Texte fürs Blog

PISA-Test, jetzt auch für Regensburg

 

Im Rahmen der Bewerbung um die Kulturhauptsstadt 2010 haben die EU-Kommisäre schwere Prüfungen eingeführt. Wie wir alle wissen, steht in einem Zentrum der PISA-Studie die Frage nach dem Textverstehen. Jetzt kommt es heute im Zuge eines vorgeblichen Bürgerentscheids zu einer Massenprüfung an etwa 90.000 wahlberechtigten Bürgern der Stadt Regensburg.
Wer dafür ist, stimmt mit NEIN
… dafür setzen wir uns ein!

Das hätte fast genügt für eine Aufnahme in die Rubrik Schnellgedicht, aber eben auch nur fast. Drei Dummbeutel von den schlimmsten Parteien der Region (CSU, SPD und BÜNDNIS 90/GRÜNE) werben da dicke, feist grinsend dafür, gegen etwas zu sein — oder umgekehrt. (Man darf übrigens mal wieder raten, zu welcher Partei auf dem Bild dort wer gehört).

Die Geschichte um die Planung der Stadthalle ist hier ewig. Was dem ganzen eine überzeugende Perversion verleiht, ist, dass derartige Bürgerentscheide in der Stadt Regensburg zum Leben gehören. Turnte man 1999 noch mit dem Spruch „Jetzt oder nie“ zum Bürgerentscheid (und die Regensburger entschieden sich mit 67,5 Prozent für „Nie“), gestattet es das Recht, dieses Votum nach ein paar Jahren zu ignorieren. Wenn die Wähler nicht wollen, wie sie sollen, müssen sie eben solange geprüft und ins Wahllokal geprügelt werden bis das Ergebnis so ist, wie mans gerne hätte.
Weil man sich da nicht darauf verlassen möchte, dass diese Wähler irgendwann eben einfach es müde sind und tatsächlich so entscheiden, wie man es gerne sähe, hat man dieses Mal einen Entscheid zum Textverständnis gleich mit eingebaut.

Bürgerentscheid 1: Sind Sie dafür, dass in Regensburg auf die Errichtung eines Kultur- und Kongresszentrums (Stadthalle) verzichtet wird? (0 Ja / 0 Nein)
Bürgerentscheid 2: Sind Sie dafür, dass der Donaumarkt als Standort für ein Kultur- und Kongresszentrum (Stadthalle) ausscheidet? (0 Ja / 0 Nein)

Wer hier weder eine Stadthalle ist nocht für den Stadtort Donaumarkt, der muss mit „Ja“ stimmen. Wer gegen eine Stadthalle ist, aber für den Standort Donaumarkt für die nicht zu errichtende Stadthalle ist, der stimmt mit „Ja und Nein“, wer für eine Stadthalle ist, aber gegen den Standort Donaumarkt, der stimmt mit „Nein und Ja“ und wer will, was die Stadträte wollen, der stimmt mit „Nein und Nein“. Ist doch ganz einfach.

Ich schätze wohl, dass sich zahlreiche Bürger dieses Mal dem PISA-Test entziehen und mit: „Leckt mich doch alle mal“ abstimmen werden. Ich weiß schon, wie das dann weitergeht. Nächstes mal wird dann Strom -und Heizungssperre sein außer in den Wahllokalen. Heute war ich bereits wählen, zusammen mit meinem Konditoren-Meister, nachdem er mir meine Sonntags-Notspeisung (Sauerbraten, rheinisch) verabreichte. Wir haben zwar ziemlich im Lokal herumgepöbelt und die Hoffnung geäußert, dass die Wahl hier hoffentlich fairer ablaufe als in der Ukraine und dass Wählen ohne das in Bayern übliche Panaschieren einfach langweilig ist. Auf Nachfrage nach der Einschätzung der Wahlbeteiligung überführte man uns in Polizeigewahrsam — dort brachte man uns auf 2 Promille mit Blutwurz und Glühwein und setzte uns in ein Auto. Was dann geschah, das stund just in „Bliz aktuell“
Honda auf Golf, Golf auf Renault, Pkw streift Stattelzug, Suzuki auf Opel. Es war ein Stau auf der A 93 bei Wiesau, der den Kettenunfall auslöste. Schaden knapp 40.000 Euro. Niemand wurde verletzt.
Kennt jemand einen guten Winkeladvokaten, der nicht im Regensburger Stadtrat sitzt?

Update: PISA-Test bestanden. Bei einer Wahlbeteiligung von etwa 26 Prozent stimmten 62 der Wähler dafür, dass der Donaumarkt als Standort für die Stadthalle ausscheidet. Damit haben der Unterbürgermeister Schaidinger (CSU) sowie die SPD und die GRÜNEN einen Dämpfer erhalten. Immerhin sind noch 62 Prozent überhaupt für eine Stadthalle in Regensburg. Naja. Man kann schließlich wieder einmal drei bis vier Jahre warten und die Frage erneut stellen. Kennen wir ja, haben wir geübt.

Kommentare

nein, ich kenne einen neuen tagesmax

Hihi! Hätten die Wolfsburger sich wenigstens um ein Törchen zurückgehalten, dann wäre ich sehr froh. Aber mit 4:0 war ich wirklich dicht dran!

Tja, wir von den JuLis und der FDP haben uns schon vor der 1. Abstimmung gegen den Donaumarkt und für den Bürgerwillen entschieden.

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