Texte fürs Blog

Traum nach Protokoll?

New York, November oder Dezember 1938
Ich träumte: Hölderlin hieß Hölderlin, weil er immer auf einer Holunderflöte spielte.

Quelle: Theodor W. Adorno, Traumprotokolle, Frankfurt M. 2005, S. 10
Das ist schon ziemlich kindisch, aber was soll man machen, es ist ja ein Traum. Immerhin noch ganz lustig, wer es denn so sehen möchte. Ebenso dieser:
14. April 1967
A. sagte mir: ich bin jetzt 30 Jahre alt, aber ich sehe 28 Jahre jünger aus.

Quelle: Theodor W. Adorno, Traumprotokolle, Frankfurt M. 2005, S. 83
Derartige Träume gehören in die Kategorie des Verblüffenden. Andere sind freilich weniger freundlich kurios. Da fallen Monde herab, Menschen singen noch eine Woche lang, nachdem sie auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurden. „Namenloses Entsetzen“. Die komischen gefallen mir momentan besser, ich kenne sie selbst aus der eigenen Erfahrung leider eher nicht.
Frankfurt, Juli 1965
Mein Arzt hatte mir ein paar Furunkel aufgeschnitten. Ich träumte, er hätte ihnen auf einer Rechnung Namen gegeben. An einen erinnere ich mich: »Das muffige Geschwür ‘Etüde’«.

Quelle: Theodor W. Adorno, Traumprotokolle, Frankfurt M. 2005, S. 80
Es soll ja Menschen geben, die richten ihr Leben ein nach Träumen. Das ist aber doch vermutlich genau so bekloppt, wie sein Leben danach auszurichten, was man vom Hörensagen, von Vermutungen und Anruch empfindet. Gleichwohl ist dies anscheinend eine recht menschliche Verhaltungsweise. Doch dankt darin etwas ab, etwas, was ich gelernt habe, dem nicht zu vertrauen ist. Das ist vielleicht eine recht lustige Pointe in folgendem Traum:
Frankfurt, Februar 1967
Ich wollte meinen juristischen Doktor machen, hatte mir auch ein Thema ausgedacht, von dem mir schien, daß es mir gemäß sei. Es lautete: Der Übergang vom lebendigen Menschen zur jurististischen Person. Auch über die Methode bildete ich mir meine Vorstellungen. Sie sollte möglichst im Einklang mit der offiziell wissenschaftlichen sein. Ich wollte alle in der Literatur erreichbaren Bestimmungen der juristischen Person sammeln, ihre Differenzen von den lebendigen feststellen und daraus den Übergang konstruieren.

Quelle: Theodor W. Adorno, Traumprotokolle, Frankfurt M. 2005, S. 83

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