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Ein ernstes Wort zu Semmel(n)

Spaß beiseite. Lobididudelidu. Als studierter Deutschlandbummler hat man mit Semmeln so seine Probleme (allerdings nicht ihm seine). Als Niedersachse war man stolzer Brötchen-Käufer (der einzige Zusammenhang, in dem ich das Wort Stolz übrigens ertrage). Als Berliner wünscht man sich bekanntlich Schrippen, habe ich auch umgelernt ohne Probleme, zumal wenn dieses Wort “Schrippe” in unnachahmlich liebesflöterischem Ton aus dem Munde meiner Geliebten kam. Und als Südländer fragt man gerne nach Semmeln - und da habe ich dann schon eher Probleme meine nordeutsche Identität aufzugeben und schon allein aus Trotz Brötchen zu fordern, so wie ich umgekehrt früher die Nordeutschen mit der Begrüßungsformel “Grüß Gott” zu foppen vermochte und deren notorische Antwort: “Ja, wenn ich ihn sehe” zwar enervierend ist, aber auch nicht ganz unverständlich. Zurück …

Hufi flötet sich einenAls ich mal klein war (so wie auf dem Bild etwa), schickte mich mein im rheinland-pfälzischen Zweibrücken wohnender Opa (mütterlicherseits) zum Bäcker damit ich wohl ein paar Wasser- und Milch-Wecken erwerben solle, zwecks Frühstücksfeier. Kleine Kinder sind morgens komischerweise fit und es ist dann besser, sie sind aus dem Hause, um sich nützlich zu machen. Nun, als niedersächsisches Kind im Grundschulalter (siehe Foto nochmals) verstand ich das alles gar nicht. Der alte und kluge Mann verwirrte mich gar sehr. Dennoch, im Bewusstsein dessen, ein kluges Kind sein zu wollen und nach mehrmaligem Nachfragen, ob er das ernst meine, machte ich mich auf den Weg.

Dazu muss man wissen, Zweibrücken war die Wucht. Soweit ich mich erinnere, kanadisch besetzt, folglich hatten diese dicken, schweren Karossen mit den vielen Hecklichtern aller Farben am Auto einen irren Reiz für den kleinen Jungen aus der VW-Stadt.

Den Gang den Berg runter und hinauf machte ich gerne. Aber, wie war das noch einmal, Brötchen sollte ich besorgen? Nee, das hieß hier anders, die ticken und backen anders. Also unten in der Bäckerei dann die Bitte an die Verkäufer, sie sollen mir doch bitte schön ein paar Wasser-Weg- und Milch-Weg-Brötchen einpacken. Die schauten mich damals wahrscheinlich komplett entgeistert an. Aber ich bekam, was ich wollte und später auch die Erklärungen zur germanischen Auslaudverhärtunk.

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Kommentare

sehr schön, sehr schön. im schwäbischen gibt es keine semmeln, außer den bayerischen semmelknödeln. hier gibt es wegge. wurschtwegge z.b. aber auch breetle. wegge ist übrigens eines der ganz wenigen schwäbischen wörter, das man nicht verniedlichen kann. weggele hab ich hier noch nie gehört. der hamburger sagt rundstücke, oder? meine semmel ist eine verballhornung der amerikanischen muffin. ein ganz legendäres zappalied heißt muffinman und der einzige von zappa authorisierte übersetzter carl weissner hat es mit semmelmann übersetzt. that's it.
du siehst mit der flöte genauso aus wie ich damals. sone brillen sind heute total kultig

An die Zweebrigger Wasserweck kann isch misch aa noch erinnere! Ach wenn se aus Owerauerbach kumme sin, vum Baaze-Bäcker. Mid echder Lioonerworscht, ä Gedischd!

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