Texte fürs Blog

Kalenderblatt August 2004

Allem Ärger zum Trotz: Es gibt nichts Schöneres als Komponieren, wenn man es denn kann - und im Einzelfall es auch nicht kann, wie ich. Das Bild der Töne auf dem Papier, die Auflösungszeichen und Stichnoten, Schlüssel- und Lagenwechsel. Um nach einiger Zeit des Gedankenpinselns festzustellen, dass dies alles nix getaugt hat. Ritsch-ratsch durchstreichen, verwerfen. Das kann etwas durchaus sehr Befreiendes haben. Denn man macht Schluss mit etwas, was einem nicht rettbar erscheint und ist der Sorgen ledig, die man immer wieder hat, wenn man es sich als Vorstufe zu etwas Fertigem sieht.

Verworfene Noten

Das erinnert an die Erfrischung, die es brachte, als ich, 18- oder 17jährig, an einem Werk für Streichorchester saß. Das war von Anfang bis Ende vorgeplant. Es hätte ein Ende haben können, so genau war es geplant. Doch dann zehn Takte vor dem Ende die Einsicht: Es ist alles Bullshit. Befreiung. Irgendwann stellt man dann fest, kein Stück wird mehr fertig. Alles endet in einer musikalischen Katastrophe. Das Abbrechen selbst wird zur ästhetischen Kategorie. Die hält nicht viel aus, zugegeben. Aber die weggeworfenen Bruchstücke sind immer noch besser – als Nichtmusik – als die beendeten Bruchstücke, die sich in ihrer Wehleidigkeit prüde bespiegeln.

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Kommentare

Wie wäre es mit einer “Sinfonie des Abbruchs”? Einer Collage der Bruchstücke? Das passt doch in die Zeit. Und dann gleich zum Fernsehen damit...

Zum Fernsehen wollte ich immer schon, aber, liebe Haacki, ob das der richtige Weg ist?

...erst mal Kopf-Transplantation (mit dem Spenderschädel von Sascha Hehn?) - dann, als die “Randschlichten” - sowas wie “Lebt denn der alte Theodor noch...” tonsetzen!

rattert: theodosius

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