Texte fürs Blog

Unkoordiniert

Während sich der Deutsche Kulturrat über den 2. Korb beim Urheberrecht ereifert, dass nämlich die Geräteindustrie dabei zu gut, die Urheber zu schlecht wegkommen, machen die Komponisten einen Schuss von hinten nach vorn ins Knie. So kann man heute auf der Website des Deutschen Komponistenverbandes lesen:

Ein Gesetzesentwurf, der am 22.12.2005 im französischen Parlament Assemblée Nationale in Zusammenhang mit der nationalen Umsetzung der EU-Informationsrichtlinie diskutiert wurde und voraussichtlich am 7. März 2006 erneut beraten wird, bedroht die Rechte der Musikautoren und Musikverleger in Frankreich und Europa. Der Entwurf sieht vor, das illegale File-Sharing und Downloaden von Musikdateien durch eine Lizenzpauschale für den Verbraucher zu legalisieren.
Diese Pauschale wäre in einer Internet-Gebühr enthalten, mit der sämtliche Ansprüche von Rechteinhabern abgegolten sein sollen. Sollte dieser Entwurf Gesetz werden, führe dies, so SACEM-Präsident Bernard Miyet, „zu einer Enteignung der Urheber, weil eine faire Vergütung für die Autoren auf diesem Weg nicht mehr garantiert werden kann“. Die SACEM bittet daher die Mitglieder ihrer Schwestergesellschaft GEMA um solidarische Unterstützung im Kampf um die Sicherung der Urheberrechte in Frankreich und Europa. [Quelle, Hervorhebung M.H.]

Man will nicht Pauschalvergütung, man will nicht Digital Rights Management (DRM), man will von beidem das Schönste. Wollen die Gerätehersteller eine flächendeckende Rechteverwaltung in digital, so soll andererseits doch die Privatkopie erlaubt bleiben, aber die dann pauschal abgerechnet werden. Ist es vielleicht eine Frage der Fairness, wie das Geld dann verteilt wird? Dann müsste man in den sauren Apfel beißen und sich hinter DRM stellen. Aber das will man auch nicht.

Kinders, so nicht. Ihr macht euch doch lächerlich. Das ist wirklich kindisches Gebaren.

Was allein durch so eine Pauschalabgabe an volkswirtschaftlichem Nutzen entstehen könnte. Keine Prozesse mehr, keine Staatsanwaltschaften, die sich um derlei Popeleien kümmern müssen. Was man an Zeit und Geld so nicht verlöre.

In der anderen Konsequenz nämlich, wenn man also weg will von der pauschalen Vergütung (oder nicht hin), spielt der Phonowirtschaft in die Hände. Die will ja auch das Sendeprivileg abschaffen oder sehr stark einschränken. Nur so sei eine faire Abrechnung möglich und die Rechteinhaber kämen zu ihrem Recht.

Lieber Komponistenverband. Wer „a“ sagt muss irgendwann auch mal „b“ sagen, sonst wird es lächerlich.

Oder glaubt irgendwer — Abrechung hin, Pauschale her –, dass es eine faire Abrechung für Künstler wirklich geben könnte. Andere glauben ja auch an den Weihnachstmann. Warum also nicht?

[Nach Diktat verreist.]

Angetrieben von:

Powered by Drupal