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Schön, gut, radikal: Trikont - Nachbetrachtung - taktlos # 80

Denis Riegger und Hans SöllnerGestern war taktlos zu Gast beim Giesinger Plattenlabel “Trikont”. Die verlegen wirklich gute, schöne und radikale Musik. Mein erstes Trikont-Produkt war 1984 “Mit gelben Birnen” vom “Ersten sogenannten linksradikalen Blasorchester”, erstanden in einem Plattenladen in Braunschweig (der auch gut mit Albert Ayler bestückt war), unmittelbar nachdem man mich durch die zweite sogenannte Gewissenprüfung zur Verweigerung des Dienstes an der Waffe rauschen ließ. Trikont waren okay. Nun, nach 20 Jahren in den Kontakt der Macher zu kommen, hätte schön, gut und radikal sein können.

Nun durfte ich einen feinen Text produzieren, um die Trikontianer ein bisschen auf die Schippe zu nehmen. Das ist meine Aufgabe bei taktlos — unabhängig, ob ich tatsächlich das meine, was ich da sagte. Der Text war ein wenig böse und auch das musste er sein, weil von den Gästen der Sendung her kein richtiges Streitgespräch zu erwarten gewesen wäre. Die Trikontianer waren gar nicht sehr begeistert, aber statt meine Einlassungen als Vorlage aufzufassen, um die eigene Position darzustellen, spielte hintergründig eine gewisse, wie soll ich sagen, Bösartigkeit oder Gekränktheit dann eine Rolle. Das sei Cabaret (Kabarett). Auch vorher fühlte ich mich nicht so ganz wohl, dort vor Ort; eine merkwürdige atmosphärische Störung irgendwie. Das lässt sich gar nicht so einfach verbalisieren. Irgend etwas störte da, in Giesing, in München. Die Gastfreundschaft war vorbildlich, das war es nicht.

Nach langem Nachdenken glaube ich den Grund jedoch zu ahnen: Die Trikontianer haben keinen Humor, denen eignet eine unbestimmte Form der Ernsthaftigkeit, die ironische Töne nicht zu leicht zulässt. Verbunden damit eine unausgespochene Banderole über dem Label, das permanent einem bedeutet: “Wir sind die Guten.” So war ich auch ganz froh, dass wir relativ früh den Ort verlassen haben. Wer sich einen eigenen Eindruck machen will, der kann jetzt die Sendung im Archiv von taktlos anhören. Allein schon der Musik Hans Söllners wegen, zwei hübsche, barsche, nette Kleinigkeiten.

Und dass man das nicht missversteht: Was bei Trikont herauskommt ist wirklich toll. Höre jetzt beim schreiben die wunderbare Attwenger-CD mit dem Titel “Sun”.

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