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Die Ballade von Rattenbonum

Die Ballade von Rattenbonum entdeckte ich heute beim Mailsortieren und Ausforschen diverser Mails. Es handelt sich dabei um das Werk einen anonymen Autors, jedenfalls solange, bis er/sie sich selbst outet.

Die Entstehungszeit lässt sich auf den Frühling des Jahres 1997 datieren. Der Sprachen Meister war der Autor einer. Manch bösartiger Wuttropfen lässt sich schwer ergründen. Der Autor versteht sich als Mann/Frau der revolutionären Zellen der ‘48er-Bewegung des vorletzten Jahrhunderts. Um die Zensur zu umgehen, griff der Autor zur Technik der Satire. Gleichwohl konnte sie ihren schmähenden Charakter bewahren.

Meine Wenigkeit bot das Werk seinerzeit auf der damaligen Homepage von Huflaikhans Heimat unter der Obhut von T-Online (damals bekannter unter dem Namen T-Offline) an. Mit dem Ende von Huflaikhans Heimat (ich berichtete), verschwand auch das Gedicht im Niemandsland. Eine Zeit lang fristete es sein Dasein unter den Fittichen von A. H. Classical Page.

Aus Gründen der Authentizität wurden ebenfalls die einleitenden Worte des Autors erhalten, die Schreibung folgt der damals gängigen. Interessant ist sicherlich noch die Zeichnung der Ballade als einer von Brutus Blümlein. Schöner konnte sich der Autor selbst nicht benennen. Tritt doch neben die poetische Sinnlichkeit des Blümlein (eine Anspielung auf Heine):

Und wüßten’s die Blumen, die kleinen,
Wie tief verwundet mein Herz,
Sie würden mit mir weinen,
Zu heilen meinen Schmerz.

mit dem Attribut des Brutus, dem Bruder Cäsars, bekannt durch manchen Dolchstich. Auch das bei Heine angedacht — zum Liebesschmerz gereimt, geradezu allegorisch die Beziehung Regensburgs zu dessen Autor erfassend:

Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht,
Ewig verlor‘nes Lieb! ich grolle nicht.
Wie du auch strahlst in Diamentenpracht,
Es fällt kein Strahl in deines Herzens Nacht.

Das weiß ich längst. Ich sah dich ja im Traume,
Und sah die Nacht in deines Herzens Raume,
Und sah die Schlang’, die dir am Herzen frißt —
Ich sah, mein Lieb, wie sehr du elend bist.

Genug der Vorrede. Jetzt zum historischen Texte.

Vorsicht: Dieses Gedicht wird immer länger, und es ist natürlich Satire

Jeden Monat kommen - zwangsläufig - ein paar Verse hinzu. Und auch Sie können sich gern Ihren Reim auf Regensburg machen. Einfach per e-mail an huflaikans Heimat schicken.

So gerät die Rattenbonum-Ballade ungefähr 2003 als längstes Gedicht der Welt ins Guiness-Buch der Rekorde. Falls es Guiness dann noch gibt. Sonst eben ins Kneitinger-Superlativ-Verzeichnis.

Eine Ballade
für die Bürger von Rattenbonum
oder: Regensburg ist, Dumpf sticht.

Der Dom war einst die Feuerwehr
ein Schloß gabs lange nicht.
Die Bürger wollten immer mehr,
den Fürst befiel die Gicht.

Der Dom steht spitz wie ein Vulkan
Die Donau wird vom Strom zum Wurm,
Das Fürstenhaus ist sehr arm dran
Es herrscht viel Ruhe vor dem Sturm:

Wo Tut-und-Taugtnix flott kassierte,
der Bischof seine Schafe führte,
der Reichstag ratlos diskutierte:
Die Stadt ist Bayerns schönste Zierde.

Sie war gebaut aus Römerscheiße
weshalb sie Rattenbonum heiße.

