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Fenster können weinen

Abriss in RegensburgGestern noch konnte ich vor allen Augen mit Hemdenfalten in drei Schritten punkten. Der Tag begann schlecht. Zu früh aufgewacht, das Update der Weblog-Software ging daneben. Und da macht man einmal beim Update keine Sicherung. Der Zwischenurlaub ist beendet, die Nachbarn sind wieder im Haus, der Blutdruck hat sich daraufhin wieder normalisiert, nämlich auf zu hoch — nach einem wunderbaren Zwischentief die letzten Monate. Die Wohnung fühlte sich kalt an, die Nachmittagsruhe war unruhig. Es blieb kalt, im Gehirn tat sich nichts. Also raus gehen, an die wärmere Außenluft, spazieren, flanieren, gemächlich mit der Digitalkamera an der Donau lang, an Häusern im Stadium ihres Abrisses (das war einmal ein herrlicher Betonklotz, so richtig mit Altstadtgefühl) vorbei, über die Donau, zwischen der Donau, an der Donau.

Donau IdylleDann eine kleine Kiesbank, darauf ein Paar mit Sonnenhüten. Schauen hinaus, werfen Steinchen. Ist Regensburg schön? Ich weiß nicht. Es ist lau und das ist manchmal auch nicht das Schlimmste. Weiter Spazierengehen. An der Donau, über die Donau, in die Altstadt hinein, Kopfschmerz-Tabeletten kaufen. Weiter langsam durch die Stadt, einen alten Bekannten treffen, der es sich in einem Außencafé gut gehen lässt — und mich weitergehen lässt. Naxos-CDs stöbern, nichts finden (wollen) und weiter vorbei am Fotohaus Zacharias. Die Auslagen bewundern und siehe an: Für 19 Euro nur eine kleine Digitalkamera der Marke “Spypen Luxo.” Das Geschäft muss ich machen, mache ich auch. Bravo. Unlust durch Kauf bekämpfen und noch etwas Schafkäse beim Türken einsacken, der für die CSU tätig ist. Regensburgs Altstadt einmal durchquert. Wieder daheim sein, installieren und probieren und sich ärgern. Hoffentlich läd der Akku auch einmal. Keine Treiber für OS X. Sauber. Ein paar zugeschickte Texte überfliegen wie den aus der TAZ “DIE NÜTZLICHE RAUBKOPIE” von einem Halblützel. Rundy rennt! berichtet: “M. DUMONT SCHAUBERG: 8,8 Mio Gewinn” bei vier Prozent weniger Umsatz und sieben Prozent weniger Beschäftigten und einem Vorjahreslust von gut 20 Mio. Euro und angeblich startet “N24 … im Oktober 'Studio 1' mit Michel Friedman”. Ja und? Tolle Nachrichten sind das. Wer braucht überhaupt Nachrichten. “Keine Nachricht ist auch eine Nachricht” spricht mir der Schalk von vor 15 Jahren ins historische Ohr. Kann mir alles gestohlen bleiben im Moment. An meinem kalten Arbeitsplatz so etwas wie Digital-Kummer. Dann wieder das Bild mit dem Paar auf der Kiesbank in der Donau, dann wieder das Bild vom Digitalkummer. Au Backe. Ein Tag zum Wegschmeissen? Auf gewisse Weise ja. Blutdruck-Kummer. Schnell noch einen Eintrag hier hinein fabrizieren. Ein Bild vom 20.7.2004 sehen und sehen, dass es mir etwas zeigt. Fenster können weinen, wenigstens die.

Fenster weinen!

Kommentare

mann, ich hab mir letzte woche 4 von den luxos über einen hiesigen fotohändler zum spottpreis kommen lassen. bei allen 4 war der akku hin. dreck. mist. fuck. jezz hat er sie eingeschickt. ich glaub ich hol mir meine kohle wieder.
kopf hoch, hufi!!!

Kopf hoch, Herr Hufner.

Okay, wenn ihr meint, dann gehe ich eben wieder mal ins berühmte Kopfhoch-Studio und mache Kopfhoch-Fitness: ein paar Head-Ups schaden nie :)

Head-Up´s sind gut, denn: Unterhalb eines gesunden Kopfes wohnt ein gesunder Körper, und nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist, oder so ähnlich.

Wenn man mal so darüber nachdenkt, ist diese uralte Binsenweisheit ziemlich diskriminierend ....

Das ist eine “Winse” - es ist nichts. Das ist der Terror der Norm, des Normalen. Das “Normale” ist das “Autoritäre” des kleinsten Nennern der Masse. Es ist das, was übrig bleibt, wenn man merkt, dass nichts mehr von einem übrig bleibt als die Normalität: das Einverständnis in Leere. Alfred Döblin lässt den Franz Biberkopf an einer Stelle so unwiderstehlich diese geradezu dialektische De-Position aussprechen: “Geist, das ist Kopf, nich bloß son Deetz.”

Als blutdrucksteigernde Nachbarin habe ich soeben erst diese Zeilen registriert. Vielleicht wäre es nützlich, lieber Huflaikhan, beim Chef derselben einen Dauerurlaubsantrag einzureichen. Eine gesundheitsfördernde Maßnahme für uns beide!

Da stehe ich mal wieder auf der Leitung: Wie? Ich soll einen Dauerurlaubsantrag einreichen, damit es dir und mir besser geht? Oder macht dir dein Chef die Hölle heiß, weil ich mich mokiere und somit deine Gesundheit in Bedrängnis kommt? Und ich also Schuld bin? Aber, dann stellt sich die Frage, wie ich bei “deinem” Chef mich beurlauben lassen kann. Ich kapiere mal wieder gar nichts.

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