Texte fürs Blog

Warum mir Berlin nicht gefällt

Darum.

Wer das nicht bemerkt, nicht sieht, hört, fühlt, schmeckt, riecht, dem ist einfach auch nicht zu helfen. Aber, jetzt kommt das große "Aber", aber daran kann man auch nichts ändern. Das ist wie mit Vorurteilen, die Mitscherlichs haben das fein geschrieben:

Vorurteile sind, genauer betrachtet, ein verblüffendes Phänomen. Wer von ihnen sicher gedeckt ist, lebt oft angenehm, denn er weiß mühelos über Dinge Bescheid, von denen er wenig versteht. Wenn wir aber auf jemanden treffen, der uns zu seinen Vorurteilen überzeugen will, ohne daß wir in der Stimmung sind, mit ihm d'accord zu gehen, so ist es oft zum Verzweifeln. Gegen Meinungsbesessenheit ist auch mit guten Argumenten nicht viel auszurichten. (Mitscherlich, Die Unfähigkeit zu trauern, Frankfurt, Wien, Zürich, o. J. 135

Könnte man meinen, der Autor habe ein solches in bezug zu Berlin? Wohl eher nicht, da es sich auf Erfahrung gründet. Freilich ist nicht ganz Berlin betroffen. Aber doch fast:

SctreifenWas ich heute sah, an einer Litfass-Säule, da war ein Plakat der Komischen Oper. Drüber gebappt: "Public Spam" (und es war nicht Werbung über den Hinweis gegen die Werbung, man weiß so etwas ja längst nicht mehr, möglich ist alles). Nö, voll ignorante, nichtdifferenzieren wollendes Klebevolk, was solls?

Die Lage ist ja richtig beschrieben. Natürlich ist das irgendwie auch Spam, eigentlich ist alles ja Spam, das ganze Leben, der Verkehr, die Herzen, das Denken und Fühlen. Alles Spam. Alles im Wege, alles ungefragt da. Menschen sind so gesehen auch nichts anderes als Spam: einfach da, ohne mich gefragt zu haben. Licht-Spam habe ich auch am Mehringdamm gesehen. Neonröhren-Flackern eines Gebrauchtautomobilottomotorenhändlers, jedenfalls den blinkenden Wimpeln nach zu urteilen.

Berlin ist einfach insgesamt Spam, arrogant bis in die gefetteten Scheitel von Schnickschnackschnöseln. In irgendwelchen Hauseingängen, Jugendliche Styropor-Jacken-Kiddies, die sich an Movies auf ihren Mobilteilen delektieren. Lebenslangeweile breitet sich hier aus. Aber und wie.

Nichts für ungut.

Und man kann auch den Pascal in Anschlag bringen, der etwas über Böses und Gewissen sagen wollte, lässt sich mühelos übertragen. "Niemals tut man so vollständig und so gut das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut."

Kommentare

Haha, "Berlin ist Spam". Das ist große Klasse. Wenn das der Wowereit hört! "Berlin ist zwar arm, aber Berlin ist auch Spam."

Vielleicht kann man daraus sogar den nächsten Song für den Eurovison Song-Contest stricken.

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