Die Stadt hat ihren Bürgermeister,
ein Meister-Bürger, drum bescheißt er
sogar sich selbst mit Wahl-Geseier.
Die Bürger braten Spiegeleier.

Die Stadt hat keinen Hugenberg,
aber einen Hugenzwerg.
Die ganze öde Medienszene
ist Mit-Essers Privat-Domäne.

Die Stadt hat eine Master-Leitung
(leider keine Meister-Leistung)
Mittelbayerische Zeitung
heißt diese Mittelmaß-Verbreitung.

Sie gibt ihr Bestes jeden Tag
Im Blödmacher-Zentralverlag.
Sie knarzt und lügt und dröhnt und brummt.
Dann druckt sie Dünnschiß und verstummt.

Aus einem extra dunklen Loche
kriecht ein Kanalblatt namens Woche.
Titz und Seitz und Raab und Hein
sind jedes Alphabeten Pein.

Dagmar Ruscheinsky-Rogl
hält sich wohl für den bunten Vogel.
Des Verlegers Morgenlatte
schrumpft sie als korrupte Ratte.

Harald Raab, der welke Lauser
schlüpft ins Kleid von Johnny Mauser.
Dann reimt er die Kultur-Kritik.
Fett tropft Moral beim Lügen-Fick.

Dazu paßt der Helmut Hein,
von Natur ein armes Schwein.
Dünner Saft quillt aus dem Dichter.
Zivil spielt er den Sitten-Richter.

Wer sendet Volksdumm-Larifari?
Natürlich Radio Charivari.
Längst hat der letzte Journalist
sich gern aus diesem Job verpißt.

Das Velodrom, Kultur-Modell
Geriet zum Schaidinger-Bordell.
Er hat es flott privatisiert.
Ein Lude kommt, und der kassiert.

Die Regensburger sind bescheuert:
Plump wird das Bürger-Fest verscheuert.
Was dieVerwaltung draus ersteuert
wird für sie selbst dreimal verfeuert.

Ein Stürmer namens Peter Kittel
hat Freunde und geschnorrte Mittel
das Bürgerfest komplett zu kaufen,
wo alle Bürger tapfer saufen.

Das ist ein prächtiger Profit
die Bürger denken doppelt mit.
Sie sehen alles dreifach klar
weil der Beschiß so einfach war.

Die Stadt hat jetzt ein Ritterspiel
blöd, doch voll National-Gefühl.
Wenn Dollinger den Krako mäht
das Chauvi-Herz sich schwarzbraun bläht.

Und: Justus Frantz kommt bald zu Gast
weil er so gut zum Haidplatz paßt.
Die Fassade ist poliert
Innen drin wird rumgeschmiert.

Kultur! juchzt da der Dezernent,
der bald seit sechs Jahren pennt.
Denn das ist die Qualität,
die er grade noch versteht.

Zu Egon Greipels Karriere
verhilft die starke Barriere,
daß das Brett vor seiner Stirn
mehr wiegt als sein ganzes Hirn.

Das sieht man gern in dieser Stadt,
wenn einer eine Plattform hat
auf der er brav servieren kann.
Der ist des Bürgermeisters Mann.

Der Schaidinger hat halt ein Maul,
da werden frische Himbeern faul
wenn sie in es hineingeraten.
Was rauskommt riecht nach Sauerbraten.

Hier ist Platz für Ihren Vers auf diese herrliche,
unmenschlich abgehalfterte Stadt.
e-mail an: huflaikhans heimat genügt.

...aberrrrr Rrrrrumsti, so gehts heiter
bürgerlich und spießig weiter.
Demnächst folgen neue Worte
von der Rattenbonum-Sorte.

Und es bleibt am End der Reim:
Regensburg ist halt zum Speibm.
Der eine stiehlt, der andre nimmt,
Hauptsache, die Kohle stimmt.

Gute Nacht, Du Rattenstadt.
Zwölf verhungern, zwei sind satt.

Brutus Blümlein

 

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