Texte fürs Blog

Umschlag

Adorno und Horkheimer haben in der “Dialektik der Aufklärung” vor nunmehr mehr als 50 Jahren eine Analyse der Kulturindustrie hingelegt, die, von heute aus betrachtet, noch zu zahm angesetzt war. Zwar sagen sie, dass die Massen betrogen sein wollen, dass sie aber auch diesen Trug durchschauen. Sie arrangieren sich damit, weil ein Aufbegehren dagegen sie selbst bloßlegen würde. Das könnten sie nicht aushalten. Immerhin, die Möglichkeit wurde noch selbstbewusst eingeräumt. Wenn ich jetzt so eine kleine Mitteilung bei über “Die Alm” bei The Jiary lese dann komme ich zum Schluss, dass sich selbst dieser Spalt der Flucht nach vorn geschlossen hat. Da ist nichts mehr zu durchschauen, wenn man die Massen daran gewöhnt hat, dass Aufmucken ein Zeichen des Hinterweltlertums und des Anachronistischen ist. “Das macht man nicht” und “Das hat sowieso keinen Sinn”. Das “Gib auf” wird gerade da eingeübt, wo das Herauskommen versprochen wird. Das machen Deutschlands mediale Talentsucher.

Adorno und Horkheimer hofften und verzweifelten noch zugleich:

Im Zeitalter der Statistik sind die Massen zu gewitzigt, um sich mit dem Millionär auf der Leinwand zu identifizieren und zu stumpfsinnig, um vom Gesetz der großen Zahl auch nur abzuschweifen.
Horkheimer/Adorno: Dialektik der Aufklärung, Amsterdam 1947, S. 172.

Und sie hofften sogar, dass die Verstumpfsinnigung der Kulturindustrie irgendwann so weit getrieben sein würde, dass damit ihre Ideologie leerer werde. Am Ende hätte sich die Kulturinsdustrie selbst den Stecker gezogen. Zum Teil sind wird schon in einem negativen Raum angelangt, und da scheint es weiterzugehen. Nur, dass diese Negativität rein abstrakt bleibt.

Was mir aber erst jetzt klar wird aus diesem Kapitel bedurfte der Erfahrung der gegenwärtigen Politik:

In einem freilich läßt die ausgehöhlte Ideologie nicht mit sich spaßen: es wird gesorgt. »Keiner darf hungern oder frieren; wer's doch tut, kommt ins Konzentrationslager«: der Witz aus Hitlers Deutschland könnte als Maxime über allen Portalen der Kulturindustrie leuchten. … Der, für den man draußen nicht sorgt, gehört ins Konzentrationslager, jedenfalls in die Hölle der niedrigsten Arbeit und der slums.
ebenda, S. 177-179

… oder ins Fernsehen beispielsweise.

Eben sehe ich auf RTLII Ballermann-Hits und zwei Moderatoren schubsen einen Gast ins Planschbecken, freuen sich diebisch, geben sich fünfe, knicken in den Knieen ein, als ob sich bepissen müßten. Einverständnisheischender Blick in die Kamera: Nein, wie lustig. Ach was, es ist zu einfach, sich darüber mit Kritik zu ergießen. Der Maelstrom hat sie längst aller Kritik entrissen.

Horkheimer und Adorno waren gewitzt, ihr Kapitel endet mit:

(fortzusetzen)

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