Texte fürs Blog

Sometimes Making Something Leads to Nothing

Wenn man weg ist, ist man nicht da. Man ist dann woanders. Dann passieren Dinge in Abwesenheit, während andere Dinge in Anwesenheit passieren. Ein spätes Geschenk, ein Treffen der Familie an ihrem alten Standort — leider ohne den Vater.

Familie und KunstDas ist nicht meine ganze Familie im engeren Sinn, also Geschwister und Eltern, sondern selbige mit anderen Besuchern beim Betrachten eines Videos des in Mexiko-City arbeitenden Francis Alÿs. Es war der Besuch Bestandteil des Treffens.

Bruder und GestalterinMeine größere Schwester beeindruckte neben anderem der Titel einer Arbeit, in der Alÿs einen großen Eisbrocken durch Mexiko-City schiebt, beziehungsweise vor sich her treibt. Der wird mit der Zeit immer kleiner, so klein, bis er vollkommen weggeschmolzen ist: “Sometimes Making Something Leads to Nothing”. Die Ausstellung selbst trägt den Titel “Walking Distance from the Studio.” So notiert Alÿs akribisch seine Fährten aus seinem Studio hinaus in die Umgebung seines Ateliers.

In einem anderen Video kauft er sich eine Pistole und geht mit ihr (geladen und entsichert) gut sichtbar in seiner rechten Hand durch Mexiko-City. Etwa 12 Minuten dauert sein Gang durch die Straßen bis ihn eine Streifenpolizei anhält und festnimmt. Eine gewagte Sache; das alles gefilmt aus einiger Distanz. Nun, das wäre ja nur etwas Ähnliches wie Versteckte Kamera, etwas verschärft. Es gelang jedoch Alÿs offenbar die Polizisten davon zu überzeugen, dass er kein Verbrecher sondern Künstler (no jokes!) ist und zweitens, die ganze Sache noch einmal zu drehen. Das ganze gelingt. So laufen zwei Videos parallel, wobei man aber nicht weiß, welches welches ist, beziehungsweise man kann es eigentlich erkennen. Aber die beiden Schildchen mit einem Kurzkommentar neben den Videos verunklaren die Sache.

Die ganze Ausstellung gibt es im Kunstmuseum Wolfsburg noch bis zum 28.11.2004.

Nachtrag: Nicht, dass es wichtig wäre, aber mir gelangen gerade mal sechs Foddos, nicht einmal der Exponate, ehe ich von einem diensthabenden Aufpasser darauf hingewiesen wurde, dass man nicht foddegraffieren möge, wozu eine Handbewegung ausreichend erschien. Da will ich man nicht so genau sein, hätte ich es nach dem letzten Exponat gemerkt, hätte man den Spieß umdrehen können. Jemand, der mich filmt, wie ich foddegraffiere und dann festgenommen werde, um dann den Wärter zu bitten, das noch einmal nachzudrehen. Aber, ich fürchte, eher geht man mit einer geladenen Pistole offen durch Mexiko-City als mit einem Foddeapparat durch eine Ausstellung des Kunstmuseums Wolfsburg. (Nachahmer erwünscht! — was das Kunstmuseum betrifft.)

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