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Streit um Beethoven-Downloads

Janko Röttgers hat in der Netzwelt — denen man einmal die Leviten geigen müsste, klappt da doch Werbung von irgendwelchen obskuren Singlekrempel — über Kritik an dem Vorgehen der BBC zu ihrem Angebot von Beethoven-Downloads geschrieben. Da heißt es:

Ein Vertreter der bekannten Plattenfirma Naxos erklärte dazu gegenüber der britischen Zeitung The Independent, die Download-Aktion der Rundfunkanstalt sei fragwürdig. „Es führt ganz offensichtlich dazu, dass der empfundene Wert für Musik sinkt“, so Naxos-Manager Anthony Anderson. „Man bringt der Öffentlichkeit bei, dass es okay ist, diese Dateien für umsonst herunterzuladen und zu besitzen.“
Quelle: Streit um Beethoven-Downloads

Das ist bemerkenswert. Endlich geht es mal nicht um Popmusik, endlich mal um gemeinfreie Musik, aber auch da kommen dann die Musikheinzeln raus. Kein Wunder. Naxos macht schließlich sein eigenes Ding mit Online-Musik gegen Geld.

Man kann ja noch vestehen, dass sie sich in einer Schieflage fühlen. Denn BBC ist öffentlich gefördert, Naxos nicht. Beide segeln sie in ähnlichen Gewässern.

Aber heißt immer, dass etwas, nur weil es umsonst ist, keinen Wert habe. Die Wertediskussion trete ich nicht los. Das überlasse ich den Inkassobüros wie Gema, GVL und VG Wort etc. pp. in Deutschland. Aber ist das wirklich ein Lehrstück der BBC, wie es Naxos sieht? „Man bringt der Öffentlichkeit bei, dass es okay ist, diese Dateien für umsonst herunterzuladen und zu besitzen.“
Übersetzungsproblem? Dateien besitzen und herunterladen? Für umsonst auch noch. Geht es um Dateien oder geht es um Musik? Die Entwertung der Musik als solcher wird mit derlei Formulierungen doch viel offensiver betrieben, als es die BBC könnte. Millionen Downloads habe es gegeben, so Röttgers. Und wer hört die, Millionen? Was hören die denn da. Dateien? Davon kann man bei Naxos nur träumen, dabei sind die schon sehr billig, die Produkte dort.

Hat man nicht auch Naxos mal den Vorwurf gemacht, sie hätten Musik durch ihre Billigangebote entwertet. Hat man! Also.

Aber dieses Denken, aaah, Beethoven, entwertet durch die BBC. Die Leute der hohen klassischen Musik sollen mal endlich erklären, was sie da wollen. Auf der einen Seite erklären sich permanent durch die Medien und Lobbyisten, dass Musik so wichtig ist für das Leben und die Menschen meistens gut macht, fast ein Menschenrecht sozusagen. Andererseits gibt es welche, die von diesem Menschenrecht leben wollen. Ihnen durch Verkauf einen Wert geben wollen. Aber das ist heuchlerisch. In hohem Maße.

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Kommentare

Das ist schon fein richtig beobachtet: Der empfundene Wert für Musikkonserven ist sehr gesunken (und auf der anderen Seite boomt eine sündhaft teure „Event“-Kultur) ... Andererseits habe ich Naxos nie als ein Label erlebt, das sich um Qualität wirklich Gedanken gemacht hat. Im Zweifel wurde immer die günstigere Aufnahme gewählt ...

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