. Volkskirche, Volksfest, Volkszählung? Alles nur volkseigene Betriebe der Verblödung.

Und die Volksmusik? Zwischen Karl Moik, Heino und Neonazi-Liederabenden verbreiten sich da regelrecht Ton-Tsunamis. Volksmusik hat keinen guten Ruf. Sie gilt als rückständig, überholt und für die guten Sinne tödlich oder bestenfalls karnevalesk: Reaktionärer Klang-Terrorismus ist das.

Musik: Schwarzbraun ist die Haselnuss (Heino)

Sprecher: Ebenso wie sich das Volk in allen Belangen eine Nase drehen lässt, ist auch die Musik nicht davor gefeit, beständig missbraucht zu werden von der toten und totalen Masse einerseits oder den einschläfernden Brauchtumspflegern andererseits. Volksmusik ist musikalisches Opium zur Entvolkung. Dagegen treten zwar ein paar wenige Tapfere an. Die machen etwas wie Volksavantgarde. Doch auch denen ergeht es wie jeder anderen Avantgarde, so bodenständig sie auch sein mag, sie sind weit voraus und damit hintendran: Ein selbstgefällig, anarchisch, aufrichtig-trostloser Haufen von Verbesserlichen. Man gefällt sich in dieser Attitüde. Wäre diese Volksmusik wirklich Musik des Volkes, wäre es keine Volksmusik mehr. Man kann nur Gutes für das Volk tun, wenn man ihm gerade nicht nach dem Munde singt sondern ihm auf selbigen was gibt – erst recht musikalisch und meinethalben auch Zwiefach.

Musik: Ein Zwiefacher!

Die ganze Sendung ist mit Musik hier nachzuhören.

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